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Die Eichel-Rente wird verkannt

Gertrud A. Hussla, Handelsblatt
Immer mehr Firmen reduzieren ihre freiwilligen Leistungen für Arbeitnehmer drastisch wie zuletzt etwa die Commerzbank oder der Gerling-Konzern. Arbeitnehmer müssen sich also nach Alternativen umsehen, um die Rentenlücken auszugleichen. Außer der privaten Riester-Rente können Arbeitnehmer auf eigene Kosten einen Betriebsrentenvertrag (Eichel-Rente) abschließen ? und dabei kräftig Steuern sparen.
Die Betriebsrente ist ins Gerede gekommen. Immer mehr Firmen reduzieren ihre freiwilligen Leistungen für Arbeitnehmer drastisch wie zuletzt etwa die Commerzbank oder der Gerling-Konzern. Arbeitnehmer müssen sich also nach Alternativen umsehen, um die Rentenlücken auszugleichen. Außer der privaten Riester-Rente können Arbeitnehmer auf eigene Kosten einen Betriebsrentenvertrag (Eichel-Rente) abschließen ? und dabei kräftig Steuern sparen. Mit der vor zwei Jahren eingeführten Eichel-Rente wurde das Angebot deutlich erweitert. Aber kaum mehr als fünf Prozent der Arbeitnehmer nehmen das Angebot bis jetzt wahr. Dabei lohnt es sich fast immer."Der Steuervorteil macht?s", sagt Björn Schütt-Alpen, Geschäftsführer der Metallrente, ein Versorgungswerk, das für die gesamte Metallbranche Betriebsrenten organisiert. Und auch Uwe Neujahr von der auf Altersvorsorge spezialisierten Unternehmensberatung Heissmann ist überzeugt: "Bruttoeinkünfte für die Betriebsrente abzuzweigen ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Altersvorsorge."

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Die staatlich geförderte Betriebsrente funktioniert so: Alles, was Arbeitnehmer in einen Betriebsrenten-Sparvertrag einzahlen, ist steuerfrei ? und bis 2008 auch sozialabgabenfrei. Erst mit Beginn des Ruhestands sind dann die Renteneinnahmen zu versteuern. Zinsen und Zinseszinsen der staatlichen Förderung sind dabei das Sahnehäubchen. Bis zu vier Prozent des Brutto-Einkommens, aber maximal 2472 Euro können Arbeitnehmer jährlich steuerfrei einzahlen.Ein Rechenbeispiel: Wenn ein 40-jähriger Single die volle Summe einzahlt, dann spart er 1389 Euro an Steuern und Sozialbeiträgen, das sind 56 Prozent der Beitragssumme. Im Endeffekt muss er also nur auf 1083 Euro seines Jahres-Nettos verzichten. Hat der Single seine Beiträge etwa in die Metall-Pensionskasse einbezahlt, dann erhält er mit 65 Jahren eine Betriebsrente von 550 Euro pro Monat ? allerdings inklusive Überschussbeteiligung, die nicht garantiert ist. Bei einem Familienvater gleichen Alters mit zwei Kindern macht die Förderung von Vater Staat immerhin noch 48 Prozent des Jahresbeitrags aus.Wie aber kommt der Arbeitnehmer an die Eichel-Rente? Seit 1.1.2002 ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, eine Betriebsrente anzubieten, sofern der Arbeitnehmer danach fragt. Dabei gibt es verschiedene Produkte. Das populärste ist die Pensionskasse, die so ähnlich wie eine Lebensversicherung funktioniert. Versicherungsnehmer ist dabei der Arbeitgeber, Beitragszahler und spätere Rentenempfänger sind die Arbeitnehmer. Etwa 70 Prozent aller Unternehmen wählten diese Form der Betriebsrente, schätzt Jürgen Kropp vom Dr. Lutz Beratungsinstitut für Altersversorgung, auch weil die Pensionskasse Arbeitgebern die geringsten Kosten verursache. Häufig kommt von den Unternehmen ein Extra-Bonbon: Sie zahlen dem Arbeitnehmer dazu, was sie an Sozialabgaben sparen.In gleicher Weise staatlich gefördert wird auch die Betriebsrente in Form eines Pensionsfonds, bei der das Geld an den Kapitalmärkten angelegt wird. Potenziell gibt es hier höhere Renditen, das Risiko ist aber entsprechend höher. Der Gesetzgeber hat jedoch eine Sicherung eingebaut: Der Arbeitnehmer erhält mit Renteneintritt garantiert die Summe aller eingezahlten Beiträge wieder.Ein Auslaufmodell ist die Direktversicherung. Noch bis Ende des Jahres können Mitarbeiter sie als Alternative zur Eichel-Rente abschließen. Dabei zahlt der Arbeitnehmer einen ermäßigten Steuersatz von 20 Prozent; im Alter sind die Einkünfte dann steuerfrei. Maximal 1752 Euro können Mitarbeiter so Steuer sparend anlegen.Gerade die nach der Eichel- Rente geschaffenen Modelle fristen bislang noch ein Schattendasein. "Vor allem kleinere Firmen machen erst mal gar nichts und warten, ob überhaupt jemand ihrer Mitarbeiter danach fragt", meint Berater Kropp. Die Initiative müsse jedoch vom Arbeitgeber kommen, meint Kropp. "Vor allem jüngere Arbeitnehmer denken, die Rente ist noch so weit weg, und geben ihr Geld lieber anders aus." Vorbildlich läuft es etwa beim Kugellager-Hersteller SKF in Schweinfurt: Das Unternehmen hat seine Mitarbeiter intensiv aufgeklärt: Bereits 16 Prozente der Belegschaft sparen nun für die Eichel-Rente.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004