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Die drei von T-Mobile

Von Katharina Slodczyk
René Obermann, der neue Chef der Deutschen Telekom, baut die Konzernspitze um. Er setzt dabei auf bewährte Kollegen aus seiner Zeit bei T-Mobile. Zwei der drei neuen starken Männer haben sich ihre Sporen in den USA verdient. Sie sollen den einstigen bundesrepublikanischen Staatskonzern auf Vordermann bringen.
Der neue Telekom-Chef Obermann schart Getreue um sich. Foto: dpa
BONN. Der Mann redet ohne Punkt und Komma. Fast ist es, als wolle er jede erdenkliche Frage der etwa 20 Journalisten im Raum beantworten, bevor sie überhaupt gestellt wird. Zunächst seine Lieblingsbotschaft: ?T-Mobile USA ist nicht einfach der kleinste der vier landesweiten Mobilfunkbetreiber, wir sind Teil eines globalen Konzerns und profitieren enorm von den dazugehörenden Größenvorteilen.?Danach geht es weiter im Text. Reden, reden, reden. Fast eine halbe Stunde lang, bis er die elf eng beschriebenen Seiten Manuskript routiniert weggefressen hat wie ein Reißwolf, bis er alle Bedenken, jede mögliche Kritik weggeredet und sich das Anfangsbekenntnis durch immer neue plakative Formulierungen und positive Schlagwörter in den Köpfen seiner Zuhörer eingebrannt hat.

Die besten Jobs von allen

Reden, das kann Robert Dotson ganz hervorragend ? wie kaum ein anderer Topmanager bei der Deutschen Telekom. Das hat der Chef der US-Tochter des Konzerns erst Anfang Oktober wieder bewiesen, als er gemeinsam mit drei Telekom-Vorständen in New York die neuen Milliardeninvestitionen des Unternehmens in das US-Netz vorstellte. Dotson redete dabei allein genauso viel wie die drei Telekom-Kollegen gemeinsam.So gesprächig kommt Timotheus Höttges nie daher. Kein Wort zu viel kommt dem bisherigen Vertriebsvorstand der Telekom-Mobilfunksparte über die Lippen. Der 44-Jährige denkt häufig bei Fragen länger nach, bevor er dann kurz und wohl abgewogen antwortet. Zu schwadronieren, wortreich Visionen zu entwickeln oder in Begeisterungsstürme zu verfallen, das ist seine Sache nicht.Die beiden unterschiedlichen Charaktere sind voraussichtlich die neuen starken Männer hinter Telekom-Chef René Obermann, die in die Führungsspitze des Konzerns aufsteigen. Auch Hamid Akhavan, bisher Technik-Vorstand bei der T-Mobile-Gruppe, wird dazugehören. Am kommenden Dienstag will Obermann seine neue Mannschaft dem Aufsichtsrat vorstellen, und nach Angaben aus Konzernkreisen gehören Dotson, Höttges und Akhavan dazu.Der 45-jährige Akhavan ist seit fünf Jahren bei der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile. Im Herbst dieses Jahres hat er zusätzlich die Aufgaben eines Technikspezialisten beim Mutterkonzern übernommen. Er kümmert sich um Netze und Einkauf. Hamid Akhavan, geboren in Teheran, hat in den USA studiert und dort unter anderem für die Telekommunikationsanbieter Teligent und Primeco gearbeitet.Mit Akhavan und Dotson kommen gleich zwei Manager mit US-Erfahrung an die Telekom-Spitze. Dotson leitet seit fünf Jahren die amerikanische Telekom-Mobilfunktochter. In dieser Zeit hat sich das Unternehmen zu einem Wachstumsmotor innerhalb des Konzerns entwickelt, zu einem Unternehmensteil, der Quartal für Quartal mit guten Zahlen glänzt und damit Schwächen der Telekom im Inland zumindest teilweise überdeckt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Höttges kann recht unangenehm werdenAnalysten schreiben dies der aggressiven Marketing-Strategie Dotsons zu. Mit niedrigen Preisen und dem Spruch ?get more? hat er den Anbieter erst als Billigheimer unter den Mobilfunkern etabliert. Dann schaffte er es, dass das Unternehmen auf einem hart umkämpften Markt deutlich schneller wuchs als die Konkurrenz.Dotson strahlt stets eine enorme Glaubwürdigkeit aus. Gepaart mit seiner großen Überzeugungskraft, hat er in den USA vor allem in einem Bereich gepunktet, in dem die Telekom hier zu Lande großen Nachholbedarf hat: in Sachen Service. Kunden wählen T-Mobile USA regelmäßig zu der Mobilfunkgesellschaft mit dem besten Service jenseits des Atlantiks.Dotson ist Verkäufer durch und durch. Ob er das Anfang der 80er-Jahre während seiner Zeit als Mormonen-Missionar in Deutschland gelernt hat? ?Ich habe damals sicherlich einen Teil meiner Schüchternheit abgelegt?, erzählt er, ?und gelernt, wie man Menschen inspiriert und motiviert.? Seine Kollegen beschreiben diese Eigenschaft so: ?Dotson versteht es, jeder Situation etwas Positives abzugewinnen. Das ist seine große Stärke.?Und die ist jetzt auch bei der Telekom gefordert ? genauso wie die Spezialität von Timotheus Höttges: ?Der ist gut darin, den Trouble-Shooter zu spielen?, heißt es bei T-Mobile. Immer wenn es schwierig wurde im Mobilfunkgeschäft der Telekom, hat Höttges den Aufräumer gegeben, den, der die mühevolle Detailarbeit übernimmt. Vor knapp zwei Jahren beispielsweise hat er sich bewährt, als er den T-Mobile-Sparplan umsetzte.?Höttges ist ein sehr penibler Zahlenmensch?, erzählt ein langjähriger Mitarbeiter der Telekom-Mobilfunktochter, ?in seiner Art eher trocken, sehr sachlich und recht unangenehm, wenn es nicht ganz so läuft, wie er meint.?Höttges hat vor sechs Jahren als Finanzchef bei T-Mobile Deutschland angefangen. Im Jahr 2000 übernahm er den Chefsessel des deutschen Mobilfunkmarktführers, als René Obermann zum Vorsitzenden der T-Mobile-Gruppe aufstieg. Vor zwei Jahren war Höttges schon mal im Gespräch für einen Posten im Telekom-Vorstand. Doch er ging leer aus.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Kurzer Lebenslauf der drei NeuenTimotheus Höttges
wird am 18. September 1962 in Solingen geboren. Er arbeitet später beim Viag-Konzern, wo er bei der Fusion mit Veba mitwirkt. 2000 wird er Geschäftsführer Finanzen und Controlling bei T-Mobile Deutschland und rückt von 2002 bis Ende 2004 an die Spitze. 2003 wird er Vertriebsvorstand von T-Mobile International.
Robert P. Dotson
wird im September 1960 geboren, studiert später Wirtschaftswissenschaften und Marketing und startet bei Pepsico. Später wechselt er nach einer Station bei Kentucky Fried Chicken zu Western Wireless, dem Vorläufer von Voice Stream Wireless, dessen Chef er 2003 wird. Im T-Mobile-Vorstand ist er für die USA zuständig.
Hamid Akhavan
wird im Juli 1961 in Teheran geboren. Er studiert in den USA Elektrotechnik und Computerwissenschaften. Er startet 1987 als Ingenieur bei der Nasa. Später arbeitet er für US-Telekommunikationsunternehmen wie Bell Atlantic und Primeco. 2001 wechselt er zu der Telekom-Tochter T-Mobile und steigt im Dezember 2002 in den Vorstand auf.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2006