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Die beiden Kronprinzen der Commerzbank

Von Claudia Wanner, Handelsblatt
Nicholas Teller und Martin Blessing gelten in der Commerzbank als aussichtsreichste Kandidaten für den Chefposten - als Nachfolger von Klaus-Peter Müller.
HB FRANKFURT. Viel Auswahl für eine interne Nachfolge bleibt nicht, sagen die Commerzbanker. ?Die besten Karten als Kronprinz haben Martin Blessing und Nicholas Teller?, bringt ein Bankinsider den Stand der Diskussion auf den Punkt. Müllers Kollege Klaus Patig, zuständig für das Asset Management, ist älter als er. Wolfgang Hartmann betreue mit dem Risikomanagement einen zu speziellen Bereich ähnlich wie Finanzvorstand Eric Strutz. Arbeitsdirektor Andreas de Maizière habe sich mit dem Ärger um die Betriebsrenten zu Jahresanfang selbst ein Bein gestellt, heißt es hausintern. Bleibt die junge Garde. Neben Blessing und Teller rechnen einige Commerzbanker Achim Kassow, der von der Comdirect zur Mutter kam, gute Chancen aus. Noch gilt er aber als zu unerfahren für eine Sprecherfunktion.Dagegen haben Blessing und Teller ihre Fähigkeiten schon unter Beweis gestellt. Der trotz seines schütteren Haares jungenhaft wirkende Blessing hat in den vergangenen drei Jahren erfolgreich das Privatkundengeschäft saniert. Seit dem Umbau des Vorstands am 9. November kümmert sich der 41-Jährige, der sich im Gespräch auch mal entspannt auf seinem Stuhl fläzt, um mittelständische Kunden.

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Der stets britisch korrekte Teller hat im Firmenkundengeschäft die operative Eigenkapitalrendite binnen eines Jahres auf 12,5 Prozent fast verdoppelt. Jetzt ist der 45-jährige gebürtige Londoner, der akzentfrei Deutsch spricht, für große internationale Kunden und für die Sanierung der Investmentbank zuständig.Blessing gilt als offen und dynamischBeide Banker gelten in der Bank als gute Besetzungen für ihre Posten. ?Der wird das glänzend packen?, ist ein Commerzbank-Manager sicher, der Blessing gut kennt. Für den gebürtigen Bremer ist Banking Familiensache. Großvater Karl stand von 1958 bis 1969 der Bundesbank vor, Vater Werner saß einst im Vorstand der Deutschen Bank, Gattin Dorothee, Investmentbankerin, kehrt gerade von der Deutschen Bank zu Goldman Sachs zurück. Aber sein Name macht ihm das Leben nicht gerade leichter. Immer wieder habe er sich die Frage gestellt, ob er wirklich gut sei, oder ob ihm Erfolge dank seines Stammbaums in den Schoß gefallen seien, sagte der Vater dreier Töchter kurz nach seinem Start bei der Commerzbank.Und Teller? ?Er hat die undankbarere Aufgabe bekommen, aber auch die spannendere?, urteilt ein Commerzbanker. Zugute komme dem Sohn eines Österreichers und einer Tschechin beim Zurechtstutzen der Investmentbank seine englische Muttersprache und die langjährige Auslandserfahrung. Auch seine ruhige Art werde ihm helfen, mit den Londoner Investmentbankern zurechtzukommen.Anders als der eher zurückhaltende Teller gilt Blessing als offen und geradeheraus, als ?junger Dynamiker?, der gut zuhört. Mitarbeiter beschreiben ihn als ?hellen Kopf, der stets die richtigen Fragen stellt?. Arbeitnehmervertreter bemängeln allerdings seine manchmal rüden Methoden, um seine Renditeziele durchzusetzen. Der Druck auf die Beschäftigten, Produkte zu verkaufen, sei unter seiner Führung ?sehr, sehr hart geworden?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Teller blieb der Bank stets treuNach dem Studium startete er bei der Managerschmiede McKinsey. Einer seiner Aufträge war es damals, die Bundesbank bei ihren Sparanstrengungen zu beraten. Mit seinem Namen sei er da nicht gut angekommen, urteilte er später. Seine Bankerlaufbahn begann er 1997 bei der Dresdner Bank, wechselte später in den Vorstand der mittlerweile eingestellten Onlinetochter Advance Bank und verließ sie nach einem Jahr Richtung Commerzbank.Teller dagegen hat seine gesamte Berufslaufbahn bei der Commerzbank verbracht. Der Vater zweier Söhne fing 1982 in London an. In den neunziger Jahren brachte er die Filiale Prag zur ?Ertragsblüte?, lobt ein Commerzbanker. 1999 wechselte er in die Geschäftsleitung nach Hamburg, dann nach Frankfurt, wo er es im vergangenen Jahr in den Vorstand brachte. Mit der Aufgabe, das Firmenkundengeschäft enger mit dem Investment-Banking zu verzahnen, ist er allerdings gescheitert.Trotz seiner langen Unternehmenszugehörigkeit ist Teller in der Zentrale weniger bekannt als Blessing. ?Er ist einen Tick zurückhaltender als Blessing?, vermutet ein Commerzbanker als Grund. Doch auch wenn der Zugang zu Teller schwerer fällt, ist der als sachlich und rational geltende Manager bei seinen Mitarbeitern anerkannt. Außerdem habe das Privatkundengeschäft in den letzten Jahren besonders im Fokus gestanden, erklärt ein Banker Blessings Popularität. Das dürfte sich ändern. ?Der Umbau des Investment-Bankings ist die schwerere Aufgabe?, ist man sich im Hause einig.Derzeit sehen viele in der Bank Blessing beim Schaulaufen der Kronprinzen vorne. Doch wenn Teller seine Sanierungsaufgabe meistert, wird neu benotet.Lesen Sie weiter auf Seite 3 Die Vita von Nicholas Teller:Nicholas Teller 1959 wird er am 16. Juni in London geboren. Nach dem Abitur in Düsseldorf macht er seinen Bachelor of Commerce in Birmingham.1982 beginnt er bei der Commerzbank in London. 1994 kommt er in die Geschäftsleitung der Filiale Prag und dann in die der Filiale Hamburg.2002 wird er Regionalvorstand.2003 rückt er am 1. April in den Konzernvorstand auf.2004 übernimmt er am 9. November die Sparte internationale Kunden und Investmentbanking.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die Vita von Martin BlessingMartin Blessing 1963 wird er am 6. Juli in Bremen geboren. Der Bankkaufmann studiert Betriebswirtschaft u.a. in St. Gallen und macht den MBA an der University of Chicago.1989 startet er bei der Unternehmensberatung McKinsey.1997 wird er Mitleiter des Bereichs private Kunden bei der Dresdner Bank, später Vorstandssprecher der Advance Bank.2001 rückt er im November in den Commerzbank-Vorstand auf.2004 wird er am 9. November zuständig für Mittelständler.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.12.2004