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Der Sponsor vom Neuen Markt 2

Von C. Schnell
Dieser Tage rücken die Handwerker in die Lichtentaler Allee 8 in Baden-Baden ein. In zwei Jahren soll das denkmalgeschützte neoklassizistische Gebäude restauriert sein. Hausherr der mondänen Adresse ist Wolfgang Grenke. Der 55-Jährige ist Gründer und Chef von Grenke Leasing. Der bodenständige Firmenchef ist inzwischen der größte Sponsor seiner Heimatstadt.
BADEN-BADEN. Ob Festspielhaus oder Museen, Schachklub OSC oder die Galopprennbahn im nahen Iffezheim, sie alle erfreuen sich der finanzkräftigen Unterstützung des ansonsten eher stillen Badeners. Sein Satz ?Aus der Region ist Grenke Leasing entstanden, da möchte ich etwas zurückgeben?, muss als Erklärung reichen.Besonders interessant an der Grenke-Story ist, dass die Firma eine der wenigen Erfolgsgeschichten des ansonsten noch heute viel geschmähten Neuen Marktes war und weiter erfolgreich ist. Daran ändert auch die Gewinnwarnung nichts, mit der das Unternehmen in der vergangenen Woche die Märkte überrascht hat. Am 4. April des Jahres 2000, nur wenige Wochen nach dem Allzeithoch des Neuen Marktes, wurde die Aktie erstmals dort gelistet. Ein Plus von 85 Prozent seit der Erstnotiz steht aktuell auf der Habenseite.

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Der Erfolg klingt auf den ersten Blick simpel: Grenke Leasing bietet Leasingverträge für Bürotechnik, im Wesentlichen für Computer, Fax, Drucker und Telefon. Bei 25 000 Euro liegt die Obergrenze für das Gesamtpaket. ?Small Ticket IT Leasing? heißt das Ganze im Fachjargon und wird vom Handwerker bis kleinen Mittelständler genutzt. Dass Grenke Leasing hinter dem Vertrag steht, bekommt der Kunde meist nicht mit, wenn er die neuen Geräte über Hewlett-Packard, Sharp oder etwa Toshiba bezieht. Denn dass der Händler, der den Vertrag anbietet, innerhalb von zehn Minuten die Bonitätsprüfung in Baden-Baden eingeholt hat, ehe es zum Abschluss kommt, ist nur den wenigsten Kunden bekannt. Die interessiert, dass sie sich modernste Kommunikationstechnik ins Büro geholt haben, die nach rund drei Jahren wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden kann. In 15 weiteren europäischen Ländern funktioniert das Modell inzwischen, das seinen Ursprung im Jahr 1978 hat.Ansehen hat das Grenke im Frankfurter Bankenviertel wie im heimischen Baden-Baden gebracht. Fondsmanager Karl Fickel von Lupus Alpha, damals wie heute einer der Großen bei den Nebenwerten, lobt ?die absolut lupenreine Bilanz?. Und Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner nennt Grenke einen ?Glücksfall? für die Stadt. Denn die ist weniger reich, als es der mondäne Charme vermuten lässt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schach, der königliche Sport, war das verbindende ElementUnd sie hatte mit dem Anwesen in der Lichtentaler Allee 8 bisher ein großes Sorgenkind. In direkter Nachbarschaft zur Sammlung Frieder Burda, der Spielbank, dem Kurhaus und der Edel-Herberge Brenners Parkhotel gelegen, fiel das Gebäude im Vergleich dazu stark ab. Wenn Architektin Christiane Duus, die die Restaurierung leitet, vom ?introvertierten Charakter? des Hauses spricht, dann ist das euphemistisch ausgedrückt. Eine Komplettrestaurierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes war dringend nötig. Ein halbes Dutzend prominenter Baden-Badener soll die Immobilie in Augenschein genommen haben, zugegriffen hat Wolfgang Grenke. Zwölf Millionen Euro sollen bis Sommer 2008 verbaut werden.Schach, der königliche Sport, war am Ende das verbindende Element. In der Lichtentaler Allee 8 trägt der Deutsche Meister OSC Baden-Baden seine Spiele aus. Auch das Karpow-Schachzentrum hat dort seinen Sitz. Grenke ist Hauptsponsor bei beiden. Statt im Hinterzimmer wie vielerorts spielt der Club deswegen im Großen Ballsaal. Und Schachfiguren sind Symbol für Grenke Leasing. ?Schach gibt sehr gut die Philosophie wieder, wie wir unser Geschäft verstehen?, sagt Grenke. Einige der weltbesten Spieler arbeiten in seinem Haus. Beispielsweise Robert Hübner, einst Nummer drei der Welt und in der Szene als ?die Ikone des Deutschen Schachs? bekannt. Bei Grenke Leasing arbeitet der promovierte Papyrologe als Übersetzer.Sauber getrennt ist jedoch das Engagement der Firma und das des Privatmannes Grenke. Auffällig wird dies beim Festspielhaus, dem zweitgrößten Opernhaus Europas. ?Oper und Grenke Leasing, das passt nicht zusammen?, war Opernfan Grenke klar, als die Anfrage des privat finanzierten Opernhauses kam. Eine besondere Lösung musste her: Die gemeinnützige Grenke-Stiftung, der 675 000 der knapp 17,5 Mill. Grenke-Aktien gehören, übertrug vor zwei Jahren Papiere im Wert von 1,27 Mill. Euro an das Haus.?Aber Jugend und Grenke Leasing, das passt zusammen.? Folglich unterstützt Grenke Leasing seither mit der Drogeriemarkt-Kette dm die Aktion ?Kolumbus: Klassik entdecken?, die Schülern den Zugang zur klassischen Musik eröffnen will. Die Idee dahinter ist simpel: Weil bei Jugendlichen die Hemmschwelle gegenüber Klassik hoch ist, bietet das Projekt spezielle Angebote für Schulklassen. Die Schüler zahlen für Konzertbesuche ?den Preis einer besseren Kinokarte?, den Rest legen die Sponsoren drauf. Über 11 000 Schüler zwischen Mannheim und der Schweizer Grenze haben bisher davon profitiert.Zum wesentlichen Treiber seines Erfolges, dem einstigen Neuen Markt, pflegt Wolfgang Grenke ein entspanntes Verhältnis. ?Dort war einfach alles möglich, im Guten wie im Börsen?, sagt er rückblickend. Bei ihm überwiegen selbstredend die positiven Erinnerungen. Deswegen musste er nicht lange überlegen, als er sich vor wenigen Jahren den Straßennamen für den neuen Firmensitz vor den Toren Baden-Badens aussuchen durfte. Die Geschäftsadresse lautet seither: Neuer Markt 2.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.10.2006