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Die Hälfte der Männer will zu Hause bleiben

Fast die Hälfte (48 Prozent) aller jungen Männer wären bereit, für die Kinderbetreuung vorübergehend aus dem Beruf auszu­steigen. Ein Drittel würde sogar ein ganzes Jahr lang Elternzeit nehmen, berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin karriere in der Titelgeschichte seiner April-Ausgabe unter Berufung auf eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Zurzeit sind gerade mal 4,9 Prozent aller Arbeitnehmer in Elternzeit Männer.

Die Hauptgründe für die Zurückhaltung der Väter sind laut der Allensbach-Studie Einkommenseinbußen, die Furcht vor Nachteilen im Job sowie Karriereeinbrüchen. Mehr als die Hälfte der befragten Männer unter 44 Jahren sind ferner der Meinung, dass Kinderbe­treuung Frauensache ist, 44 Prozent gaben an, dass die Mütter lieber selber ihre Kinder betreuen wollen.

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Vor dem Hintergrund der niedrigen Geburtenrate in Deutschland, will Familien­ministerin Ursula von der Leyen die Betreuung für Kinder unter drei Jahren deutlich ausbauen. Notfalls will sie sogar einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz nach dem vollendeten ersten Lebensjahr einführen. Im Interview mit dem Jobmagazin karriere sagte von der Leyen: "Sollte sich 2008 zeigen, dass der Ausbau der Kinderbetreuung nicht wie vereinbart voranschreitet, werden wir 2010 einen Rechtsanspruch für einen Kindergartenplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einführen. So steht es im Koalitionsvertrag." 2005 hatte die Bundesregierung in einem Gesetz den Ausbau der Kinderbetreuung festgelegt, laut von der Leyen fördert der Bund den Ausbau mit 1,5 Milliarden Euro

Eine große Wirkung erhofft sich die Ministerin von der Einführung des neuen Elterngeldes, das auch Väter unterstützen soll, sich trotz Beruf mehr um die Kinder kümmern zu können. Das Elterngeld "stärkt den jungen Männern auch in der Arbeitswelt den Rücken, denn bisher ist es doch noch wenig akzeptiert, die Rolle des aktiven Vaters einzunehmen", so von der Leyen. Die Kritik, im Vergleich zu Skandinavien, wo Väter 80 Prozent des aktuellen Einkommens vom Staat erhalten, sei das deutsche Elterngeld zu niedrig, weist die Ministerin zurück. "Im Vergleich zu heute sind 67 Prozent ein richtig starkes Wort. Mehr geht im Augenblick nicht. Gerade für Menschen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn sind 1 800 Euro viel Geld. Damit setzen wir ein deutliches Signal, dass es uns nicht gleichgültig ist, wenn sich junge Menschen für ein Kind entscheiden."

Das komplette Interview mit Ursula von der Leyen steht in der April-Ausgabe von karriere, die am 31. März 2006 erscheint.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.03.2006