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Die beiden ungleichen Brüder aus Greven

Von Axel Granzow, Handelsblatt
Die Familie Fiege aus dem beschaulichen Greven im Münsterland stellt will sich modern, weltoffen präsentieren. Ihre Unternehmensgruppe bietet für Teile der Logistik, die der angeschlagene Karstadt-Quelle-Konzern verkaufen will.
GREVEN. Heinz Fiege, im grauen Businessanzug, und sein Bruder Hugo, helles Sakko, dunkle Hose, geben sich relaxed. Sie haben in den Sitzungssaal im zehnten Stock ihres Bürohauses mit Fernblick eingeladen. Der Raum trägt den Namen der Bundeshauptstadt Berlin, und an der Wand hängt ein großes abstraktes Gemälde ohne Titel.Die Familie Fiege aus dem beschaulichen Greven im Münsterland stellt sich erstmals der Presse. Schließlich interessiert sich auf einmal die Wirtschaftspresse für sie. Ihre Unternehmensgruppe bietet für Teile der Logistik, die der angeschlagene Karstadt-Quelle-Konzern verkaufen will. ?Wir sind stolz darauf, als einer der vier aussichtsreichsten Kandidaten genannt zu werden?, sagt Hugo Fiege bescheiden bei der Veranstaltung, die vor kurzem stattfand.

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Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit Heinz Fiege in der November-Ausgabe von Junge Karriere.
Der Chef des Familienunternehmens sprach mit Junge Karriere über die Chancen der Fiege-Gruppe, Teile der Karstadt-Logistik zu kaufen.
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Zurückhaltend sind die Fieges, wenn es um Privates geht. In der Liste der reichsten Deutschen stehen sie auf Platz 121 mit einem geschätzten Vermögen von 0,60 Milliarden Euro, hinter Peter Dussmann, dem Gebäudedienstleister, und vor der Familie zu Fürstenberg, die mit Immobilien ihr Geld verdient.Ihr Vermögen haben die beiden Brüder aus Greven mit Logistik gemacht. In der vierten Generation leiten sie einen der größten Logistikkonkurrenten der Deutschen Post. Die Fiege-Gruppe verfügt an 154 Standorten über rund 1,9 Millionen Quadratmeter Lager- und Logistikflächen in allen europäischen Ländern und in Fernost. Sie erzielt mit 12 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.Selbst in der Postzustellung laufen Versuche. Doch ?Briefe sind kein Kerngeschäft von Fiege?, sagt Hugo. Und ob es eins wird, sei mehr als fraglich. Lieber baut er die Zeitungslogistik in Deutschland aus. Das Zustellnetz lässt sich auch für Warenlieferung bis drei Kilogramm Gewicht nutzen. In Tschechien ist Fiege bereits die Nummer zwei hinter der staatlichen Post.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Erfolgsduo könnte unterschiedlicher nicht seinMit einem Pferdefuhrwerk hatte der Ur-Großvater 1873 das Unternehmen gegründet. Seine Urenkel müssten ihm heute aber den Unterschied zwischen Fuhrbetrieb und Logistik erklären. Fiege besitzt heute nur wenige eigene Fahrzeuge. Der Konzern versteht sich als Kontraktlogistiker, Anbieter von umfassenden Logistikdienstleistungen für Industrie und Handel auf mehrjähriger Basis. Fiege hat Konzepte entwickelt, die heute Standard sind.?Outsourcing heißt das Zauberwort?, sagt Hugo Fiege, der Mann fürs Marketing mit einem Doktor in Betriebswirtschaft. Industrie und Handel lagern in der Flaute ihre Logistik an Dienstleister aus. ?Wenn es der Wirtschaft schlechter geht, machen wir gute Geschäfte.? Fiege schreibe seit 20 Jahren schwarze Zahlen. Das werde auch so bleiben.Das Erfolgsgsduo Hugo und Heinz Fiege könnte unterschiedlicher kaum sein. Heinz, 59, beschreiben enge Mitarbeiter als ?impulsiv und hemdsärmelig?, ein echter Macher. Bezeichnend, dass er seit 30 Jahren Mitglied in der Vereinigung deutscher Kraftwagenspediteure ist und seit 1991 deren Vorstand angehört. In der Freizeit fördert er ein Pferdemuseum im westfälischen Münster.Hugo, 55, ist leidenschaftlicher Jäger. Da braucht er eine ruhige Hand und eine Menge Geduld. Seine Ausgeglichenheit und offene Art, die Mitarbeiter an ihm schätzen, kommt ihm als Sprecher der Fiege- Gruppe und als Vorstand der Bundesvereinigung Logistik zugute.Trotz gelegentlich heftiger Diskussionen sei das Führungsprinzip zwischen den beiden Brüdern seit jeher unangetastet, berichten Mitarbeiter: Zum Neinsagen braucht es nur einen ? zum Jasagen braucht es beide.Streit, so scheint es, könnte allenfalls einmal um die Nachfolge im Unternehmen entbrennen: Jeder der beiden Brüder hat Kinder. Gleich mehrere davon kämen als spätere Chefs in Betracht. ?Die fünfte Generation steht mit einem Sohn von Heinz bereits in den Startlöchern?, sagt Hugo Fiege. An einem aber lassen die Brüder keinen Zweifel aufkommen: ?Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben.?
Dieser Artikel ist erschienen am 21.10.2004