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Die Gemeinnützigen

Caspar Dohmen
Ursprünglich waren die Sparkassen Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet worden, um ärmere Menschen mit Krediten und Sparangeboten zu versorgen. Heute sind sie die Universalbank um die Ecke und mit einem dicht geknüpften Netz von 19.000 Filialen in ganz Deutschland so allgegenwärtig wie keiner ihrer Konkurrenten.
Ursprünglich waren die Sparkassen Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet worden, um ärmere Menschen mit Krediten und Sparangeboten zu versorgen. Heute sind sie die Universalbank um die Ecke und mit einem dicht geknüpften Netz von 19.000 Filialen in ganz Deutschland so allgegenwärtig wie keiner ihrer Konkurrenten.

562 Sparkassen gibt es zwischen Flensburg und Füssen, fast alle sind öffentlich-rechtlich organisiert. Daneben existieren sieben freie, privatrechtlich organisierte Sparkassen. 392.000 Menschen arbeiten unter dem Dach des Sparkassen-Finanzverbundes.

Die besten Jobs von allen


Ihre Kunden müssen aus der jeweiligen Region kommen: So darf zum Beispiel die Stadtsparkasse Köln grundsätzlich jenseits der Domstadt keine Geschäfte machen. Der Vorteil: Sparkassen sind in ihrem Gebiet oft erster Ansprechpartner für Privatkunden und Mittelstand. Doch auch ins Investment-Banking sind zumindest die Großen unter den Sparkassen längst eingestiegen. Und Ende Juli startet der gemeinsame Onlinebroker der Sparkassen: S-Broker.

Träger der Sparkassen sind die Kommunen. Von ihren privaten Konkurrenten unterscheiden sie sich durch ihre Zielsetzung und ihre gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben. So verpflichtet der öffentliche Auftrag die Institute zur Förderung der Wirtschaft in ihrer Region. Statt Gewinnmaximierung und Steigerung des Werts für die Aktionäre steht die Gemeinnützigkeit im Vordergrund.

Einmal Sparkasse, immer Sparkasse. Dieses Jahrzehnte zementierte Karrieremuster bröckelt. Während früher ohne Stallgeruch oft gar nichts ging, holen die Institute immer öfter Mitarbeiter von außen. Ob im Investment-Banking oder Risikocontrolling – ?der Bedarf an Spezialisten steigt“, sagt Jürgen Backhaus, stellvertretender Leiter der Sparkassenakademie in Bonn.

Und die Nachfrage nach Hochschulabsolventen mit Spezialkenntnissen wächst. Momentan haben acht von 100 Sparkassenmitarbeitern einen Universitätsabschluss, vor zehn Jahren waren es erst vier.

Die Jobperspektiven bei den Sparkassen sind je nach Größe sehr unterschiedlich. Während in den kleineren Häusern durchweg das starre Korsett des Bundesangestelltentarifs oder Bankentarifvertrags gilt, können Beschäftigte bei den Großsparkassen durchaus mehr verdienen. ?Ausnahmekandidaten“ bekommen deutlich übertarifliches Gehalt, heißt es bei der Stadtsparkasse Köln, der größten öffentlich-rechtlichen Sparkasse.

Einen Karrierevorteil bietet die Sparkassengruppe schon auf Grund ihrer dezentralen Organisation. ?Ein wichtiger Vorteil für Berufseinsteiger ist die überschaubare Größe einer Sparkasse“, sagt Jörg Engelsmann von der Kölner Personalberatung IFA. Mitarbeiter können viel schneller einen Überblick über die Palette an Tätigkeitsfeldern gewinnen als in einer Großbank mit ihrer hohen Arbeitsteilung. Zudem könnten sie ?schneller Führungsverantwortung übernehmen“.

Während in der Chefetage der Deutschen Bank neun Vorstandssessel stehen, locken mehr als 2.000 bei den öffentlich-rechtlichen Banken. Zwar agiert ein Sparkassenvorstand nur regional begrenzt, dafür fast immer beim lokalen Marktführer.

Aber Vorsicht: ?Wer acht oder mehr Jahre bei einer Sparkasse arbeitet, für den wird ein Wechsel zu einer privaten Bank schwierig“, sagt Matthias Meifert von der Personalberatung Kienbaum in Berlin. Sparkassenmitarbeitern werde häufig ein ?inflexibles Verhalten“ unterstellt.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.06.2001