Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der Stern von London

Christoph Mohr
Beste MBA-Schmiede in Großbritannien, eine der Top-Adressen weltweit: die London Business School. Wir zeigen, was das Haus am vornehmen Regent's Park so besonders macht.
Das MBA-Programm
Als eine der wenigen europäischen Schulen bietet die LBS nach dem US-Modell einen MBA-Studiengang über zwei Jahre an. Das ermöglicht eine tiefe Ausbildung in allen Managementdisziplinen von General Management über Strategy bis Finance. Im zweiten Studienjahr ermöglicht ein breites Angebot an Wahlpflichtfächern fast jede Vertiefung und Spezialisierung. Pro MBA-Jahrgang werden über 300 Studenten aufgenommen. Ihr Durchschnittsalter beträgt 28 Jahre, das Gros verfügt über eine Berufserfahrung von etwa sechs Jahren. Nur ein Drittel stammt aus Europa. Mit rund 25 Prozent hat die LBS einen der höchsten Frauenanteile an Business Schools.
Englands Top-Adresse hat ihren Preis: 41.970 Pfund (ca. 59.000 Euro) kostet ein MBA-Studiengang an der LBS, hinzu kommen rund 20.000 Pfund sonstige Lebenshaltungskosten

Stärken
Andere Business Schools sind bestenfalls international - die LBS agiert "global". Was die Zusammensetzung des Lehrkörpers und der Studentenschaft anbelangt, ist kaum ein Konkurrent so kosmopolitisch ausgerichtet: Studenten aus 90 Ländern, Dozenten aus 25, Ehemalige in 50 und Advisory Boards in 30 Nationen. Als eine der wenigen europäischen Schulen kann sie zudem in der Forschung mit den US-Giganten mithalten.
Ihre Größe (95 Professoren/Dozenten) ermöglicht ein sehr umfangreiches Angebot: Das MBA-Programm birgt nicht weniger als 70 verschiedene Wahlpflichtkurse

Die besten Jobs von allen


Schwächen
Im Gegensatz zu Europas Platzhirschen IMD (Lausanne) und Insead (Fontainebleau) interessiert sich die LBS kaum für Deutschland, was sich in vergleichsweise unterentwickelten Kontakten zu hiesigen Unternehmen widerspiegelt. Wer nicht im Ausland, sondern im deutschen Raum Karriere machen will, sollte bedenken, dass die LBS hierzulande nicht automatisch Türen öffnet

Die Chefin
Lästerer spötteln, Laura Tyson verbringe mehr Zeit außerhalb von London als auf ihrem Chefsessel. Das aber ist der Job der US-Wirtschaftswissenschaftlerin, die die Schule (und sich selbst) weltweit repräsentiert. Als gern gesehener Gast auf Veranstaltungen wie dem World Economic Forum und Business Week-Kolumnistin ist die umtriebige LBS-Chefin hervorragend vernetzt. Viele sehen in ihrem Amt als Dean der London Business School nur eine Durchlaufstation. Unter einem demokratischen US-Präsidenten könnte Laura Tyson, die einst Bill Clinton beriet, wieder ein hohes Regierungsamt bekommen. Im Kerry-Wahlkampf war sie bereits aktiv

Spezialitäten
Neben dem Vollzeit-MBA bietet die Schule einen berufsbegleitenden Wochenend-Executive- MBA mit praktisch identischen Inhalten sowie den "EMBA-Global" - ein superteures "Jetset"-Programm, das die Teilnehmer an der LBS und der Columbia Business School in New York absolvieren.
Eine interessante Alternative zum MBA stellt das so genannte "Sloan Fellowship" dar, ein Master-of-Science-Programm für angehende Top-Manager zwischen 35 und 45 Jahren mit mindestens zehnjähriger Berufserfahrung. Organisiert wird es gemeinsam von LBS, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT/Sloan) und Stanford.
Für eine Karriere in Banking & Finance empfiehlt sich das zehnmonatige Masters-in-Finance-Programm (MiF). Schmankerl für Spezialisten: Als einzige Business School weltweit hat die LBS ein eigenes Centre for Hedge Fund. Wer sich für diesen zurzeit heißesten Sektor der Finanzindustrie interessiert, wird künftig nicht mehr an der LBS vorbeikommen. Das Centre betreibt Forschung und bietet Wahlpflichtkurse des MBA-Programms und Fortbildungsprogramme an (www.london.edu/hedgefunds)

Dieser Artikel ist erschienen am 27.12.2004