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Der Umsattler

Britta Domke
Niemals wollte Christian Weigt BWL studieren, nie seine Arbeitstage am Schreibtisch verbringen. Die konventionelle Bürokarriere? Für ihn ein Graus. Der Student der Forstwirtschaft träumte von einem Job unter freiem Himmel. Heute, mit 29, hat Christian Weigt seine Träume auf Eis gelegt. Heute arbeitet er mit Autoreifen, sitzt täglich am Schreibtisch, und ein MBA-Studium hat er auch gerade absolviert.
Niemals wollte Christian Weigt BWL studieren, nie seine Arbeitstage am Schreibtisch verbringen. Die konventionelle Bürokarriere? Für ihn ein Graus. Der Student der Forstwirtschaft träumte von einem Job unter freiem Himmel. Heute, mit 29, hat Christian Weigt seine Träume auf Eis gelegt. Heute arbeitet er mit Autoreifen, sitzt täglich am Schreibtisch, und ein MBA-Studium hat er auch gerade absolviert.
Pragmatismus schlägt Herzenswunsch: "Schon während des Studiums sagte mir ein Förster, dass es in diesem Beruf schwierig werden könnte", erinnert sich der Diplom-Forstingenieur. Während Weigt sich auf Baumkrankheiten und Waldinventur vorbereitete, halbierte das Land Niedersachsen die Zahl der Forsten. Unter den Göttinger FH-Studenten kursierte das Gerücht, dass niemand von ihnen in den Staatsdienst übernommen werde. Weigts Stimmung sank auf den Nullpunkt: "Ich war nur noch frustriert: Vier Jahre studiert, ein Jahr Anwärterdienst - und plötzlich keine Chance auf eine Stelle!" Eine USA-Reise half ihm aus der Klemme: Als seine Frau Katrin für ihren Arbeitgeber Continental nach Charlotte im Osten der USA ging, besuchte er sie - und erfuhr, dass die Conti-Logistikabteilung einen Jahrespraktikanten suche. Er bewarb sich ohne große Hoffnung: "Was hatte ich schon vorzuweisen? Ich konnte Forstwirtschaft, Word und Excel - das war's." Doch für seinen Chef in spe spielte es keine Rolle, was er studiert hatte: Praktikanten müssten sowieso alles neu lernen, meinte er nur.
Dann ging alles ganz schnell: Anwärterdienst abgebrochen, Praktikum begonnen, MBA in Abendkursen absolviert - und bei Continental wurde eine Stelle frei. Als Supply Chain Planner ist Weigt seitdem dafür verantwortlich, dass die richtigen Reifen in der richtigen Menge am richtigen Ort ankommen. Er mag seine Arbeit, nicht nur wegen der guten Bezahlung: "Vor allem im Winter bin ich froh, dass ich nicht durch den Wald rennen und Bäume markieren muss."
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2005