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Die charmante Saniererin

Von Reinhold Vetter
In der Geschäftswelt gilt sie als tough. ?Frau Ovesny-Straka weiß sehr genau, was sie will, und setzt das in der Regel auch durch?, sagt ein Unternehmer, der mir ihr verhandelt hat. Sie selbst glaubt, dass sie das Vertrauen vieler Menschen genießt. Seit April steht die 47jährige Österreicherin an der Spitze der größten Bank in der Slowakei.
BRATISLAVA. ?Ich bin für offene Kommunikation?, lautet ihre Devise. Seit April 2001 steht die 47jährige Österreicherin Regina Ovesny-Straka als Generaldirektorin und Vorstandsvorsitzende an der Spitze der slowakischen Slovenska sporitelna, die damals durch die Erste Bank Gruppe in Wien übernommen wurde. Unter ihrer Führung hat sich das Institut von einer postsozialistischen Sparkasse zu einer modernen Bank entwickelt, die inzwischen auch auf anderen Geschäftsfeldern wie der Unternehmensfinanzierung aktiv ist und ihre Position als größte Bank des Landes seit damals behauptet hat. Beim Kreditgeschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen verzeichnet die Slovenska sporitelna die höchste Wachstumsrate auf dem Bankenmarkt des Landes.Regina Ovesny-Straka sieht die Sanierung und Modernisierung der Sparkasse als ihre wichtigste berufliche Erfahrung. ?Anfangs habe ich ziemlich viel Angst gehabt?, gibt sie unumwunden zu. Immerhin mussten unter ihrer Leitung etwa zehn Prozent von insgesamt 6 700 Arbeitsplätzen abgebaut werden. Dabei habe sich bewährt, den Abbau gleich nach der Übernahme durch die Erste Bank rasch durchzuziehen. ?Wir sind offen aufgetreten, was auch die meisten Betroffenen honoriert haben.? In den früheren sozialistischen Zeiten hätten die Verantwortlichen bei Krisen immer mit gezinkten Karten gespielt.

Die besten Jobs von allen

Inzwischen ist die Zahl der Arbeitsplätze sogar auf 4 700 gesunken, die hauptsächlich auf die 300 Filialen im ganzen Land verteilt sind. Die Belegschaft besteht zu 80 Prozent aus Frauen, die mehrheitlich auch ganz froh darüber sind, dass eine Geschlechtsgenossin an der Spitze steht. Die Chefin selbst bevorzugt eher gemischte Teams. ?Das ist ja furchtbar, wenn nur Frauen zusammen sind?, stöhnt sie. Teams aus Frauen und Männern würden mehr Engagement an den Tag legen, berichtet sie aus Erfahrung. ?Ich freue mich immer, wenn ich in einer Filiale auch einen Mann sehe?, sagt sie offenherzig. Jeder wolle doch auch ein wenig flirten.Seit 1994 ist Ovesny-Straka in der Slowakei tätig. Ab 1999 stand sie an der Spitze der Bank Austria Creditanstalt Slovakia. Neben Englisch und Französisch spricht sie inzwischen auch fließend Slowakisch. ?Nur mit Witzen habe ich Probleme?, schmunzelt sie. Vorträge hält sie auf Slowakisch, auch Verhandlungen führt sie in der Landessprache. Diese Verbundenheit mit dem Land erleichtert natürlich ganz enorm die Geschäftsbeziehungen und die Führung der Mitarbeiter. ?Ich verlange viel, aber ich weiß ebenso, dass es auch ein Leben außerhalb der Bank gibt?, sagt sie. Gerade in den heutigen hektischen Zeiten müssten alle Beschäftigten auch die Chance haben, in der Freizeit ihren Stress abzubauen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Frau in zwei Spitzenpositionen des Finanzsektors ist Regina Ovesny-Straka eine Ausnahme in der Slowakei. So liebt Regina Ovesny-Straka auch das gesellschaftliche Leben insbesondere in der Hauptstadt Bratislava. ?Sie kennt alle, und alle kennen sie?, erzählt ein deutscher Diplomat. Und ihr gefalle es auch, wenn sich die Medien mir ihr beschäftigten, meint etwas neidisch der führende Manager einer anderen ausländischen Bank, die ebenfalls in der Slowakei aktiv ist. Fast schon berühmt sind die Abendessen im Hotel Devin, zu denen die Bankmanagerin mehrmals im Jahr einlädt. Das Hotel steht an einer landschaftlich reizvollen Stelle am Zusammenfluss der Donau und der March außerhalb von Bratislava. Stiche und Graphiken im Hotel zeigen die Burg, die früher dort ihren Platz hatte.Seit 2001 steht Ovesny-Straka auch an der Spitze des slowakischen Bankenverbandes. Es sei eine alte Tradition, dass der Chef der größten Bank des Landes auch an die Spitze dieser Lobby gewählt werde, sagt sie. Und das sei nun einmal die Slovenska sporitelna. In Zukunft würden sicher auch einmal die anderen großen Banken zum Zuge kommen, deren Vertreter ja jetzt schon im Präsidium versammelt seien. Sie freut sich, dass der Verband langsam an Einfluss gewinnt, auch wenn er noch nicht das Recht hat, auf die Gestaltung von Gesetzen und Rechtsvorschriften im Finanzwesen Einfluss zu nehmen. ?Früher war der Bankenverband nicht mehr als ein postkommunistischer Katastrophenhaufen?, berichtet sie. Als Frau in zwei Spitzenpositionen des Finanzsektors ist Regina Ovesny-Straka natürlich eine Ausnahme in der Slowakei. Inzwischen haben aber auch andere ausländische Unternehmen und Banken Frauen als Vorstandsmitglieder berufen. Desgleichen die slowakische Nationalbank. Ist Frau Ovesny-Straka vielleicht ein weiterer Beweis dafür, dass das weibliche Geschlecht besser mit Geld umgehen kann als die Männer? ?Vielleicht haben die Frauen einen praktischeren Zugang zu den Finanzen, während sich die Männer eher mit weit reichenden Denkmodellen beschäftigen?, meint sie. Da seien die Herren besser. ?Aber ich bevorzuge eine gute Mischung aus Pragmatikern und Visionären?, so ihr diplomatisches Fazit.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.12.2006