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Die Einfallspinsel

Chris Löwer
Foto: Jürgen Blume
Das Berliner Startup Knack die Nuss! bringt anderen Menschen bei, wie sie Ideen finden und umsetzen können. Und wie man mit wenig groß rauskommt.
Berlin-Mitte, Leipziger Straße, sanierte Platte, erster Stock. Auf dem Büroschild prangt eine dicke braune Walnuss - hier also werden Probleme geknackt. Matthias Klopp wusste schon früh: "Das ist mein Job." 1999 gründete der 30-Jährige mit Martin Gaedt, 33, das Unternehmen Knack die Nuss! (KdN).

Während des BWL-Studiums hatte Klopp als Assistent der Geschäftsführung in einem mittelständischen Tourismusunternehmen gearbeitet. So hätte es weitergehen können, erfolgreiche Bewerbungsgespräche bei großen Unternehmensberatungen folgten. Aber: "Das ist nicht mein Ding. Ich will meine Ideen umsetzen. Das ist für mich der Reiz der Selbstständigkeit."

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Kosmische Idee

Mit je 500 Mark in der Tasche legten die beiden los. Nach einer Durststrecke peilen sie im laufenden Jahr einen sechsstelligen Umsatz an. Ihre Kosten sind gering. Das Büro ist billig und der Kopf voller Ideen - denn darauf kommt es an: Braucht der Berlin{r Freizeitpark FEZ eine neue Attraktion, basteln die beiden eine Raumstation nach dem Motto "Viel Effekt für wenig Geld."

Bauchladen entrümpeln

Oder die Sache verselbstständigt sich: Für einen Gebäude-Schadenssanierer sollte KdN einen schmissigen Web-Auftritt kreieren. Das haben sie gemacht - und nebenher ein neues Geschäftsfeld entwickelt. Bei der Recherche für ihren Auftraggeber fiel ihnen auf, dass es nahe liegt, dessen Handwerkernetzwerk gleich für anderen Arten von Aufträgen zu nutzen. Eine lukrative Sache, die auch für die Kunden günstiger kommt.

Nit den Problemen anderer wuchs die Dienstleistungspalette: KdN kümmert sich um neue Namen, um Events, Marketing, Strategieentwicklung, Krisenmanagement oder Ideenworkshops. "Da kam schnell ein riesiger Bauchladen zusammen", geben Klopp und Gaedt zu. Sie haben reagiert, jetzt gibt es zwei Unternehmensbereiche: Matthias Klopp findet mit seinem "Creative Service" Ideen aller Art und setzt sie um, während Gaedt mit seinem "Ideen Coaching" Privatleuten und jungen Unternehmensgründern in Seminaren und Workshops beibringt, wie sie eigenständig Lösungen finden können.

Nie zufrieden

Die Maxime von KdN ist: Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Und diese liegt darin, das Problem genau zu benennen. Bereits daran scheiterten die meisten Leute, haben die Nussknacker bemerkt. Denn oft kommen ihre Klienten mit einer vermeintlichen Lösung in ihr Büro, die sie am Weiterdenken hindere.

Auch die Struktur von KdN kann durchaus noch verbessert werden, ist Klopp überzeugt - wie jedes Konzept. "Fehler machen, erkennen, beheben, das Geschäftsmodell immer wieder prüfen und daran feilen, darauf kommt es an", sagt er. Ein Prozess, den viele gescheiterte Startups nach dem Start versäumt hätten.

"Viele wagen den Schritt nicht, weil sie vor dem Scheitern Angst haben, oder sie lassen alles stehen und liegen und gehen mit viel Wagniskapital an die Sache, was ein großes Risiko sein kann", hat Klopp beobachtet. Vom Zweiten hält er so wenig wie vom Ersten - es sei denn, das Geschäftsmodell ist so brillant, dass sich Durchstarten lohnt.

Er hält es mit den Großen wie Richard Branson oder Bill Gates, die klein anfingen und auch Rückschläge erlitten. Erfolgsgeschichten, die klar machten, dass einer guten Idee gutes Geld folge und nicht umgekehrt. Also: "Man muss auf die Idee vertrauen und nicht auf Kapital. Viel Startkapital verführt dazu, teure Fehler zu machen."

Lieber Erstdenker als Blindrenner

Gründer, die, von einer fixen Idee getrieben, alles aufs Spiel setzten und verlören, nennt Klopp "Blindrenner". Er hält mehr vom Typ "Erstdenker" - Menschen, die erst denken, dann handeln und das mit Ausdauer und Lernbereitschaft.

Deshalb steht in der Leipziger Straße kein flotter Dienstwagen vor der Tür, deshalb gibt es keine Empfangsdame und keine festen Mitarbeiter, sondern nur ein Dutzend freie. Dafür ist das Auftragsbuch voll und die Kasse klingelt. Honoriert wird KdN nach Aufwand, und der schlägt im Schnitt mit 3.000 bis 15.000 Mark zu Buche.

Sie wissen: "Die Über-Nacht-Erfolgsgeschichten gibt es nicht. Es gibt nur langes, zielgerichtetes, ausdauerndes Arbeiten am Erfolg." Ein Weg, auf dem jeder Gründer einige harte Nüsse knacken muss. Aber zum Glück gibt es ja das kleine Berliner Unternehmen, das dabei hilft.

Dieser Artikel ist erschienen am 18.10.2001