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Der Türöffner

Von Dirk Heilmann und Georg Weishaupt
Als Unternehmer ist Lars Windhorst oft abgestürzt. Als deutscher Bill Gates wurde er schon einmal gefeiert, zuletzt konnte er seinen Gläubigern nur durch eine Privatinsolvenz entkommen. Jetzt steigt er bei Air Berlin ein. Aber wer steckt hinter dem Deal?
Gilt als Überlebenskünstler: Lars Windhorst Foto: dpa
LONDON/DÜSSELDORF. Die zweistrahlige Challenger 604 hebt nur kurz von der Landebahn ab. Dann stürzt der Geschäftsjet ab und schleudert gegen eine Mauer. Ein Pilot stirbt, der andere wird schwer verletzt. Der einzige Passagier an Bord ist Jungunternehmer Lars Windhorst. Er überlebt den Absturz am zweiten Weihnachtstag in der kasachischen Hauptstadt Almaty. Später wird er mit Verletzungen in ein Berliner Krankenhaus eingeliefert. Inzwischen hat er es wieder verlassen.Lars Windhorst überlebt wieder einmal und ist wieder einmal in den Schlagzeilen. Der schillernde 31-Jährige hat schon viele finanzielle Abstürze überlebt und hat sich immer wieder zurückgemeldet, mit neuen Firmen, neuen Geldgebern.

Die besten Jobs von allen

Momentan mischt er als Geschäftsführer der Vatas Holding in Berlin mit. Die Beteiligungsgesellschaft gab gestern bekannt, dass sie mit rund 15,4 Prozent bei Air Berlin eingestiegen und so zum größten Aktionär der Fluggesellschaft aufgestiegen ist. Weder Vatas noch Windhorst wollten dazu Stellung nehmen.Zuvor ist Vatas schon als Aktionär beim Handy-Zulieferer Balda, bei Curanum, dem Betreiber von Pflegeeinrichtungen, und beim Internet- und Telekomdienstleister Freenet in Erscheinung getreten. Laut Handelsregisterauszug gehört Vatas zu 100 Prozent der Sapinda International Ltd. in London. Wer die angegebene Adresse im Londoner Westend allerdings aufsucht, findet dort weder ein Firmen- noch ein Klingelschild des Unternehmens. Sapinda gehört jedenfalls einem gewissen Robert Hersov der offensichtlich im feinen Londoner Stadtteil South Kensington wohnt.Wikipedia weiß, dass Hersov, in Südafrika geboren, in Kapstadt studiert und einen MBA an der Harvard Business School gemacht hat. Danach arbeitet der heute 47-Jährige bei Goldman Sachs in New York, bei Morgan Stanley in London und bei Rupert Murdochs Medienriesen News Corporation. Schließlich wechselt Hersov als Chef zu Telepiu in Mailand, Italiens größter Pay-TV-Gesellschaft, die zu Berlusconis Mediengruppe Mediaset gehört. Dann, 1999, macht er sich als Investor und Unternehmer selbstständig. So ist er Mitgründer von Marquis Jets Europe, die 2004 von Netjets Europe übernommen wird.Robert Hersov ist laut ?Manager-Magazin? ein langjähriger Freund von Windhorst. Er war es offenbar, der Windhorst das Geld verschaffte, um die Gläubiger bei dessen Privatinsolvenz zumindest teilweise abzufinden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vom Wunderkind zum WindbeutelWindhorst hat es schon immer verstanden, Geschäftspartner für sich zu gewinnen, ihnen das Gefühl zu geben, bei einer guten und wichtigen Sache dabei zu sein. Viele beschreiben ihn ?als clever und schlagfertig?. Seine unternehmerischen Talente zeigen sich schon früh. Im Alter von 16 Jahren schmeißt der Youngster aus der ostwestfälischen Kleinstadt Rahden die Schule, gründet eine Computerhandelsfirma, die er durch günstigen Einkauf in Fernost schnell groß macht. Bereits mit 18 Jahren ist Windhorst Chef von mehreren Hundert Mitarbeitern.Und er versteht es, seinen Erfolg zu verkaufen. Die Presse feiert ihn als ?Wunderkind?, ?deutschen Bill Gates? und ?Teen Tycoon?. Als dann noch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl den Aufsteiger mit auf eine Asienreise nimmt, ist Windhorst endgültig geadelt. Nichts scheint ihn mehr aufzuhalten.Doch dann kommt der Abstieg: Mitarbeiter werfen ihm krumme Geschäfte vor, die Staatsanwaltschaft ermittelt, wenn auch ergebnislos. Er selbst scheint den Überblick über sein Firmengeflecht und Geldgeber verloren zu haben. Die Medien degradieren ihn zum ?windigen Wunderkind? und zum ?Windbeutel?.Er baut daraufhin seine Gruppe um ? und will in der Euphorie des Neuen Marktes noch einmal durchstarten, mit allem Pomp und Glamour. Im Oktober des Jahres 2000 lädt er langbeinige Schönheiten und viel Prominenz in die Repräsentanz seiner neuen Firma Windhorst New Technologies ein. ?Ich weiß, wo ich herkomme, und ich weiß, wo ich hin will?, sagt der Mann mit den perfekten Manieren selbstbewusst. Auch der extra eingeflogene Michael Douglas hört die Worte. Der US-Star will die Rechte an Drehbüchern mit Windhorst vermarkten. Aus dem Geschäft wird letztlich nichts.Das Windhorst-Reich bricht später zusammen. Er selbst muss Privatinsolvenz anmelden, um seinen Gläubigern zu entkommen: 81 Millionen Euro Schulden standen zu Buche.Nun versucht der Schnellsprecher und -denker mit seinem Londoner Partner, Robert Hersov, einen Neustart. Der bleibt lieber im Hintergrund und zeigt sich auch bei Geschäftszahlen eher zurückhaltend. Laut Handelsregister ist der aktuelle Jahresabschluss von Sapinda bereits seit Ende Oktober überfällig.Vita1976Er wird am 22. November in Rahden/Westfalen geboren. Schon als 15-Jähriger handelt er mit Computerteilen und baut sein erstes Unternehmen auf. Er gilt als ?Vorzeigejungunternehmer? und wird von der Politik hofiert.1995Seine Windhorst-Gruppe meldet einen Umsatz von 180 Millionen Mark.2000Mit dem Niedergang des Neuen Marktes geraten auch Windhorsts Unternehmen in eine Krise. 2004 meldet er für drei Insolvenz an.2007Seine Privatinsolvenz wird im Sommer abgeschlossen. Inzwischen ist Windhorst Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Vatas Holding in Berlin.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.01.2008