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Die Besten Europas

Christoph Mohr
Es ist so etwas wie Fußball ohne Spiele: Nach jeder Saison gibt es in der Business-School-Welt eine Rangliste der besten Teams. Doch es gibt nicht die beste MBA-Schule Deutschlands, Europas oder gar der Welt, es gibt nur die beste für diese oder jene Bedürfnisse.
Eigentlich sind die Regeln des großenBusiness-School- Spiels ganz einfach: Jede MBA-Schule, die auf sich hält, verlangt von Bewerbern den Standardtest GMAT und lässt sich von einer der beiden international maßgeblichen Organisationen AACSB oder EFMD akkreditieren, also prüfen. Das ist so etwas wie die Führerscheinprüfung: Sie sagt, dass der Fahrer Auto fahren kann, aber nicht wie gut.

Wer dann die Guten und die weniger Guten, die Besten und die Allerbesten sind, versuchen die gefürchteten Business- School-Rankings (Ranglisten) herauszufinden, wobei auch hier wieder nur eine Hand voll international zählt. Anders als bei den sich auch in Deutschland verbreitenden Ranglisten der besten Hochschulen zählt bei den MBA-Rankings vor allem eins: Kann man mit dem MBA dieser oder jener Schule Karriere machen - meistens ausgedrückt in Form von Gehalt?

Die besten Jobs von allen
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Das führt allerdings auch zu eingebauten statistischen Verzerrungen: So landen beispielsweise viele Absolventen britischer MBA-Programme in einem Job in der Londoner Finanzindustrie mit ihren hohen Vergütungen. Damit liegen die für die Schulen ausgewiesenen MBA-Absolventengehälter tendenziell deutlich über denen anderer europäischer Schulen - ein statistisches Phänomen, das noch durch das gegenüber den anderen Währungen sehr starke britische Pfund verstärkt wird. Aber sind diese MBA-Programme deshalb per se besser? Zu fragen ist immer, ob ein MBA-Programm den persönlichen Karriereerwartungen gerecht werden kann. Jede Schule hat dabei Stärken und Schwächen. Wir zeigen auf diesen Seiten einige Profile der Schulen, die in den gängigen MBA-Rankings ganz oben stehen.

Cranfield

Das MBA-Programm der Cranfield University School of Management ist eines der ältesten in Europa mit beständig hoher Qualität. Mit nur rund 65 Studenten pro MBA-Jahrgang ist die Studentenzahl überschaubar; der Altersdurchschnitt liegt hier mit 32 Jahren höher als bei den meisten britischen Schulen. Viel Wert wird bei der Cranfield Experience auf Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Das einjährige MBA-Programm besteht aus vier Terms. Die Wahlpflichtkurse (Electives) der zweiten Hälfte können zu Themenblöcken zusammengebaut werden. Die Schule liegt in ländlicher Umgebung in der mittelenglischen Grafschaft Bedfordshire, ungefähr auf halber Strecke zwischen London und Birmingham. Die abgeschiedene Lage ist nicht jedermanns Sache; ohne Auto ist Cranfield kaum zu erreichen.
In jüngster Zeit scheint sich die Schule mehr für die lukrativen Märkte China, Indien und Russland zu interessieren; ihre Kontakte zu deutschen Unternehmen und Recruitern sind vergleichsweise unterentwickelt.
www.cranfield.ac.uk/som

HEC Paris

Die École des Hautes Études Commerciales, in Frankreich nur unter der Abkürzung HEC (sprich: asch-e-ße) bekannt, gehört zu den französischen Elitehochschulen (Grandes écoles) mit hoch selektivem Aufnahmeverfahren. Finanziert wird sie von der Pariser Industrie- und Handelskammer. Mit der ESSEC Paris konkurriert sie um den Ruf der besten französischen Wirtschaftshochschule.
Anders als der Name suggeriert, liegt die HEC nicht in Paris, sondern ist eine Campus-Universität in Jouy-en-Josas, das praktisch nur mit dem Auto erreicht werden kann und 20 Kilometer von Paris entfernt liegt.
Der MBA ist nur eine Nebenaktivität der Hochschule; der Großteil der Studenten durchläuft hier das normale Wirtschaftsstudium. Das 16-monatige Programm - teilweise rein Englisch, teilweise auf Englisch und Französisch - ist länger als die meisten MBA-Angebote in Europa und erlaubt auch eine völlige berufliche Neuorientierung.
HEC Paris ist wegen der Kontakte der Schule die vielleicht beste Option für alle MBA-Interessenten, die eine berufliche Zukunft in Frankreich planen.
www.hec.fr

IESE

Die IESE Business School der Universität von Navarra darf als die beste Business School Spaniens und der spanischsprachigen Welt gelten. Die 1958 gegründete Schule wird von der umstrittenen katholischen Laienorganisation Opus Dei kontrolliert. Sie bietet bereits seit 1964 - damals mit kräftiger Unterstützung der Harvard Business School - ein MBA-Programm an, das sehr stark auf die Fallstudienmethodik setzt. Mit 19 Monaten gehört der IESE-MBA in Barcelona zu den längsten Programmen in Europa. Daneben bietet IESE auch einen sich über 16 Monate erstreckenden, berufsbegleitenden Global Executive MBA an. Die Schule unterhält beste internationale Kontakte in die gesamte spanischsprachige Welt, aber auch zur China Europe International Business School (CEIBS) in Schanghai, der vielleicht besten Business School in China, an deren Aufbau IESE-Professoren beteiligt waren. In jüngster Zeit gilt auch Deutschland verstärkte Aufmerksamkeit; in München hat IESE ein eigenes Büro eröffnet und bietet Manager-Fortbildungsprogramme für deutsche Unternehmen an.
www.iese.edu

IMD

Das im schweizerischen Lausanne beheimatete International Institute for Management Development (IMD) ist aus einer Weiterbildungseinrichtung für den Nestlé-Konzern hervorgegangen. Manager-Fortbildungsprogramme (Executive Education) sind auch heute noch der mit Abstand wichtigste Aktivitätsbereich der Schule. Auch zahlreiche deutsche Unternehmen zählen zu ihren Kunden.
Das mit rund 80 Studenten sehr kleine MBA-Programm halten manche für eine Alibi-Veranstaltung, die nur dazu dient, in die Publicity-trächtigen Rankings zu kommen.
Die Teilnehmer sind deutlich älter und verfügen über mehr Berufserfahrung als in den meisten anderen MBA-Programmen, was auch höhere Absolventengehälter bedingt. Die wiederum führen dazu, dass sich das IMD in MBA-Rankings immer ziemlich weit oben wiederfindet. Prominenteste deutsche IMD-Absolventin ist die als "reichste Frau Deutschlands" bekannte Susanne Klatten (BMW, Altana). Andere spektakuläre Karrieren deutscher MBA-Absolventen sind nicht bekannt.
www.imd.ch

Insead

Nur geografisch liegt das 1959 als Institut Européen d'Administration des Affaires gegründete Insead in Frankreich. Doch die Schule in Fontainebleau, die seit einigen Jahren einen "Ableger" in Singapur besitzt, könnte auch an jedem anderen Ort der Welt beheimatet sein. Kaum eine andere Business School ist so international wie das Insead, das seit Jahren mit dem IMD und der London Business School das europäische Spitzentrio bildet.
Mit über 850 MBA-Studenten pro Jahrgang ist das Insead eine für europäische Verhältnisse große MBA-Schule. Der jährliche "Output" garantiert auch eines der größten Alumni-Netzwerke (rund 14.000 Absolventen) einer europäischen Business School. Die Option, das MBA-Studium sowohl in Europa (Fontainebleau) als auch in Asien (Singapur) zu absolvieren, ist einzigartig. Die Insead-Partys wohl auch. Die meisten MBA-Studenten im eine Autostunde (65 Kilometer) südlich von Paris gelegenen Fontainebleau mieten mit mehreren Leuten ein Haus.
Das Handelsblatt schreibt einen mit 85.000 Euro dotierten Wettbewerb für ein berufsbegleitendes Executive-MBA-Studium am Insead aus - nur für Frauen.
www.insead.edu

Instituto de Empresa

Anders als die beiden Konkurrenten IESE (Opus Dei) und Esade (Jesuiten) ist die jüngste der drei großen spanischen Business Schools konfessionell unabhängig. 1973 gegründet, gilt das kleine, im Bankenviertel von Madrid ansässige Instituto de Empresa als unternehmensnah. Die Schule unterhält auch beste Kontakte nach Lateinamerika.
Obwohl der MBA auf Englisch unterrichtet wird, müssen die MBA-Absolventen auch Spanisch lernen. Neben dem Vollzeit-MBA bietet das Instituto de Empresa einen sich über 13 Monate erstreckenden berufsbegleitenden International Executive MBA mit Präsenzblöcken in Madrid und Miami (Florida) an.
Als Schwachpunkt des Instituto de Empresa werden häufig die beengten Verhältnisse der Schule genannt. Früher rührte IE-Chef Angel Cabrera, mittlerweile Dean der US-amerikanischen Business School Thunderbird, international die Werbetrommel. Heute ist es in den Medien eher still um die Schule geworden. Gerade im Vergleich zum Wettbewerber IESE ist sie auch in Deutschland und bei deutschen Unternehmen zu wenig aktiv.
www.ie.edu

Judge (Cambridge)

Wie der große Konkurrent Oxford ist auch die Business School der Universität Cambridge erst spät in das MBA-Rennen eingestiegen. Trotzdem gehört die Judge Business School, die den Namen eines Großsponsors trägt, heute zu den besten in Großbritannien und den 20 besten in Europa.
Die Schule ist in einem ehemaligen Krankenhaus am Stadtrand von Cambridge untergebracht, was ihr einen etwas skurrilen Charme verleiht. Die beengten Räumlichkeiten entsprechen aber nur eingeschränkt dem internationalen Standard für Business Schools.
Alle MBA-Studenten sind auch Angehörige eines der altehrwürdigen Cambridge-Colleges. Enge Kontakte bestehen darüber hinaus zu den Hightech-Gründerunternehmen im Dunstkreis der Universität (Silicon Fen) sowie zum Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Unter dem neuen Dean Arnoud De Meyer, der lange Jahre einer der Erfolgsfaktoren an der Top-Schule Insead war, soll die Judge Business School nun eine neue Dynamik entfalten und einige ihrer Schwachpunkte beseitigen.
www.jbs.cam.ac.uk

London Business School

Die London Business School (LBS) wurde 1964 als Graduate School of Management Studies der University of London gegründet. Sie ist heute die führende Business School in Großbritannien und zählt neben IMD und Insead zu den Topschulen in Europa. Gleichzeitig ist sie eine der wenigen, die sich auf Augenhöhe mit den großen US-Schulen bewegt.
Die Schule ist sehr international ausgerichtet und profitiert zudem von der Nähe zur Londoner City, dem wichtigsten Finanzzentrum Europas. Aber nicht nur in "Finance", auch in "Strategy" und "International Management" gehört sie zu den führenden Namen.
Die vielleicht größte Schwäche der LBS ist ihre räumliche Begrenztheit. Zwar wirkt das Gebäude der Schule am Regent's Park von der Schauseite her vornehm, doch die Realität sieht anders aus: Andere Topschulen sind deutlich besser ausgestattet.
Mit einem Fragezeichen versehen ist auch die Zukunft der Schule: Die US-amerikanische Chefin Laura Tyson hat zum Jahreswechsel London verlassen. Wohin ihr Nachfolger, der vom Beratungsunternehmen Bain kommt, die Schule führt, bleibt abzuwarten.
www.london.edu

RSM Erasmus University

Die Rotterdam School of Management (RSM), unbestritten die Nummer eins in den Niederlanden, gehörte ein Jahrzehnt lang auch zu den besten europäischen MBA-Schulen gleich unterhalb des ewigen Spitzentrios IMD/Insead/London Business School. Ihre Wiedereingliederung in die angesehene Erasmus-Universität hat ihr etwas von ihrer Dynamik genommen. Die Zukunft wird zeigen, ob sie ihren Platz halten kann. Der 15-monatige Vollzeit-MBA, für den karriere in jedem Jahr ein Vollstipendium ausschreibt, liegt zeitlich zwischen dem europäischen Ein-Jahres- und dem US-amerikanischen Zwei-Jahres-Modell und erlaubt eine völlige berufliche Neuorientierung.
Zusammen mit einer ganzen Reihe von internationalen Partnern bietet die RSM auch einen 21-monatigen berufsbegleitenden Executive MBA an. Die Partnerhochschulen dieses "OneMBA" genannten Programms sind die Chinese University of Hong Kong, die Fundação Getulio Vargas (São Paulo), Monterrey Tech (Mexico), sowie die Kenan-Flagler Business School der University of North Carolina.
www.rsm.nl; www.onemba.org; www.karriere.de/mba

Said (Oxford)

Oxford und Cambridge sind die Shootingstars unter den MBA-Schulen. Die Business Schools der altehrwürdigen Universitäten existieren erst seit einem Jahrzehnt; beide haben sich aber in kürzester Zeit in der britischen Spitzengruppe etablieren können.
Dank der finanziellen Unterstützung durch den syro-saudischen Geschäftsmann Wafic Said, dessen Namen sie heute trägt, konnte die Said Business School ein spektakuläres Gebäude in zentraler Lage am Bahnhof von Oxford errichten. Sie zählt damit zu den architektonisch schönsten Business Schools in Europa.
Said profitiert von der Nähe zur Universität Oxford; alle MBA-Studenten sind auch Mitglieder eines der Colleges, was den Aufbau lebenslanger Kontakte vereinfacht. Einzigartig in Europa ist der Schwerpunkt in Social Entrepreneurship; dafür gibt es sogar gesonderte MBA-Stipendien. Neben dem Vollzeit-MBA und dem berufsbegleitenden Executive MBA bietet die Said Business School auch einen einjährigen Masters in Financial Economics an, der speziell für die Finanzindustrie fit machen soll.
www.sbs.ox.ac.uk/sbs/
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007