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Die drei vom Telefon-Discount

Von Sandra Louven
Wer kennt schon Rolf Hansen? Oder Martin Ostermayer? Oder Hartmut Herrmann? Außerhalb der Branche wohl kaum jemand. Das wird sich bald ändern: Die Mitdreißiger sind dabei, den deutschen Mobilfunkmarkt aufzumischen.
DÜSSELDORF. Dafür haben sie Unternehmen gegründet, die Handy-Minutenpreise zum Discount-Tarif anbieten. Die drei stehen für die Mobilfunkmarken Simyo (Hansen), Blau (Ostermayer) und Klarmobil (Herrmann) ? und das sind die Aldis, Lidls und Pennys im deutschen Mobilfunkmarkt. Haben die Youngster mit ihren Konzepten Erfolg, könnten sie in ein paar Jahren zu denen gehören, die für Spitzenposten bei international agierenden Konzernen wie Vodafone und T-Mobile gehandelt werden.Pionier der Billigheimer ist Rolf Hansen von der E-Plus-Tochter Simyo. Der große 38-Jährige mit den dunklen, zurückgegelten Haaren residiert in einem Büro in der Nähe von Düsseldorfs Szeneviertel Medienhafen. Hier fühlt man sich an die Zeiten der New Economy erinnert. Die Büros sind groß, Besprechungen finden am Thresen auf Barhockern statt, und es herrscht die Firmenfarbe Orange vor.

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Hansen, der sein Mountainbike hinter dem Schreibtisch parkt, redet schnell, ohne Punkt und Komma. ?Wir machen Mobilfunk für die breite Masse erschwinglich. Wir zeigen, dass billig auch gut ist?, tönt er gerne. Im Mai schockte er die Branche. Er führte Mobiltelefonate zum Einheitspreis von 19 Cent pro Minute ein. Das war ein Frontalangriff auf die führenden Mobilfunker, die bis dato einträchtig an hohen Preisen festgehalten hatten ? zu Lasten der Kunden.Kurz danach stiegen zwei andere Youngster ins Geschäft ein: Martin Ostermayer mit seiner Firma Blau und Hartmut Herrmann mit Klarmobil. Wie Hansen hoffen sie ebenfalls, die Großen nicht nur zu ärgern, sondern ihnen mittelfristig mit aggressiven Preisen Kunden abzujagen. Experten sprechen allein in Deutschland von 7,5 bis 15 Millionen Kunden, die sich für Angebote der Telefondiscounter interessieren könnten.Die drei Angreifer sind sich in vielem ähnlich: beim Sport, der Ausbildung und ihrem Gründergeist. Alle drei zieht es aufs Wasser entweder zum Segeln (Herrmann, Ostermayer) oder zum Rudern (Hansen). Und mit ihrer Ausbildung haben sie ihr Leben auf Karriere gepolt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Übermänner.Keiner unter ihnen, der etwa nur ein einfaches Studium in Deutschland absolviert hätte. Zwei Abschlüsse sind das Maß der Dinge. Der Jurist Hartmut Herrmann von Klarmobil und der BWLer Martin Ostermayer von Blau fügten ihrem deutschen Uni-Abschluss in den USA noch einen MBA hinzu. Und Simyo-Chef Rolf Hansen machte nach seinem BWL-Studium den Abschluss in europäischem Management an der European Business School in Oestrich/Winkel, London und Paris.Auch in der Praxis können Hansen und der 36-jährige Ostermayer schon einiges an Erfahrung vorweisen. Die beiden haben in der Hochphase der New Economy bereits Start-ups auf den Weg gebracht ? mehr oder weniger erfolgreich.So ging Hansen mit dem Einkaufsportal letsbuyit.com nach kurzer Zeit baden. ?Eine wichtige Lehrzeit für mich,? sagt der Simyo-Chef in Jeans und Sakko heute rückblickend.Diesmal hat er sich von Anfang an einen finanzstarken Partner mit ins Unternehmen geholt: Mobilfunker E-Plus hält 90 Prozent der Anteile an Simyo. Zur Seite stehen Hansen zwei Partner ? Freunde aus der Zeit an der European Business School und zwei Dutzend Mitarbeiter. Insgesamt hat Hansen bereits vier Firmengründungen hinter sich. ?Bei meinen Projekten ging es immer um Markteintrittsstrategien und deren Umsetzung?, fasst er zusammen.Für seinen Konkurrenten Martin Ostermayer war es vor allem der ?Spaßfaktor?, der ihn im Sommer dazu trieb, Blau ins Leben zu rufen. Mit zwei Ex-Kommilitonen aus den USA hatte der 36-Jährige mit der hohen Stirn und der dünnrandigen Brille bei seiner ersten Gründung so viel gute Laune produziert, dass nun alle drei die Billig-Mobilfunkfirma in Hamburg gründeten.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Von teuren Kingeltönen zu billigen Handytarifen.Damals, im Jahr 2000, bewiesen sie einen guten Riecher, mit dem Online-Dienst Handy.de. ?Nach ein paar Monaten waren wir schon profitabel und hatten mehrere Kaufangebote?, erzählt Ostermayer stolz, den Kollegen als ruhig und ausgleichend beschreiben. Bei einem ?mittleren zweistelligen Millionenangebot? der Bertelsmann-Tochter Gruner & Jahr (G&J) wurden die drei schwach und formten für G&J ihre Website in Avarto.de um ? heute einer der führenden Anbieter für Klingeltöne und Logos.Ende vergangenen Jahres sammelte Ostermayer nach einem Abstecher beim Internetprovider Freenet seine alten Kumpanen wieder ein, gründete Blau in Hamburg und verkauft nun Mobilfunkminuten von E-Plus zu Tiefpreisen.Sein Konkurrent Hartmut Herrmann von Klarmobil kam in den USA die Idee, sein Glück mit Billigtelefonie zu versuchen. Sein Arbeitgeber Mobilcom finanzierte ihm ein Studium in Harvard. ?Durch die Vorlesungen bin ich auf die Idee gekommen, einen Mobilfunkdiscounter in Deutschland zu gründen?, erzählt der Mann mit dem Dreitagebart.Zurück in Deutschland konnte der 35-Jährige, der in der Freizeit gerne Trompete spielt, seinen bisherigen Arbeitgeber Mobilcom für seinen Plan gewinnen. Seit Mitte September ist die Rendsburger Klarmobil GmbH auf dem Markt und nutzt das Netz des Marktführers T-Mobile.Trotz aller Konkurrenz ? Herrmann, Ostermayer und Hansen haben ein gemeinsames Ziel: Die drei vom Discount wollen den etablierten Netzbetreibern Marktanteile abjagen. Ob ihnen das gelingt, wird sich bald herausstellen.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.10.2005