Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Die Bonustöpfe füllen sich wieder

Investmentbanker freuen sich über höhere Ausschüttungen ? und Banken selektieren stärker.
HB/mm FRANKFURT/M. Cruz kam nach Angaben des britischen Informationsdienstes ?Financial News? auf gut 16 Mill. Dollar, bei Purcell standen am Ende ?nur? 15 Mill. Dollar auf der Gehaltsabrechnung.?In jeder großen angelsächsischen Investmentbank gibt es zwischen 20 und 80 Bankern, die mehr als ihre Vorstände verdienen?, sagt Andreas Halin von der Personalberatung Spencer Stuart. Beim größten deutschen Spieler, der Deutschen Bank, dürfte es ein gutes Dutzend Mitarbeiter geben, die mehr in der Lohntüte haben, als Vorstandssprecher Josef Ackermann, schätzen Frankfurter Bankenkreise.

Die besten Jobs von allen

Das Beispiel Morgan Stanley zeigt, dass nach zwei Jahren Flaute in Sachen Bonus im Investmentbanking wieder einiges möglich ist. ?Im Schnitt stiegen die Boni bei den großen Häusern wie JP Morgan, Goldman Sachs, Lehman Brothers oder Credit Suisse First Boston im vergangenen Jahr um rund 20 %?, schätzt Halin.?Dennoch gab es viele Enttäuschungen?. Denn nicht jeder profitierte von den üppiger gefüllten Bonustöpfen. ?Die Zeiten in denen alle quer durch alle Sparten belohnt wurden, wie in den 90er Jahren, sind endgültig vorüber?, sagt der Headhunter. ?Die Banken selektieren stärker, auch wenn sich die Qualität der Mitarbeiter in den Krisenjahren durch das so genannte Upgrading deutlich verbessert und angeglichen hat.? Unter Upgrading versteht man die im Investmentbanking übliche Praxis, Mitarbeiter zu entlassen, um sie durch bessere Kräfte zu ersetzen.Auf der Sonnenseite in Sachen Boni standen 2003 vor allem Banker wie Morgan-Stanley-Star Cruz, die ihr Geld mit Anleihen, Devisen und Derivaten verdienen. Nach Berechnungen der Boston Consulting Group erzielten die Geldhäuser im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte ihrer Gewinne in diesem Bereich. Dagegen liefen die klassischen Sparten das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen und mit Aktienplatzierungen nach wie vor schleppend.Der jährliche Bonus ist die entscheidende Messlatte für den Erfolg eines Investmentbankers, denn die Fix-Gehälter fallen in der Regel vergleichsweise bescheiden aus. So gibt es nur wenige führende Banker, deren festes Salär höher als 250 000 Dollar ausfällt. In den Boomzeiten konnten erfahrene Kräfte über die üppigen Boni-Zahlungen dennoch schnell in den Millionenbereich vorstoßen. Mit Beginn der Krise im Jahr 2000 sanken die Ausschüttungen allerdings drastisch um bis zu 50 %.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.03.2004