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Der schwäbische Kaufmann

Von Hans-Peter Siebenhaar, Düsseldorf
Thomas Gruber ist gegen den Willen Stoibers im Juli 2001 zum Intendanten gewählt worden. Schnell hat es aber der liberal-konservative Manager vermocht, das Vertrauen der Staatskanzlei zu gewinnen und und tiefgehende Reformen in der altehrwürdigen Anstalt einzuleiten.
In Bayern hingegen ticken die Uhren anders. Dort gehört der Bayerische Rundfunk (BR) zum weiß- blauen Freistaat wie König Ludwig II., Weißbier oder die Zugspitze. Die CSU geht mit ihrem Haussender pfleglich um und der Haussender mit der CSU. Der Intendant des BR, Thomas Gruber, lässt auf seinen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber nichts kommen. Und der CSU-Vorsitzende lobt den BR gerne als wichtigsten Kulturträger im Land.Dabei ist Gruber gegen den Willen Stoibers im Juli 2001 überhaupt zum Intendanten gewählt worden. Schnell hat es aber der liberal-konservative Manager vermocht, das Vertrauen der Staatskanzlei zu gewinnen, den Sender hinter sich zu sammeln und tiefgehende Reformen in der altehrwürdigen Anstalt einzuleiten. Ohne teure Unternehmensberater stellte er den BR auf den Kopf: In 85 Workshops mit fast tausend Teilnehmern wurde der größte Reformprozess eingeleitet, den der BR in seiner Geschichte gesehen hat. Darauf ist Gruber stolz.

Die besten Jobs von allen

Die Reformwerkstatt im eigenen Haus ist nur die Generalprobe für die neue Aufgabe. Zum 1. Januar hat Thomas Gruber für zwei Jahren den ARD-Vorsitz übernommen. Das ist für ihn Pflicht, nicht Kür. Gruber war nach dem glücklosen NDR-Intendanten Jobst Plog schlicht an der Reihe. Er hat nun die diffizile Aufgabe, aus der verkrusteten Arbeitsgemeinschaft von Rundfunkanstalten ein schlagkräftiges Unternehmen zu machen.Bei seinen reformfreudigen Kollegen steht der BR-Intendant hoch im Kurs. ?Thomas Gruber ist im Umgang sehr verbindlich und in seinen Ansichten sehr stabil. Auf ihn kann man sich verlassen?, sagt WDR-Mann Pleitgen. Die beiden früheren Hörfunkdirektoren haben eines gemeinsam: die Leidenschaft für das Programm. Doch im Gegensatz zum früheren ARD-Korrespondenten Pleitgen scheut der schwäbische Kaufmann Kameras wie der Teufel das Weihwasser.Seine ihm gestellten Aufgaben geht er aber zielstrebig an: ?Ich bin gelernter Diplom-Kaufmann, dazu noch aus Schwaben. Das sind doch keine schlechten Voraussetzungen für den neuen Job an der Spitze der ARD. Ich weiß, was Geld wert ist.?Und was will er in den kommenden 24 Monaten? ?Wir müssen verzichten und straffen?, fordert der 61-Jährige. Der Druck ist groß, denn die Gebührenerhöhung wird für die ARD geringer als erwartet ausfallen, nur 88 Cent auf monatlich 17,03 Euro sind es monatlich. Ursprünglich hatten ARD und ZDF eine Anhebung von zwei Euro monatlich gefordert.Den sorgfältigen Umgang mit Geld hat Gruber im eigenen Haus bereits bewiesen. Aus Kostengründen hat er dem Bayerischen Rundfunkorchester den Geldhahn abgedreht. Leicht sei ihm das nicht gefallen. ?Wenn es sein muss, ist es besser, Menschen zu enttäuschen, als sie zu täuschen?, heißt seine Devise.Drahtig kommt er daher, als hemdsärmeliger, zupackender Manager. ?Er ist ein Machertyp. Beim BR ist er in seiner offenen und geradlinigen Art wie ein Fremdgewächs?, erzählt ein Exmitarbeiter.Ein Reformer war Gruber seit jeher. Als der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler 1990 zum Leiter des Studios Franken in Nürnberg und fünf Jahre später zum Hörfunkdirektor aufstieg, brach er verkrustete Strukturen auf und wagte Neues. Das Hörfunkprogramm Bayern 5, der erste Informationssender in der ARD, ist ein Beispiel. Bereits in den 80ern konzipierte er die freche Jugendsendung ?Live aus dem Alabama?, in der Sandra Maischberger einst ihr Handwerk erlernte. Zudem gründete er den Bildungskanal BR-Alpha.Gruber ist stolz auf seine Leistungen, aber er geht damit nicht haussieren. Von Eitelkeit ist er nicht geplagt. Am liebsten verbringt er seine Freizeit im idyllischen Chiemgau. In den bayerischen Bergen erholt er sich bei Bergwandern oder auch Skifahren.Manchmal geht es Gruber in seinem Reformeifer nicht schnell voran. Er gilt als impulsiv und ungeduldig . Doch er hat gelernt, auch Reförmchen als Erfolg zu verbuchen. So braucht ein BR-Angestellter nur noch ein Formular oder bis maximal sieben Unterschriften, um eine Kamera auszurangieren. Früher benötigte er zwei Formulare und bis zu 13 Unterschriften.In der ARD wird Gruber für einen neuen Stil stehen. Er will das Erste aus dem jahrzehntelangen Quotenwettbewerb mit den Privaten befreien. Qualität statt Quantität heißt die Losung. Gruber ist zutiefst überzeugt, dass die ARD auch so manches vom BR lernen kann. Schließlich betreiben die Bayern das populärste Regionalprogramm in der ARD.Und seinen Lieblingskabarettisten, den Franken Hartmut Barwasser alias Erwin Pelzig, will er zum überregionalen Exportschlager machen. Noch aber hält er die Fahne für seinen teuer eingekauften schwäbischen Landsmann Harald Schmidt hoch. Gruber und er haben sogar eine Lieblingssendung gemeinsam: ?Kunst und Krempel?. Die Antiquitätenshow läuft im BR am frühen Samstagabend. ?Ein Format, das ich mir auch in der ARD vorstellen könnte?, verkündet Gruber. Was sich in Bayern über Jahre bewährt hat, ist auch gut für Deutschland.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.01.2005