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Devise: Durchbeißen

Claudia Obmann. Foto: Pixelio.de
Vom Hobby-Kurs bis zum Hochschuldiplom: Fernlehrgänge werden immer beliebter. Arbeitgeber schätzen die berufliche Weiterbildung in Eigenregie sehr. Mit karriere finden Sie heraus, welche Methode für Sie geeignet ist.
Elf Jobwechsel und die dreimalige Erneuerung ihrer Wissensbasis haben Studenten während ihres Berufslebens vor sich. Das hat der Soziologie-Professor Richard Sennett von der London Business School of Economics and Political Science ermittelt. Das Wissen aus der Schule und der Uni reicht heutzutage nicht mehr bis zur Rente. Um sich neben dem Job neues Know-how anzueignen, sind Lernende auf flexible Schulungsformen angewiesen: Fernlernen ist stark auf dem Vormarsch.

Elf Jobwechsel und die dreimalige Erneuerung ihrer Wissensbasis haben Studenten während ihres Berufslebens vor sich. Das hat der Soziologie-Professor Richard Sennett von der London Business School of Economics and Political Science ermittelt. Das Wissen aus der Schule und der Uni reicht heutzutage nicht mehr bis zur Rente. Um sich neben dem Job neues Know-how anzueignen, sind Lernende auf flexible Schulungsformen angewiesen: Fernlernen ist stark auf dem Vormarsch.

Die besten Jobs von allen


In Deutschland werden jährlich mindestens 720.000 Abschlüsse und Zertifikate in der Weiterbildung vergeben, schätzt das Bundesinstitut für Berufsbildung. Bereits rund 200.000 Menschen pro Jahr starten laut Forum DistancE-Learning, dem Fachverband für Fernlernen, ihre Weiterbildung in Eigenregie.

Sie lernen entweder mit schriftlichen Materialien, die ihnen der Postbote regelmäßig nach Hause bringt, oder per Online-Lektion, wann und so oft sie mögen. Sie sind nicht an feste Unterrichtszeiten gebunden und sparen aufwändige Anfahrtswege. Dadurch lassen sich Job, Familie und Fortbildung besser unter einen Hut bringen (Details zu Lernformen siehe Infokasten).

Fernlern-TÜV Garantiert Qualität

Was inhaltliche Qualität und die sinnvolle Darbietung des Stoffs für Selbstlerner angeht müssen sich Fernkurse nicht hinter den Präsenzseminaren verstecken: Bevor ein neuer Fernlehrgang angeboten werden darf, prüft die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln, ob das Lehrgangsziel mit den vorgesehenen Lehrmaterialien und der jeweiligen Lernform überhaupt erreicht werden kann

Darüber hinaus nimmt die ZFU alle drei Jahre sämtliche Kurse erneut auf den Prüfstand und kontrolliert, ob die Inhalte noch dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Unter die Lupe kommen zudem die eingebauten Lernkontrollen wie Übungsaufgaben oder Prüfungsfragen

Dank dieses Fernlern-TÜVs können sich Bildungshungrige inzwischen vom Hauptschulabschluss bis zum MBA-Titel auf jeden Bildungsabschluss zuverlässig vorbereiten. Auch das Themenspektrum an Fernlehrgängen ist enorm: von Allgemeinbildung, Fremdsprachen, Wirtschafts-Know-how und EDV-Kenntnissen bis hin zu sozialen Kompetenzen für Führungskräfte lässt sich fast alles im Selbstlern-Modus trainieren.

Die Sache mit dem Schweinehund

Theoretisch klingt das Lernen nach persönlichem Stundenplan ganz wunderbar, doch in der Praxis ist es längst nicht jedermanns Sache. Wem das Lernen in der Gruppe näher liegt und wer sich regelmäßig von Angesicht zu Angesicht mit Lehrern und Mitschülern austauschen will, für den eignen sich Fernunterrichtsmethoden nicht. Vor allem müssen Fortbildungswillige eine gehörige Portion an Selbstdisziplin und Durchhaltewillen mitbringen.

Davon kann Felix Höfele ein Lied singen. Ein Jahr lang, wöchentlich acht Stunden ackerte der Politikwissenschaftler und gelernte Journalist insgesamt 52 Lektionen in seinen Lehrbriefen durch, um sich für seine Aufgaben als Pressereferent bei der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung fitter zu machen.

Motivationshänger kennt der 39-Jährige zur Genüge. "Wenn im Büro mal wieder Termine drängten und Überstunden anfielen, wäre ich am Wochenende statt zu lernen auch lieber zum Karate gefahren oder hätte mich mit Freunden getroffen. Einige Male war ich kurz davor zu schmeißen", erzählt der Baden-Badener. Doch den inneren Schweinehund zu überwinden und einmal seinen Sommerurlaub sausen zu lassen, hat sich gelohnt. "Ich habe viel über professionelle PR-Arbeit gelernt, vom Web-Auftritt über statistische Auswertungsmethoden bis zum Krisenmanagement.

Der finanzielle und zeitliche Aufwand für Selbstlernprogramme ist jedoch nicht zu unterschätzen. Die durchschnittliche monatliche Rate für einen reinen Fernlehrgang beträgt zwischen 90 und 130 Euro, hat das Forum DistancE-Learning errechnet - Kosten für ergänzende Präsenzveranstaltungen, etwa zur Prüfungsvorbereitung, noch nicht mit eingerechnet. Wer Kurse online belegt, muss zusätzlich noch in Computer-Equipment investieren

Außerdem sollten sich Interessenten sechs bis zwölf Stunden pro Woche für die Bearbeitung des Materials reservieren. "Fernlernen ist mehr als nur lesen und auswendig lernen", sagt Jens Greefe, Pädagogischer Leiter des Instituts für Lernsysteme (ILS), der zum Schulbuchverlag Klett gehörenden größten deutschen Fernschule.

In kaufmännischen Lehrgängen etwa, die auf Führungsaufgaben vorbereiten, sind oft komplexe Fallstudien zu bearbeiten, um zunächst theoretisch erlerntes Wissen in einem realistischen Szenario anzuwenden. Schließlich sollen die Teilnehmer beweisen, dass sie nicht nur viel wissen, sondern auch ein neues Tätigkeitsfeld kompetent ausfüllen können. Jeder reicht dafür seinen eigenen Lösungsansatz ein, der von Experten aus der Praxis bewertet und ausführlich kommentiert wird.

Diese persönlichen Tutoren behalten auch im Blick, ob ihre Schützlinge im Zeit- und Lernplan liegen. Bei Urlaub, Krankheit oder anderen zeitlichen Engpässen lässt sich das persönliche Pensum problemlos herunterschrauben. Die Institute erlauben meist eine kostenlose Überschreitung der Regelstudienzeit um 50 Prozent.

Durchhalten lohnt sich

Wenn Personalchefs in Bewerbungsunterlagen den Nachweis eines abgeschlossenen Fernlehrgangs finden, erkennen sie wichtige Qualitäten des Job-Kandidaten: Rund 90 Prozent aller deutschen Personalentscheider bescheinigen Fernlernern eine hohe Eigenmotivation, Zielstrebigkeit, Flexibilität sowie analytisches Denken. Das hat eine Forsa-Studie unter 300 Personalern ergeben. Unternehmerin Pia Bohlen von der Internet-agentur Xbyte Online Communication zum Beispiel sagt zum Wert von Fernunterricht: "Wer sich eigeninitiativ weitergebildet hat, signalisiert große Bereitschaft, dies auch fortzuführen. Tag für Tag. Solche Leute bevorzugen wir in unserer Branche.

Für Michael Best aus Unterbiberg hat sich sein nebenberufliches Engagement sogar schon während seines fünfjährigen Fernstudiums zum Diplom-Informatiker ausgezahlt. Noch vor der Fertigstellung seiner Diplomarbeit an der Privaten Fern-Fachhochschule Darmstadt stellte die Universität der Bundeswehr den Diplomanden als wissenschaftlichen Angestellten ein.

Ein prima Karriere-Sprungbrett: Heute ist der junge Familienvater als Projektleiter bei einem Softwarehaus beschäftigt, das sich auf Logistik-Lösungen spezialisiert hat - und denkt schon über seine nächste Fortbildung nach: "Eine Promotion wäre noch interessant. Dazu halte ich den Fernstudium-Bereich weiter im Auge."

Fit für Fernunterricht

Die Klassiker - Lehrbriefe: Regelmäßig bringt der Postbote Material ins Haus, das durchgearbeitet wird, um die daran geknüpften Aufgaben lösen zu können. Traditionell kommen Papierhefte, im moderneren Medienmix können aber auch zum Beispiel CD-ROMs mit Übungen dabei liegen. Die Prüfungsaufgaben werden zurück ans Institut geschickt, wo ein Korrektor das Ganze begutachtet, benotet und mit Anmerkungen versehen wieder an den Schüler schickt. Fach- und Managementwissen sind traditionelle Selbstlern-Themen.
+ Hefte lassen sich bequem überall mit hinnehmen, zum Beispiel auf Bahnfahrten.
+ Günstigste Lernform, da weder PC-Anschaffung noch Online-Gebühren anfallen.
- Erfordert hohes Maß an Selbstdisziplin.
- Kein direkter Austausch mit Mitschülern.
Linktipp: www.zfu.de - alle staatlich zugelassenen Fernlerngänge von 330 deutschen Anbietern in einer Datenbank

Das Moderne - Web-based-Training: Online-Kurse kommen immer häufiger für Grundlagenwissen zum Einsatz, von Bilanzbuchhaltung bis zum Computertraining. Online lassen sich besonders gut Fremdsprachen trainieren: Der Web-PC wird zum Vokabeltrainer, reale Gesprächssituationen lassen sich als Video einblenden und die Aussprache wird direkt vom Elektronenhirn verbessert. + Fragen zum Stoff, etwa zur Grammatik, lassen sich von Online-Tutoren schriftlich oder mündlich direkt beantworten.
+ Der Austausch mit anderen Kursteilnehmern per Web-Kamera und Mikro macht das Lernen lebhaft und motivierend.
- Schnelle Internetverbindung und Multimediatauglichkeit des PC-Equipments nötig.
- Höhere Kosten.
Linktipp: www.eldoc.de - Informationssystem des Bundesinstituts für Berufsbildung zum E-Learning-Angebot

Die Kombi - Sowohl Lehrbriefe als auch Online-Kurse werden von einigen Anbietern mit ein- bis mehrtägigen Präsenzveranstaltungen kombiniert. Geeignet vor allem zur gezielten Prüfungsvorbereitung oder um Handlungskompetenzen wie Rhetorik oder Konfliktmanagement einzuüben.
+ Kursteilnehmer und Lehrpersonal treffen sich persönlich, gute Networking-Gelegenheit.
- Weiterbildung wird durch Reise- und Übernachtungskosten deutlich teurer.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.09.2007