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Der Vieltelefonierer

Von Gregory Lipinski und Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt
Ralf Kogeler ist Chef des Call-Center-Riesen Walter Tele-Medien. Jetzt will er bei der Autobahn-Maut mitverdienen.
ETTLINGEN. Wenn er etwas von seinen Mitarbeitern will, verlässt sich Ralf Kogeler auf das gesprochene Wort. ?Einen Blackberry habe ich nicht?, sagt der sportlich wirkende 1,94-Meter-Mann. Er telefoniert lieber, als mit dem handlichen Lieblingsspielzeug des deutschen Führungspersonals E-Mails zu versenden. Ein Telefongespräch sei persönlicher und zielgerichteter.Da spricht der 44-jährige gebürtige Hamburger auch pro domo. Kogeler ist Vorstandschef von Walter Tele-Medien im badischen Ettlingen, ein paar Kilometer außerhalb von Karlsruhe. Das Unternehmen ist der größte konzernunabhängige Call-Center-Dienstleister in Deutschland. Und es wird viel telefoniert. Trotz schwacher Branchenkonjunktur peilt Kogeler mit 4 200 Mitarbeitern dieses Jahr einen Umsatz von 100 Millionen Euro und eine zweistellige Umsatzrendite an.

Die besten Jobs von allen

Und jetzt will er im mehrfach vom Betreiberkonsortium Toll Collect verschobenen Geschäft mit der LKW-Maut für deutsche Autobahnen mitmischen. Gestern stellte er in Berlin die neue Tochterfirma Toll Direct vor. Sie bietet LKW-Fahrern an, ihre Fahrtrouten direkt über das Handy zu buchen. Damit steht sie im Wettbewerb mit anderen.Zu seinem jetzigen Job kam Kogeler vor rund einem Jahr eher zufällig. Beim früheren Finanzvorstand von Europas größtem Zeitungskonzern, der Axel Springer AG (?Bild?, ?Welt?, ?Hörzu?), meldete sich ein Headhunter und bot ihm den Chefposten bei Walter Tele-Medien an, weil in Ettlingen ein Generationswechsel bevorstand.Kogeler, der gerade bei Roland Berger als Unternehmensberater arbeitete, sagte zu. Er übernahm nicht nur den Chefsessel, sondern stieg auch gleich als Gesellschafter ein. ?Für mich ist das ein Traum, Manager und Unternehmer zu sein?, sagt er. Bei Walter Tele-Medien ist er weitgehend sein eigener Herr. Die Leine zum Hauptgesellschafter des Unternehmens, der Beisheim Holding in der Schweiz, ist lang. Kogeler nutzt den Spielraum, um das früher von Jürgen Lankers patriarchalisch geführte Unternehmen im Wettbewerb mit den beiden Spitzenreitern Arvato, Tochter von Bertelsmann, und SNT, Tochter der niederländischen Telekomgesellschaft KPN, in eine moderne, schlagkräftige Firmengruppe umzubauen. Er kauft Unternehmen hinzu, gründet neue Call-Center, achtet auf flache Hierarchien. Gleich zu seinem Amtsantritt krempelt er das Management um. Dabei geht er keinem Konflikt aus dem Weg. Bei den Arbeitnehmervertretern kommt er gut an. ?Der ist in Ordnung, richtig menschlich?, lobt ein Betriebsrat.Schon als Jugendlicher verstand er es, sich beim Hockeyspiel durchzusetzen. Das war eine gute Schule für den schlaksig wirkenden Mann, um schwierige Phasen in seiner Berufslaufbahn zu meistern. Dazu gehört vor allem seine Zeit beim Zeitungskonzern Springer. Es geht zwar ab 1993 für ihn steil nach oben: Er wird Leiter des Geschäftsbereichs Elektronische Medien, steigt im Juni 1999 mit diesem Aufgabengebiet als Vorstandsmitglied auf und wechselt später zum Finanzressort. Doch diese Aufgabe entwickelt sich für ihn zu einer Hängepartie: Häufig eckt der strategisch denkende Jung-Manager mit dem damals designierten Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner an. Streitpunkt sind vor allem die millionenschweren Investitionspläne Döpfners. Der will schnell aus dem Zeitungsunternehmen einen internationalen Medienkonzern schmieden.Doch Zahlenjongleur Kogeler bremst Döpfner bei seinem Expansionsdrang. Kogeler habe immer wieder darauf hingewiesen, dass dem Medienkonzern dafür das Geld fehle, hieß es damals in Springer- Kreisen. Döpfner sieht dies anders: Er vermutet hinter der Blockadehaltung des Finanzchefs den Münchener Filmhändler Leo Kirch, dem Kogeler offenbar nahe stand. In Branchenkreisen hieß es, der Springer- Großaktionär und Gegner der Verlegerwitwe Friede Springer benutze den Finanzchef als verlängerten Arm, um seine Interessen im Konzern durchzusetzen und den Wachstumsdrang zu zügeln.Doch Kogelers Vorsicht gibt ihm Recht. Als er 2001 ?auf eigenen Wunsch? Springer verlässt, verzeichnet Europas größter Zeitungsriese erstmals in seiner Firmengeschichte einen dreistelligen Millionenverlust. Döpfner muss den von seinem Finanzvorstand geforderten harten Sparkurs einschlagen.Auch als Chef von Walter Tele-Medien ist Kogeler seiner Linie treu geblieben. Er achtet stets strikt auf die Kosten. Denn der Preisdruck hat auch bei der Nummer drei der Call-Center-Branche in Deutschland Spuren hinterlassen. Um alles im Griff zu behalten, ist er ständig unterwegs zu den vielen Call-Centern im Lande und zu den Kunden.Zu seinen Hobbys kommt er so kaum noch. Früher nahm er häufiger am Segelwettbewerb Kieler Woche teil. Heute widmet er sich in seiner knappen Freizeit seiner Familie im heimischen Baden-Baden.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2004