Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Die Banken brauchen Fonds-Spezialisten

Von Chris Löwer, Handelsblatt
Weil die Privatanleger derzeit eher Investmentfonds statt Aktien schätzen, müssen sich die Banken umorientieren.
Manchmal bewegt sich doch etwas am Standort D.: Auf Initiative des Bundesverbands der Deutschen Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI) hat die Bundesregierung den neuen Ausbildungsberuf des Investmentfondskaufmanns geschaffen. Seit August büffelt der erste Jahrgang für diesen Abschluss.Der BVI sieht dringenden Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften und spricht, trotz nachhaltig verschreckter Anleger, von einem Wachstumsmarkt, weil ehemalige Aktienanleger nun eher auf Fonds umstiegen. Ein Mangel an Fachkräften sei auch entstanden, weil fertige Bank- oder Bürokaufleute ohne Weiterbildung kaum für den Job geeignet seien.

Die besten Jobs von allen

?Die vorhandenen Ausbildungsberufe genügen nicht den spezifischen Anforderungen der Investmentbranche, da detailliertes Investment-Know-how erforderlich ist?, sagt Oliver Männel, Ausbildungsleiter der Baden-Württembergischen Kapitalanlagegesellschaft (BWK). Während beim Bankkaufmann Beratung und Verkauf im Vordergrund stehen, spielt das beim Investmentfondskaufmann nicht die entscheidende Rolle.?Eine Qualifikation für das Privatkundengeschäft steht nicht im Mittelpunkt, dafür aber fundierte Kenntnisse rund um das Investmentgeschäft?, sagt Luisa Santos, Personalreferentin und Ausbilderin der Universal-Investment-Gesellschaft. Auf dem Lehrplan stehen: Depotführung, Rechnungswesen, Controlling, Fondsverwaltung Reporting, aber auch Marketing, Vertrieb, Steuerrecht und Wirtschaftsenglisch. So ausgestattet, sollen sich die Kräfte um Depotbetreuung, Analyse von Aktien-, Renten- und Geldmärkten sowie um Fondsbuchhaltung- und Controlling kümmern.Die 35 Novizen werden bei der BWK, dit, Union, Universal-Investment sowie der Deka-Bank, die allein 20 Azubis eingestellt hat, ausgebildet und besuchen begleitend die Berufsschule. Wer die Prüfung vor der IHK schafft, hat das Zertifikat in der Tasche. Geplant sind weiterhin Abschlüsse zum diplomierten Fondsfachwirt und Fondsmanager. Neben dem Job bei einer Investmentgesellschaft ist aber auch der Einstieg bei Banken, Sparkassen und Versicherungen denkbar.BWK-Ausbildungsleiter Männel sieht eine rosige Zukunft die Absolventen: Die deutsche Investmentbranche verwalte derzeit etwa 8 000 Fonds mit einem Gesamtwert von rund 920 Milliarden Euro, davon entfielen alleine 417 Milliarden auf rund 2 500 Publikumsfonds. ?Vergleicht man nun das durchschnittliche Pro-Kopf-Fondsvermögen der Deutschen von etwa 3 800 Euro mit dem von Frankreich (9 200 Euro) und den USA (21 300 Euro), wird das Potenzial recht deutlich.?Kein Wunder, dass sich die Zahl der Mitarbeiter der Investmentfondsgesellschaften in den letzten Jahren fast verdoppelt hat und die Nachfrage nach ausgewiesenen Experten groß ist. Dennoch dürfen die Spezialisten nicht auf mehr Einstiegsgehalt hoffen. Das liegt mit etwa 1 800 Euro im Monat auf dem Niveau von Bankkaufmännern.Die neue Ausbildung ist auch eine Reaktion darauf, die Nachfrage nach privaten Altersvorsorgemodellen besser zu befriedigen. Die Branche sieht unter anderem deshalb das Fondsgeschäft in keiner dauerhaften Baisse: ?Die gegenwärtige reservierte Haltung von Anlegern wird sich wieder drehen. Investmentfonds haben Zukunft und damit der Beruf?, ist sich Santos sicher.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.11.2003