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Die AG der Fürsten

Von Oliver Stock
Erbprinz Alois nutzt das 200. Staatsjubiläum, um den Ruf Liechtensteins aufzupolieren ? ändern mag er aber nicht viel. Warum auch, schließlich geht es den Liechtensteinern blendend. 200 Jahre Souveränität gilt es zu feiern in diesem Jahr. Damals, anno 1806, trat das Land nicht ganz freiwillig dem von Napoleon kreierten Rheinbund bei. Der eigentliche Jahrestag, der 12. Juli, ist kein Nationalfeiertag.
VADUZ. Empfang im Fürstenhaus zu Liechtenstein: Wallende Gobelins bedecken die kargen Mauern. Ausgestopfte Hirschköpfe mit mächtigem Geweih glotzen aus Glasaugen auf das kleine Grüppchen, das sich um den Couchtisch aus Glas und Messing versammelt hat. Erbprinz Alois hat auf ein Gläschen in Schloss Vaduz geladen.200 Jahre Souveränität gilt es zu feiern in diesem Jahr. Damals, anno 1806, trat das Land nicht ganz freiwillig dem von Napoleon kreierten Rheinbund bei. Der eigentliche Jahrestag, der 12. Juli, ist kein Nationalfeiertag. Da muss das Volk arbeiten ? im Gegensatz zum 15. August, dem Vorabend von Kaiser Franz Josephs Geburtstag, an dem alle frei haben.

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Das Verhältnis zwischen Monarchie und Republik ist in Liechtenstein nicht ganz spannungsfrei. Deswegen ist es auch keine Selbstverständlichkeit, hier oben zu stehen an den Burgmauern des Schlosses, von wo aus die Kanonen übers Rheintal und die eigenen Untertanen reichen. Das Schloss ist Privatgelände ? drei Fürstengenerationen leben hier.Doch Erbprinz Alois will das Jubiläum nutzen, um Liechtensteins Ruf zu polieren. Das kleine Land hat eine neue Finanzverfassung auf den Weg gebracht und eine Markenkampagne gestartet, um endlich den Ruf loszuwerden, nichts als ein Paradies für diejenigen zu sein, die Geld zu verstecken haben. Die Charmeoffensive seiner Durchlaucht mit Schlossvisite ist Teil dieser Jubiläumsstrategie.Erbprinz Alois, den Schulfreunde gerne ?Lui? nennen, hat vor knapp zwei Jahren die Regierungsgeschäfte von seinem Vater Hans-Adam übernommen. Der ist aber formell noch Staatsoberhaupt. ?Hans-Adam wechselt in den Aufsichtsrat, und Alois führt seither das operative Geschäft? der Fürstenhaus AG, kommentiert der ehemalige Regierungschef Mario Frick diesen Vorgang, zu dem auch gehört, dass der Vater den Sohn kraft Hausgesetz wieder entmachten kann.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Montags ist Audienz.Jeden Montag empfängt der regierende Fürst den Chef der Regierung von Liechtenstein. Fricks Nachfolger Ottmar Hasler pilgert dann den Berg hinauf zum Schloss. ?Ist ja international so üblich?, sagt Hasler und meint damit die Zeremonie, dass der Regierungschef das Staatsoberhaupt aufsucht und nicht umgekehrt. Hasler sitzt dann vermutlich in jenem Empfangsraum, in dem nun auch Alois kerzengerade an seinem Glas nippt und gewinnend lächelt.Die Worte kommen ihm nur zögerlich über die Lippen. Seine Vorfahren trugen Rüstung, und auch Alois legt sich bei dieser Gelegenheit einen unsichtbaren Panzer an. ?Ein Land mit liberalen Finanzstrukturen steht immer schnell am Pranger?, sagt er.Dass das nicht so bleiben darf, war schon seinem Vater klar geworden. Schließlich sind das Fürstengeschlecht und sein Ländchen aufs Engste miteinander verbunden. Das letzte regierende deutschsprachige Adelsgeschlecht hat es auf die vordersten Ränge der Blaublütigen Europas gebracht. Das fürstliche Vermögen wird ? ohne Kunstsammlung ? auf zwei, mit Kunst auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt, je nachdem, ob es nach dem US-Magazin ?Forbes? oder nach dem Schweizer Magazin ?Bilanz? geht.Weil parallel dazu auch das Land so schön prosperiert, zählt der Alpenstaat gemessen am Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung zu den reichsten Nationen der Welt. Die 35 000 Liechtensteiner kennen fast keine Arbeitslosigkeit. Ein System aus Stiftungen sorgt für ein mildes Steuerklima, welches ausländisches Geld anzieht.Über Änderungsvorschläge diskutiert das Parlament seit Jahren vergeblich. Die OECD führt Liechtenstein auf einer Liste jener Länder, die sich beim Informationsaustausch in Steuerfragen wenig kooperativ zeigen. Hans-Adam war es, der das verstreute Familienvermögen in die Sparten Finanzen, Kunst und Ländereien aufteilte und jeweils eine fürstliche Stiftung dafür installierte. Dabei achtete er darauf, dass die Leitungsgremien genauso wie die Familie von lästigen Steuern befreit sind. Im Gegenzug verzichtete der Fürst auf die jährliche Apanage von 165 000 Euro, die ihm seine Untertanen bis Mitte der 90er-Jahre spendiert hatten.Anders als in anderen Ländern Europas bezahlt sich die Monarchie damit selbst, was Hans-Adam zu der Bemerkung veranlasste: ?Am Vormittag muss ich das Geld verdienen, damit ich mir am Nachmittag das Regieren leisten kann.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fürstenhaus hat eine eigene Bank.Erfolgreichster Konzern unterm Dach der Fürstenhaus AG ist die größte Bank im kleinen Land. Die ?Liechtenstein Global Trust? (LGT) verwaltet gut 50 Milliarden Euro für ihre Kunden, unter ihnen Adelshäuser aus ganz Europa. Die LGT ist es allerdings auch, die die Grenzen zwischen Politik und Finanz verschwimmen lässt. Alois versteht zwar nach Ausbildungsphasen bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und bei Banken etwas von den Regeln der ?guten Unternehmensführung?.Im Fall der LGT besteht die Hürde zwischen Bank und Schloss jedoch eigentlich nur darin, dass die Bank nicht vom regierenden Fürsten, sondern von dessen ein Jahr jüngerem Bruder Max geführt wird.Unternehmer und Staatsoberhaupt zu sein ?ist nicht wirklich ein Nachteil?, stellt Ex-Regierungschef Frick fest. ?Die Erfahrungen im Wirtschaftsleben helfen mir einerseits bei der Verwaltung des Vermögens, und andererseits halte ich ein gutes wirtschaftliches Verständnis in der Politik für wichtig?, lautet die persönliche Einschätzung des Erbprinzen zu diesem kniffligen Thema.Kontroverses ist dem Mann, der in seiner Bibliothek die diplomatischen Akten der Habsburger gesammelt hat, nicht zu entlocken. Er wird fortführen, was seine Ahnen so erfolgreich vorgemacht haben ? allen Einladungen ins Schloss zum Trotz.Das 200. Jubiläum ist da allenfalls ein i-Tüpfelchen in der Geschichte.
Erbprinz Alois1968 kommt der Erbprinz als erster Sohn von Fürst Hans-Adam II. und Fürstin Marie von und zu Liechtenstein in Zürich zur Welt und wird auf den Namen Alois Philipp Maria getauft. Seinen Namen erhält der Prinz im Andenken an seinen Urgroßvater, Prinz Alois von Liechtenstein, den Vater des damaligen regierenden Fürsten Franz Josef II.1987 tritt er nach dem Schulabschluss in die königliche Militärakademie in Sandhurst ein, wo er eine Offiziersausbildung absolviert. Nach der Beförderung zum Second Lieutenant der britischen Armee leistet er seinen Dienst bei den ?Coldstream Guards? in Hongkong und London. Ein Jahr später beginnt er ein Jura-Studium in Salzburg.1993 tritt er einen Job bei einer Londoner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an. Dort bleibt Erbprinz Alois drei Jahre lang.2004 übergibt ihm Fürst Hans-Adam II. ?zur Vorbereitung für die Thronfolge? die Aufgaben des Staatsoberhauptes von Liechtenstein. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein ist mit Herzogin Sophie in Bayern verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.05.2006