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Der UBS-Chef ist Klassenbester

Von Oliver Stock
Der Chef der Schweizer Großbank UBS, Peter Wuffli, ist für Analysten erneut der beste europäische Banker. Er steht damit seit Jahren unangefochten an der Spitze einer Vergleichsstudie. Deutsche-Bank-Chef Ackermann landet demnach nur auf Platz 15.
ZÜRICH. Die Studie wird jährlich von der renommierten Gruppe Institutional Investor Research in London erstellt und beruht auf einer Umfrage unter 124 Analysten. Die Liste, die dem Handelsblatt vorliegt, gilt in der Branche als wichtige Vergleichsstudie.Ganz oben stehen nach Angaben aus Bankenkreisen stets die Konzernführer, mit deren Person in jüngster Zeit eine Erfolgsgeschichte verknüpft ist, die bei Präsentationen besonders überzeugend wirken und deren Resultate besser sind als der Durchschnitt. Wuffli, der gemeinsam mit Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel den Zusammenschluss zweier Banken zur UBS forciert hatte, verkörpert offenbar diese Tugenden. ?Der verkauft sich einfach gut und unaufgeregt?, erkennt ein Vorstandskollege von der Konkurrenz an. Hinter dem Schweizer folgt Fred Goodwin von der Royal Bank of Scotland. Alessandro Profumo von der italienischen Unicredito sowie Andreas Treichl von der österreichischen Ersten Bank teilen sich den dritten Platz, was für die Österreicher, die bislang in dieser Branche zu den Unbekannteren zählten, ein Erfolg ist.

Die besten Jobs von allen

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann liegt als erster Chef eines deutschen Kreditinstituts auf Rang 15, wobei er nur ein Viertel der Punktzahl des Spitzenreiters erreicht. Ihm folgt als nächster Deutscher auf Rang 20 Klaus-Peter Müller von der Commerzbank. Oswald Grübel von der zweiten Schweizer Großbank Credit Suisse liegt in der diesjährigen Liste auf Platz 22. Der Beweis, dass die Credit Suisse zur Spitzengruppe aufschließt, steht aus Sicht der Analysten offenbar noch aus. Die nächste Notenliste, die im April erscheint, dürfte für Grübel erfreulicher ausfallen. Ganz hinten liegt Mikael Silvennoinen von der finnischen Oko-Bank.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einstufung wird "gefeiert".Die Benotung des Chefs wird in der Branche eher als Reputationsinstrument gesehen und offiziell nicht kommentiert. Ein Vorstandssprecher berichtet, dass eine Einstufung auf den vorderen Plätzen schon ?die eine oder andere Feier? auslösen kann.Als Arbeitsgrundlage dagegen benutzen die Investor-Relations-Abteilungen der Banken, die ebenfalls bewertet werden, die Notenliste. Sie dient ihnen als Hinweis auf eigene Stärken und Schwächen. Detailliert gibt es dort Noten etwa zur Glaubwürdigkeit, zur Reaktionsschnelligkeit auf Marktereignisse und zum Wissen über einzelne Branchen. ?Für uns ist das wichtiger als jede andere Bewertung?, sagt Gabriele Werzer, die den Investor-Relations-Bereich bei der Ersten Bank betreut. Eine Spitzenplatzierung freue sie kurz, berge aber stets die Sorge, das nächste Mal abzufallen. Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete ein gutes Abschneiden beim Ranking als ?nett für die Außendarstellung? und hilfreich für die interne Analyse.Lesen Sie weiter auf Seite 3: So haben sie abgeschnitten.
  • Die SpitzenreiterNach Peter Wuffli von der UBS rangiert Fred Goodwin von der Royal Bank of Scotland auf Platz zwei. Alessandro Profumo von der Unicredito und Andreas Treichl von der Ersten Bank teilen sich Platz drei. Alle Top-Banker haben zuletzt Rekordergebnisse für ihre Institute vorgelegt. Sie haben, wie etwa Treichl in Osteuropa, Wachstumsschritte unternommen oder wie eben Wuffli Fusionen erfolgreich gemeistert.
  • Das MittelfeldDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der 2004 noch sechster war, liegt nun auf dem 15. Platz. Ackermanns Image dürfte nicht zuletzt unter dem Mannesmann-Prozess gelitten haben, der zudem eventuell neu aufgerollt wird.
  • Die SchlusslichterGanz am Ende des Rankings finden sich vor allem kleine Bankkonzerne wie die finnische Oko-Bank, oder solche, die erst neu in die Liste aufgenommen worden sind.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.12.2005