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Der Top-Manager von morgen

Christoph Mohr
Wie sieht der Top-Manager von morgen aus, der heute an den führenden Business Schools geformt wird? Eine nicht repräsentative Handelsblatt-Umfrage unter einem Dutzend der führenden MBA-Schulen in Europa und den USA ergibt ein erstaunlich homogenes Bild.
Der Top-Manger von morgen - so sehen ihn folgende Business Schools:
  • Ashride Management College
  • Boconi SDA
  • CEMS
  • Chicago University Graduate School of Business
  • City University Business School (CUBS)
  • Columbia University
  • ESSEC
  • Harvard Business School
  • HEC
  • IESE Business School
  • IMD
  • Instituto de Empresa
  • Johnson Graduate School of Management (Cornell University)
  • Kenan-Flagler Business School
  • Michael Smurfit Graduate School of Business
  • Open University Business School (OUBS)
  • Stanford Graduate School of Business
  • Tuck School of Business
  • Sie bilden die Business-Elite von morgen aus - oder behaupten es zumindest von sich: Die MBA-Schulen. Jean-Louis Barsoux, Professor an der europäischen Topschule Insead zitiert ein chinesisches Sprichwort: ?Wenn du auf ein Jahr planst, sähe Weizen. Wenn du auf 20 Jahre planst, pflanze Bäume. Aber wenn du für die nächste Generation planst, forme Menschen.?

    Wie aber sieht der Top-Manager von morgen aus, der heute an den führenden Business Schools geformt wird? Eine nicht repräsentative Handelsblatt-Umfrage unter einem Dutzend der führenden MBA-Schulen in Europa und den USA ergibt ein erstaunlich homogenes Bild. Ob bei den Top-Schulen wie Harvard, Stanford, Columbia (New York), Insead (Fontainebleau) oder IMD (Lausanne), ob in Mailand (Bocconi), Madrid (Instituto de Empresa), Paris (HEC, Essec) oder Barcelona (Iese) - die Vorstellungen über die globale Business-Elite von morgen ähneln sich auffallend.

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    Eine deutliche Absage erteilen alle Schulen der Vorstellung, dass der ?globale? Top-Manager der Zukunft eine Art Laptop-Nomade sein wird, den man häufiger in Hotels und Airport Lounges antreffen wird als in seinem eigenen Büro. ?Der Manager als globaler Nomade ist ein Mythos?, sagt Christian Koenig, Direktor des Essec-MBA-Programms. ?Es ist auch gar nicht notwendig, dass Manager den ganzen Tag von einem Flugzeug auf das nächste springen?, unterstreicht Angel Cabrera, Dean des Instituto de Empresa. Moderne Kommunikationstechnologie macht es möglich: ?Als Manager müssen Sie jede Ecke der Welt erreichen können, aber die neuen Technologien bringen uns die Welt in unseren Handteller, ohne überhaupt das Büro zu verlassen?.

    ?Der ?globale Manager? muss nicht wie ein Handlungsreisender der Vergangenheit auftreten. Viel eher werden erfolgreiche Top-Manager lernen, wie man die Informations- und Kommunikationstechnologie effektiv nutzt, um Beziehungen in der ganzen Welt aufzubauen und zu pflegen?, beschreibt Robert J. Swieringa, Dean der Johnson Graduate School of Management (Cornell University) die Spannung zwischen global und lokal. Nicht verzichtbar sind hingegen soziale Bindungen, nationale Wurzeln, Familie.

    Weitgehend Einigkeit besteht auch darin, welches die wichtigste Eigenschaft des Top-Managers von morgen sein wird: nicht Durchsetzungsfähigkeit oder visionäre Kraft, wie häufig in Deutschland zu hören, sondern Anpassungsfähigkeit. Das bedeutet Anpassungsfähigkeit sowohl als soziale Kompetenz, sich auf Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Kultur einzustellen, als auch Anpassungsfähigkeit an den raschen technologischen Wandel und Anpassungsfähigkeit an eine sich rapide verändernde Welt.

    ?Die Globalisierung macht es notwendig, dass ein Manager in der Lage ist, über die Grenzen von geographischer Entfernung, Sprache, Zeit und Kulturen hinweg zu handeln?, sagt Christopher A. Barlett, Professor an der Harvard Business School, und unterstreicht, dass die Anforderungen an das Management damit deutlich höher sind als in der Vergangenheit.

    Diese Meinung teilt auch John Roberts, Leiter des Global Management Programs an der Stanford Graduate School of Business: ?Ein Manager muss heute mit mehr Komplexität und größerer Ambiguität fertig werden als der traditionelle Manager.?

    Die Fähigkeit, mit Menschen verschiedener kultureller Herkunft zusammenzuarbeiten, beginnt schon in den Unternehmen, die selbst immer kosmopolitischer werden. Für Bernard Ramanantsoa, Dean der Pariser HEC, gehören die Fähigkeit, kulturelle Verschiedenheit zu managen genauso zu den Qualifikationen des Managers von morgen wie die Eignung, in multikulturellen Teams zu arbeiten. Aber die Fähigkeit zu Anpassung und Flexibilität wird nicht nur vom Management, sondern auch von global operierenden Unternehmen verlangt. Für Kathryn Rudie Harigan, Professorin an der Columbia Business School, besteht eine besondere Herausforderung in der Bildung (und Auflösung) temporärer internationaler Allianzen. ?Eine sehr besondere Form von kosmopolitischer Fähigkeit wird sein, sein Unternehmen in und aus solchen Unternehmensallianzen zu bringen, ohne die Partner vor den Kopf zu stoßen.?

    Aber wie soll die Schlüsselqualifikation der Zukunft heranreifen? Das Zauberwort heißt frühzeitige Mobilität. Wer morgen ?globaler? Manager sein will, sollte sich heute schon in der Welt umtun. Auslandssemester und Berufspraktika im Ausland sind ein absolutes Muss. Natürlich werben die Business Schools auch für sich selbst, offerieren sie doch in vielen Fällen genau das geforderte internationale Umfeld.

    Aber nicht nur Auslandserfahrung oder Erfahrung im Umgang mit Ausländern sind notwendig. IMD-Präsident Peter Lorange stellt eine unerwartete Forderung: ?Ein Manager sollte sich für Kultur oder Wissenschaft interessieren, für alles, was es erlaubt, eine Persönlichkeit mit einem weiten Horizont zu werden. Dies ist notwendig, um sich auf Leute aus verschiedenen Kulturen einstellen zu können.?

    Paradoxerweise nähern sich so ausgerechnet die Kaderschmieden für Topmanager der Idealvorstellung humanistischer Bildung an. Für Paul Danos, Dean der Tuck School, eine der 15 besten US-MBA-Schulen, wird sogar erst die Paarung von Geisteswissenschaften und einer Ausbildung an einer Business School den Topmanager von morgen hervorbringen.
    Dieser Artikel ist erschienen am 23.02.2001