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Der teuerste MBA der Welt

Christoph Mohr
Zusammen mit der US-Schule Columbia bietet die London Business School einen berufsbegleitenden Jet-Set-MBA an. 120.000 US-Dollar sind für den EMBA Global auf den Tisch zu legen. Lohnt sich das?
Nein, verrückt sind sie nicht. Eher luxus-gepamperte High Potentials, in die massiv investiert wird: Dominik Hesse von Expedo, Jürgen Horn von Novartis und Kai Kaufmann von Dresdner Kleinwort Wasserstein absolvieren gerade den EMBA Global - den mit 120.000 US-Dollar Studiengebühr derzeit teuersten MBA auf dem Markt

Achse Londen - New York
Die drei Deutschen bekommen von ihren Arbeitgebern ein berufsbegleitendes MBA-Studium spendiert, das nicht nur wegen des Preises einzigartig ist. Die Teilnehmer des Jet-Set-MBAs studieren abwechselnd an der London Business School und der New Yorker Columbia Business School - in einem Monat eine Woche diesseits, im nächsten eine Woche jenseits des großen Teichs. Die Reisekosten sind in den Studiengebühren natürlich nicht enthalten

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Fast scheint es, als hätten die beiden Top-Schulen den Preis eines guten "normalen" MBAs verdoppelt, ganz nach dem Motto: Wer gleich an zwei Business Schools studiert und zwei Abschlüsse bekommt, der bezahlt auch doppelt. "Überzeugt haben mich letztlich die Internationalität des Programms und die Professionalität der beiden Schulen", sagt der 35-jährige Jürgen Horn, der sich auch die Executive-MBA-Programme von Harvard, Insead und IMD genauer angeschaut hat

Was bekommt man für das viele Geld? Der EMBA Global erstreckt sich über 20 Monate. Im ersten Jahr muss einmal im Monat ein vier- bis sechstägiger Präsenzblock in London beziehungsweise New York absolviert werden. Im zweiten Jahr können die Teilnehmer aus einem größeren Angebot sieben Wahlpflichtkurse (Electives) auswählen, die sich zeitlich freier gestalten lassen. Dazu kommt ein einwöchiges "International Seminar" in Buenos Aires, Shanghai oder München sowie Projektarbeit ("Company Project") - von der auch das Sponsorunternehmen profitieren soll - und einiges mehr

Illustre Gesellschaft
Aber das Entscheidende ist das nicht. Das Entscheidende sind die Zusammensetzung der Teilnehmer, die "soziale Auswahl", die Internationalität, das Netzwerken auf höchstem Niveau. "Mich haben die früheren Studentenjahrgänge sehr beeindruckt", bekennt Kai Kaufmann, "alles Manager aus der ganzen Welt mit äußerst internationalen Lebensläufen." Der 35-Jährige passt selbst in dieses Schema: Studium in Bonn, Dublin und New York, dann Analyst bei Salomon Smith Barney in New York und zuletzt bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in London, wurde er im vergangenen Januar Leiter des Aktienresearchs von DrKW in Frankfurt. Und mit dem Aufstieg kam auch das Angebot zum MBA

So einfach ist das, wenn man ein High Potential ist: "Der Eigentümer der Firma hat mir angeboten, einen MBA zu machen", sagt Dominik Hesse. Aber er hat, 30-jährig, auch schon neun Jahre Berufserfahrung und leitet sowohl Business Development als auch IT in einer Reederei.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2005