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Die Giftsucherin

Pistazien isst sie nur im Hellen. Getrocknete Feigen bricht sie erst mal durch, bevor sie sie in den Mund steckt. Petra Höfken ist nicht hysterisch. Sie ist Lebensmittelchemikerin. Und weiß genau, was sich in den leckeren Nüssen und dem süßen Trockenobst verbergen kann: Mykotoxine, Pilzgifte - die zu den giftigsten Substanzen in der Natur gehören.
Höfken leitet ein Labor am Chemisches Landes- und Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Münster. Hier werden die Lebensmittelproben untersucht, die routinemäßig von den Überwachungsämtern eingesammelt werden. Hier landet aber auch all das, was misstrauische Verbraucher einschicken. Dann heißt es: Augen, Nase und Mund auf. Ekeln darf man sich vor gar nichts. "Wir müssen schließlich rausfinden, in welche Richtung wir die Probe analysieren müssen", sagt die 43-Jährige. Nur wenn etwas offensichtlich verdorben ist, verzichten sie auf den Geschmackstest.

"Einmal bekamen wir Senfkohl aus einem asiatischen Geschäft", erzählt die promovierte Chemikerin. "So etwas hatte ich noch nie vorher gesehen. Er war milchsauer eingelegt, gesalzen, eingeschweißt und sah aus wie die Hälfte eines kleinen Chinakohls." Bevor sie zubiss, hat sie lieber erst mal die Fachliteratur studiert. "Es ist schon spannend, Neues zu probieren, was einem sonst nie begegnen würde. Aber ich habe es bei dem einen Mal belassen. Senfkohl ist nicht so mein Fall." Regelmäßig erhält das Amt durch ein Schnellwarnsystem der EU Informationen über verdorbene Lebensmittel. Dann wird in allen Ländern ermittelt, wo die Charge hingeliefert wurde. "Inzwischen ist das tatsächlich ein Schnellwarnsystem, weil wir Mails bekommen", freut sich Höfken. "Früher kam schon mal das 5. Fax der x.ten Kopie, das dann kaum noch lesbar war." Ausschließlich ökologisch angebaute Lebensmittel kauft Petra Höfken nicht, obwohl sie an den Biobauern schätzt, dass sie auf umweltrelevante Stoffe verzichten. Grundsätzlich sei die Belastung von Lebensmitteln nicht stärker geworden, schätzt sie. Scharfe Grenzwerte, zum Beispiel für krebserregende Aflatoxine in Pistazien oder Trockenobst, hätten ihre Wirkung gezeigt

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Allerdings werden immer wieder neue Schadstoffe entdeckt. Zum Beispiel das Ochratoxin A. Deshalb bereitet die EU zurzeit weitere Verordnungen vor, um die Werte zu begrenzen. An nationalen und internationalen Expertengruppen sind auch Höfken und ihre Kollegen beteiligt. Sie selbst war für ein Jahr ins Umweltministerium abgeordnet, um Gesetzesentwürfe fachlich mit vorzubereiten. "Unser Rat", hat sie dort festgestellt, "wird gehört, allerdings hat dann immer noch die Politik ein Wörtchen mitzureden."
Dieser Artikel ist erschienen am 21.07.2003