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Der Sparringspartner

Die Fragen stellte Martin Sturm
Seine Mit-Absolventen der London School of Economics fanden Investmentbanken schick. Patrick Dahmen wählte Axa-Colonia und wurde Assistent des Vorstandschefs Claus-Michael Dill.
Seine Mit-Absolventen der London School of Economics fanden Investmentbanken schick. Patrick Dahmen wählte Axa-Colonia und wurde Assistent des Vorstandschefs Claus-Michael Dill.

Waren Sie schon mal bei Ihrem Chef zu Hause eingeladen?

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Nein. Nach Feierabend geht jeder seine eigenen Wege.

Also kein Verhältnis wie zwischen Vater und Sohn?

Wir fahren zusammen auf Dienstreisen, und ich arbeite an seinen Vorträgen oder Fachartikeln mit. Wir reden über vertrauliche Dinge, was ein persönliches Verhältnis voraussetzt. Ich würde sagen, er ist Vorbild und Trainer. Bei manchen Entscheidungen bin ich so was wie sein Sparringspartner.

Ihr Chef gilt als knochenharter Typ. Wie viele blaue Augen haben Sie sich im Ring geholt?

Keines. So hart kann er also nicht sein. Wenn er Kritik äußert, dann subtil. Ich finde ihn sehr umgänglich und kann jede Menge von ihm lernen, bekomme viel Feedback und werde aktiv unterstützt.

Sind Vorstandsassistenzen bei Axa Karriere-Raketen?

Der Weg nach ganz oben ist nicht vorgezeichnet. Man muss sich durch eigene Leistung einen Namen machen.

Welche Erfolge können Sie denn vorweisen?

Ich muss viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten.

Was heißt das?

Im Sommer letzten Jahres standen wir etwa vor dem Problem, rund 100 unterschiedliche Projektvorschläge nach Wichtigkeit einzuordnen und zu managen. Gemeinsam mit einigen Kollegen war ich im Leitungsteam, das dafür die Infrastruktur, Entscheidungsgremien und Controlling-Prozesse aufbaute. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, die quartalsweise Berichterstattung der deutschen Axa-Tochter an das Management Board, den Vorstand des gesamten Konzerns in Paris, zu organisieren: An einem Stichtag müssen verbindliche Informationen und Zahlen aus allen Unternehmensteilen an einem Punkt zusammenlaufen. Bei mehr als 10.000 Mitarbeitern ein ziemlich kompliziertes Unterfangen.

Bleiben Sie auch nach dem Job bei Axa?

Ja, ich möchte mich aber nicht in einer bestimmten Versicherungssparte spezialisieren, sondern allgemeine Managementaufgaben bei Axa übernehmen – gern im Ausland. Ich mag Frankreich, mein Chef übrigens auch.

Dann speisen Sie beide sicher öfters gemeinsam zu Mittag?

Das kommt vor.

Dauert das bei Ihnen auch so lange wie in Frankreich?

Leider nicht – da sind die Kulturen verschieden. In Köln wird etwas schneller gegessen als in Paris.

Dieser Artikel ist erschienen am 18.06.2001