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Die erste Begegnung ist entscheidend

Ana Moshu
Die Bewerbungsmappe hat überzeugt und der Vorstellungstermin ist vereinbart. Der erste Schritt in Richtung Anstellung ist geschafft. Das Vorstellungsgespräch ist jedoch nicht nur die letzte sondern auch die schwierigste Hürde für den Bewerber. Was hier zählt ist die Persönlichkeit. Wirken Sie sympathisch? Können Sie zuhören? Und sind Sie der Richtige für dieses Unternehmen?
Um einen überzeugenden Eindruck zu hinterlassen, muss man sich im Klaren darüber sein, welche Motivation man selber für den zukünftigen Job mitbringt. Aus welchen Gründen reizt das Angebot? Nichts ist schlimmer, als dem Gegenüber das Gefühl zu geben, man wisse gerade sonst nichts anderes zu tun. Um diesen Eindruck und andere Fauxpas, wie fehlendes Wissen über das Unternehmen, unpassendes Outfit und ähnliches zu vermeiden, steht vor jedem Vorstellungsgespräch die Vorbereitung.Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Die besten Jobs von allen

In erster Linie gehören hierzu die Informationen zum Unternehmen. Hierbei kann die Internet-Präsenz ebenso Auskunft geben, wie Wirtschaftsverbände und das Handelsregister. Auch Artikel aus der Presse zu aktuellen Projekten können einen guten Gesprächsstoff bieten. Bei großen Unternehmen hilft auch das so genannte "method acting": rufen Sie die Presseabteilung an und bitten Sie um Zusendung von Infomaterial.Mögliche Informationen:

- Umsatz der letzten Jahre
- Anzahl der Mitarbeiter
- Geschäftsfelder
- Wettbewerber
- Aktienkurs

Verspätungen sind schlichtweg unzulässig. Auch die ehrlichste Entschuldigung kann den hinterlassenen Makel im Gedächtnis des Entscheiders nicht vergessen machen. Also: ausreichend Anreisezeit einplanen. Die genaue Wegbeschreibung ist obligatorisch. Stadtplan und Co. helfen, falls der Unternehmensstandort unbekannt ist. Vergewissern Sie sich über alternative Transportmöglichkeiten. Springt der Motor nicht an? - Welche Bahn muss ich nehmen? Auch das Einberechnen von Staus, Verspätungen im öffentlichen Bahnverkehr und andere Zwischenfälle sollten bedacht werden. Lieber zu früh ankommen und sich im nächsten Café noch einmal auf Fragen und Antworten konzentrieren, als gehetzt oder gar zu spät in ein Vorstellungsgespräch zu gehen. Der dritte Schritt besteht aus der Frage/Antwort-Planung. Sitzt man erst vor einem gewieften Personaler, kann eine einzige überraschende Frage sprachlos machen.
Der Lebenslauf sollte hierbei ebenso abrufbar sein, wie eine überlegte Antwort auf eventuelle Fallfragen. So kann die Frage nach dem derzeitigen Lesestoff Aufschluss über die eigene Persönlichkeit geben. Das Lieblingsbuch kann dabei sogar der Identifikations-Indikator für den zukünftigen Arbeitgeber sein. Andererseits muss der Bewerber nicht auf alle Fragen Antworten. Insbesondere solche, die sich auf die eigene Parteizugehörigkeit und Kinderwunsch beziehen, können zu Recht abgewiesen werden. Allerdings helfen auch hier Tricks bei der notwendigen Diplomatie. Bei Fragen nach einer eventuellen Schwangerschaft oder Homosexualität kann mit Humor zurückgeantwortet werden, ob dies Vorraussetzung für eine Einstellung sei.

Mögliche Fragen:
- Warum sollte ich Sie einstellen? Welche Vorteile besitzen Sie gegenüber den anderen Bewerbern?
- Wären Sie in einer Firma anderer Größenordnung / anderen Unternehmenstyps besser aufgehoben?
- Was lesen Sie zur Zeit / regelmäßig, um sich weiterzubilden? Welches ist Ihr Lieblingsbuch?
- Was wissen Sie über unser Unternehmen / Produkt / unsere Philosophie?
- Bitte fassen Sie die wichtigsten Stationen Ihres Lebenslaufs zusammen.
- Weshalb streben Sie einen Arbeitsplatzwechsel / diesen Beruf an?
- Warum haben Sie sich bei uns / für diese Stelle beworben?
- Welche Stärken / Schwächen besitzen Sie?
- Welche Tätigkeiten sind Ihnen unliebsam?
- Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
- Erzählen Sie etwas über sich.

Unzulässige Fragen:
- Parteizugehörigkeit
- Heirat
- Kinderwunsch
- Austritts- oder Kündigungsgrund im früheren Unternehmen
- Öffentliche Ämter und Ehrenämter
- Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden
- Religionszugehörigkeit
- Vorstrafen
- Schwangerschaft
- Gewerkschaftszugehörigkeit

Die Outfit-Frage

Ein einheitlicher Dresscode für das Vorstellungsgespräch existiert nicht. Darüber hinaus gibt es allerdings viele Richtmaße, Tabus und Stolperfallen.

Die sieben Gebote zur Kleiderfrage:

1. Treten Sie gepflegt auf
(Gebügelte Hemden, fleckenfreier Kragen, polierte Schuhe, gewaschene Haare, saubere Ohren, etc.)

2. Wahren Sie den Unternehmens-Dresscode
(Keine Sneakers zur Bank! Kein biederer Anzug zur lockeren Agentur! Kein Mini zur Anwaltskanzlei!)

3. Kleiden Sie sich nicht aufdringlich
(Soll das sexy Dekollete von Ihren nicht vorhandenen Qualitäten ablenken?)

4. Vermeiden Sie das To-Much und andere Fauxpas
(Auffällige Kombis, schreiende Farben, ablenkende Accessoires, zu viel Schmuck, Tennissocken, etc.)

5. Fühlen Sie sich wohl
(Keine Rockträgerin? Dann sollten Sie nicht gerade zu diesem Anlass damit beginnen.)

6. Übertrumpfen Sie Ihren zukünftigen Vorgesetzten nicht
(Seinen neuesten Brioni-Anzug hätte Ihr Vater Ihnen sowieso nicht ausgeliehen.)

7. Seien Sie dezent
(Parfümwolken und Kriegsbemalung sind tabu.)

Auf den ersten Blick
Es ist soweit. Sie betreten das vielleicht zukünftige Arbeitsterrain und werden vom Personalentscheider empfangen. Nach Meinung von Psychologen sind dies die wichtigsten Sekunden einer Begegnung. Schon während der ersten Minute entscheidet das Gegenüber unterbewusst über Sympathie und Antipathie. Dabei müssen Sie sich mit leichter Nervosität nicht zwangsläufig Minuspunkte einhandeln. Dagegen wirkt Überheblichkeit und Arroganz fast schon chancentödlich.Wichtigste Prämissen beim ersten Kontakt:

- Sie kennen Ihre Qualitäten. Bekämpfen Sie also Nervosität durch Gelassenheit.
- Ihr Gegenüber kennt Ihre Qualitäten nicht. Überzeugen Sie zuerst durch Freundlichkeit und Höflichkeit.
- Ein fester Händedruck zeugt von Ihrer Sicherheit.
- Sprechen Sie weder im Flüster- noch im Kasernenhofton.
- Versuchen Sie nicht gleich die Gesprächsführung zu übernehmen, aber vermeiden Sie auch einen Monolog des Gegenübers.
- Lächeln Sie, aber vermeiden Sie aufgesetzte Maskeraden.
- Halten Sie Augenkontakt ohne zu stieren.
- Wahren Sie den nötigen Abstand ohne distanziert zu wirken.
- PACEN Sie.


Pacen - die Kunst der Nachahmung

Pacen bedeutet spiegeln und dient der nonverbalen Kommunikation. Lehnt sich der Interviewer gelassen zurück, so sollten Sie sich nicht angestrengt und steif nach vorne beugen. Hat er dagegen eine dominante Haltung müssen Sie es vermeiden, seine Position durch nonverbales Verhalten streitig zu machen. Sie sitzen nicht im Chefsessel, sondern er. Hält er dagegen auffällig Distanz zu ihnen, dürfen Sie ihm nicht auf die Pelle rücken.
Auch das Spiel mit den Händen kann aufschlussreich sein für beide Seiten. Hier verraten sich Nervosität, Selbstsicherheit und Schüchternheit des Gegenübers. Hält der Interviewte seine Hände zwischen den Beinen versteckt, während der Interviewer dem symbolisch erhobenen Zeigefinger mit einem wild wedelnden Stift Nachdruck verleiht, kann dies Unsicherheit und Versagensangst verraten.
Das Pacen muss allerdings gelernt sein. Beobachten Sie einmal Ihre Freunde im Gespräch mit ihnen und vergleichen Sie die verschiedenen Wirkungen, die das nonverbale Verhalten Ihres Gegenübers bei ihnen hinterlässt.


Haltungsnoten

Kennen Sie die typische Kleinmädchen-Haltung: Stehend, Beine voreinander gekreuzt und leicht gesenktes Haupt. Jeder Personaler weiß, hier steht keine selbstbewusste Persönlichkeit, geschweige denn ein zukünftiger Mitarbeiter mit Führungsqualitäten. Unterbewusst signalisiert diese Haltung sogar, dass Sie bei der geringsten Berührung umkippen. Verschaffen Sie sich also Halt. Hierbei gilt, dass Sie Ihren Beinen immer soviel Platz erlauben dürfen, wie es Ihre Schulterbreite vorgibt. Besonders für Frauen kann das ungewohnt sein. Allerdings zeugt diese gerade Haltung mit leicht auseinander stehenden Beinen von Sicherheit. Auch hier hilft der Selbstversuch. Lassen Sie sich von jemandem leicht anstupsen. Sie haben so sicher mehr Halt und können Ihr Gleichgewicht besser koordinieren, als wenn Sie Ihre Beine voreinander kreuzen oder gar wie bei einem Kegel eng nebeneinander stellen.
Halten Sie zudem die Schultern gerade, natürlich ohne den Anschein zu erwecken, den Kleiderbügel mit angezogen zu haben. Heben Sie leicht das Kinn. Vermeiden Sie Zappeln (Müssen Sie auf die Toilette?). Aber vor allem vermeiden Sie eine Zinnsoldaten-Haltung.


Tipps & Tricks

Das Spiel mit dem Stuhl
Manche Arbeitgeber stellen den Stuhl für Sie an eine seltsame Position (z.B. zu weit weg vom Tisch) und wollen sehen, ob Sie sich einfach hinsetzen oder kurzerhand den Stuhl umpositionieren und damit Tatkraft beweisen.

Die scheinbar unbeteiligte Person
Sitzt eine Person im Zimmer, die sich nicht am Gespräch beteiligt oder gar anderen Tätigkeiten widmet? Es kann sein, dass man prüfen will, ob Sie es schaffen diese Person in das Gespräch einzubinden.

Lange Wartezeiten
Lässt man Sie ungewöhnlich lange warten? Womöglich möchte man Ihre Courage testen. Fragen Sie freundlich bei der Sekretärin nach. Schließlich ist Ihre Zeit genauso wertvoll, wie die des Personalverantwortlichen.

Die aktuelle Frage
Informieren Sie sich über ein aktuelles Ereignis aus der Branche. Vielleicht möchte man Ihre jobspezifische Allgemeinbildung und das Interesse am aktuellen Geschehen prüfen.

Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2005