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Deutsche verliert Banker

Von R. Landgraf und C. Potthoff
In der Deutschen Bank nimmt das Personalkarussell Fahrt auf: Mit dem Europachef für Aktienemissionen, David Weaver, verlässt ein Eigengewächs nach 17 Jahren die Bank. Nur wenige Tage zuvor hatte das Institut mit Roland Lienau bereits einen ihrer bekanntesten Investmentbanker hier zu Lande verloren. In der Finanz-Community sorgen die Abgänge für großes Aufsehen.
Nur wenige Tage zuvor hatte das Institut mit Roland Lienau bereits einen ihrer bekanntesten Investmentbanker hier zu Lande verloren. Er war einer der beiden Leiter des Bereiches Equity Capital Markets (ECM) in Deutschland und berichtete an Weaver. Im Februar und März wechseln regelmäßig viele Investmentbanker den Arbeitgeber, da sie dann ihre Boni für das vergangene Jahr auf den Konten haben.In der Finanz-Community sorgen die Abgänge der Deutschen Bank bei Aktienemissionen für Aufsehen. Es kehre keine Ruhe ein, heißt es auch in der Bank selbst. Gerade die Wechsel an der ECM-Spitze verunsicherten. Weaver war erst im Herbst 2006 zum alleinigen Europachef des Bereiches geworden. Er hatte im Bereich Aktienemissionen seit Dezember 2004 gearbeitet und zuvor europäische Kunden betreut. Spekulationen zufolge wechselt der Banker zur Jeffries Group, einer mittelgroßen Investmentbank aus den USA. Sein Posten wird von Sam Dean zusätzlich übernommen, der zeitweise gemeinsam mit Weaver das Geschäft in Europa geführt hatte, um dann vergangenes Jahr zum Chef des globalen Aktiensyndikats aufzusteigen.

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Die Unruhe im ECM-Bereich spiegelt sich teilweise auch in den Ranglisten bei Aktienemissionen wider. So verlor die Deutsche Bank 2006 nach Berechnungen von Thomson Financial in Europa Marktanteile und rutschte von Platz eins im Vorjahr auf Rang fünf ab. In Deutschland konnte sich das Institut nach schwächerem Beginn im vergangenen Jahr noch einmal fangen. Große Emissionen wie die Milliardenplatzierung des Aromaherstellers Symrise und der Börsengang des Immobilienunternehmens Gagfah sorgten für den Spitzenplatz in Deutschland. Hier hat die Deutsche Bank trotz des Abgangs von Lienau mit Georg Hansel weiterhin einen gut vernetzten Emissionschef, der seit Jahren für das Institut arbeitet.Allerdings wird für Hansel das Geschäft im laufenden Jahr schwerer, denn seit Mitte 2006 Jahr musste das Institut einen starken Aderlass hinnehmen. Martin Hörstel, der zuletzt das Aktiengeschäft im deutschsprachigen Raum mitverantwortet hatte, arbeitet seit Januar bei der US-Investmentbank JP Morgan. Als Managing Director verstärkt er den Konkurrenten im Großkundengeschäft in Deutschland und Österreich. Joachim von der Goltz von der Deutschen wechselte bereits im August zu JP Morgan. Wie es in Finanzkreisen heißt, soll er Klaus Hessberger, dem Chef Aktienemissionen der US-Bank, zu mehr Erfolgen bei Börsengängen hier zu Lande helfen. Im vergangenen Jahr rangierte JP Morgan mit Platz vier eine Stufe niedriger als im Vorjahr. Vor den Amerikanern liegen Morgan Stanley und Goldman Sachs.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch ein enger Vertrauter Ackermanns geht.Um die Lücken bei der Deutschen Bank aufzufüllen, warb das Institut Foruhar Madjlessi von Merrill Lynch ab. Neuer Chef Aktienemission Deutschland und Österreich bei der US-Investmentbank wird Stefan Albrecht, der von der Citigroup kommt. Der 44-jährige leitet das Geschäft von London aus. Er kennt den neuen Deutschlandchef von Merrill Lynch, Flavio Valeri, aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank, wo Valeri damals ebenfalls arbeitete. Albrecht gehörte 1998 zu den Gründern der IPO-Plattform in Internet, Net IPO und wechselte im Mai 2001 zur Citigroup. Zuletzt betreute er dort die milliardenschwere Kapitalerhöhung von Bayer. Für mehr als die Hälfte der Dax-Unternehmen führte er Kapitalmarkttransaktionen durch. Mit seinen Kontakten soll er das ECM-Geschäft von Merrill Lynch weiter voranbringen. 2006 war Merrill nicht unter den ersten zehn Banken bei Börsengängen zu finden.Auch im Kommunikationsbereich steht offenbar ein Personalwechsel bevor: Simon Pincombe, der weltweite Kommunikationschef der Deutschen Bank wird seinen Posten in dieser Woche aufgeben. Gründe sind nicht bekannt. Nach Informationen der Fachzeitschrift Financial News wird die Bank seinen Abschied in den kommenden Tagen intern bekannt geben.Damit geht einer der engsten Vertrauten von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der ehemalige Finanzjournalist Pincombe arbeitet seit zehn Jahren für das größte deutsche Kredithaus. Der 53jährige stieß 1997 zur Deutschen Bank. Als der Schweizer 2002 an die Spitze des Frankfurter Geldhauses rückte, stieg Pinombe zum weltweiten Kommunikationschef auf. Über einem möglichen Nachfolger ist nichts bekannt.Die Beziehung zwischen Ackermann und seinem Kommunikationschef seien in jüngster Zeit ziemlich volatil gewesen, zitiert Financial News einen Insider.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.03.2007