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Der Tempo-Macher

Von Martin Buchenau und Siegfried Hofmann
Bernd Scheifele hat Heidelberg Cement auf Trab gebracht. Vorbei das bedrückende Ambiente, als das Hauptquartier von Deutschlands größtem Baustoff-Konzern einer dunklen Festung glich. Und das liegt vor allem an einem: an Bernd Scheifele. Vor zwei Jahren wechselte der promovierte Juriste vom Pharmahändler Phoenix an die Spitze von Heidelberg Cement.
Helle, weiße Wände, der Geruch nach frischer Farbe, moderne Gemälde ? wer neuerdings die Zentrale von Heidelberg Cement betritt, hat unweigerlich das Gefühl: Hier hat sich einiges geändert. Vorbei das bedrückende Ambiente, als das Hauptquartier von Deutschlands größtem Baustoff-Konzern einer dunklen Festung glich. Und das liegt vor allem an einem: an Bernd Scheifele. Vor zwei Jahren wechselte der promovierte Juriste vom Pharmahändler Phoenix an die Spitze von Heidelberg Cement.Nicht nur die Konzernzentrale hat sich seitdem verändert. Auch dem Unternehmen hat der neue Chef gut getan, wie die gestern vorgelegten Zahlen belegen. Heidelberg Cement meldete einen Gewinn von einer Milliarde Euro ? nach 333 Millionen Euro Verlust vor zwei Jahren. Der Umsatz stieg fast um ein Fünftel auf 9,2 Milliarden Euro, und das Wachstum soll sich in diesem Jahr fortsetzen.

Die besten Jobs von allen

Scheifele ist dafür bekannt, dass er Tempo macht. ?Schnell ist wichtig?, sagt der 48-Jährige. ?Umsetzungsstärke? ist eines seiner Lieblingswörter. Er diskutiert nicht lange. Der gebürtige Freiburger fordert von seinen Mitarbeitern immer konkrete Lösungsvorschläge. Er ist aber nicht nur an guten Ergebnissen interessiert, sondern kontrolliert auch den Prozess, der dahin führt. ?Er ist sehr präzise und detailversessen?, sagt ein Manager, der unter ihm arbeitete. Das gehe so weit, dass Wiedervorlagen bei Scheifele nicht nur mit einem Datum, sondern auch mit einer Uhrzeit versehen seien.Zunächst lernen die Beschäftigten bei Heidelberg Cement ihren Chef aber als Kostensenker kennen. Denn er kündigt schon kurz nach seinem Antritt den Abbau von 1100 Stellen an. Die Mitarbeiter sind skeptisch: Der Chef eines Pharmahändlers soll ein Zementwerk erfolgreich führen ? undenkbar. Das gilt nicht für den Firmenpatriarchen Adolf Merckle. ?Einarbeiten kann man sich überall?, hat dieser mal gesagt.Als Merckle Anfang der 90er Jahre den Pharmahandel größer aufziehen will, wird er auf Scheifele aufmerksam. Der Jurist ist damals bei der angesehenen Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz beschäftigt und soll die fünf regionalen Pharmahändler zur Phoenix Pharmahandel zusammenführen. Scheifele arbeitet sich so schnell in die Materie ein, dass Merckle ihm den Chefposten anbietet. In zehn Jahren macht er Phoenix groß und gilt inzwischen in der Branche als Merckles engster Berater.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vor allem eine Fähigkeit zeichnet Scheifele ausVor allem eine Fähigkeit zeichnet Scheifele ausEs ist vor allem eine Fähigkeit, die häufig Juristen zugeschrieben wird und die auch Scheifele auszeichnet. Er analysiert Fälle von hinten. Er geht vom schlimmsten Fall aus, von der Höchststrafe sozusagen, und sucht nach Lösungen, diese zu vermeiden. Gepaart mit seiner Zielstrebigkeit und Sparsamkeit, lebt der leidenschaftliche Halbmarathonläufer seinen Beschäftigten ein rasantes Tempo vor. Selbst Arbeitnehmervertreter loben seinen ?klaren Führungsstil und offene Kommunikation?. Wie sein Mentor Merckle glaubt er an kleine, schlagkräftige Einheiten. Hierarchien sind ihm ein Graus.Scheifele orientiert sich aber stark an Zahlen und messbaren Kriterien. ?Wenn ich den Auslastungsgrad eines Werkes erhöhen will, dann richtet sich eben der flexible Teil des Gehaltes am Erreichen dieses Zieles. Diese Sprache versteht jeder Werksleiter in der Welt?, sagt Scheifele.Bei der rasanten Expansion ist er auf die fachliche Expertise seiner Ingenieur-Teams angewiesen. Über eine halbe Milliarde Euro hat er in den vergangenen Monaten in Kasachstan, Indien und Afrika in neue Werke investiert. ?Zack geht das", sagt Scheifele und schnalzt mit der Zunge. Flops kann er sich nicht leisten und duldet sie auch nicht. Scheifeles harte Schule ist auch bei Headhuntern bekannt. Wer bei ihm gearbeitet habe, könne überall hin, heißt es.Aber es gibt auch noch die andere Seite. So lässt er keine Werke in unsicheren Ländern wie Afghanistan oder Nigeria bauen. Das rechnen ihm die Mitarbeiter hoch an, ebenso wie seine häufige Präsenz vor Ort.Ursprünglich wollte Scheifele Medizin studieren. Doch dafür hätten seine Noten nicht gereicht, erzählt er. Er habe schließlich Jura studiert, weil er sich viele Optionen offen halten wollte. Sein ältester Sohn hat gerade mit Jura begonnen. Scheifele: ?Ich habe ihn nicht gedrängt, nur gesagt, er solle etwas machen, was sich nicht so leicht ersetzen lässt.?Scheifeles Rat ist inzwischen auch anderswo gefragt. Er sitzt im Aufsichtsrat der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die auch das Handelsblatt herausgibt.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.02.2007