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Der schnelle Klick zum Job

Randolf Hillebrand
Viele Unternehmen akzeptieren heute Bewerbungen per E-Mail. Sie erwarten aber, dass sich der Stellensuchende genauso viel Mühe wie mit einer Papierbewerbung macht.
Der Anteil der Online-Bewerbungen beträgt in Deutschland etwa 60 Prozent, Tendenz steigend?, sagt Gena Kehrenberger, die bei dem internationalen Soft- und Hardwarehersteller Cisco Systems für die Rekrutierung in Deutschland verantwortlich ist. Was die Umstellung von Papier auf E-Mail betrifft, gehört Cisco Systems zu den Vorreitern: Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Suche nach neuen Mitarbeitern ausschließlich über das Internet abzuwickeln. Bereits jetzt laufen in den USA rund 90 Prozent aller Bewerbungen über das Internet.

Im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter gewinnt die Online-Rekrutierung an Bedeutung und könnte schon bald die klassische Mitarbeitersuche über Printanzeigen in den Hintergrund drängen. Darauf deuten Umfragen des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Forrester Research bei europäischen Großunternehmen hin: Um offene Stellen zu besetzen, schalten diese ihre Anzeigen zunehmend in Online-Stellenmärkten - und sparen gleichzeitig bei den Zeitungsanzeigen. Zudem sind Unternehmen wie Infineon, Philips und Lufthansa dazu übergegangen, neue Mitarbeiter über spezielle Jobseiten der eigenen Homepage anzuwerben.

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Was den Arbeitgebern vor allem Zeit und Geld spart, beschert den Stellensuchenden einen entscheidenden Vorteil: Über die Jobbörsen im Internet sowie die Jobseiten der Unternehmen haben sie erstmals Zugriff auf alle nationalen und internationalen Stellenangebote.

Intelligente Suchmaschinen helfen, den Überblick zu bewahren. Beispielsweise hat sich Junge Karriere.com mit dem ?Jobturbo? eine Meta-Suchmaschine zugelegt, die dem Bewerber die aufwändige Stellensuche erleichtert. Sie durchsucht mit einem Klick alle wichtigen Stellenmärkte sowie Jobseiten verschiedener Unternehmen nach dem gewünschten Beruf.

Die Akzeptanz von E-Mail-Bewerbungen wächst stetig. Viele Personalmanager nehmen sie als Beweis, dass der Stellensuchende den elektronischen Medien gegenüber aufgeschlossen ist. Wer sich über das Netz richtig bewirbt, kann also Pluspunkte sammeln. Allerdings gibt es einige Regeln, die Bewerber beachten sollten:

>> Erst fragen, dann mailen
Klären Sie, ob Bewerbungen per E-Mail tatsächlich willkommen sind - und zwar, bevor Sie sich bei dem Unternehmen Ihrer Wahl bewerben. Auch wenn Sie auf das Stellenangebot im Internet aufmerksam geworden sind, heißt das noch nicht, dass das Unternehmen auf elektronische Bewerbungen eingestellt ist

>> Ansprechpartner suchen
Senden Sie das E-Mail nicht an irgendwen, sondern an eine Person, die mit Personaleinstellungen befasst ist. Bewerbungen an allgemeine Adressen wie info@firmenname.de laufen ins Leere und bleiben oft unbeantwortet. Steht kein Ansprechpartner in der Stellenanzeige, greifen Sie am besten zum Telefon und fragen direkt im Unternehmen nach

>> Genauen Betreff angeben
Die Betreffzeile ist außerordentlich wichtig. Man sollte beim Lesen sofort erkennen können, auf welche Stelle Sie sich bewerben. Große Firmen schreiben in der Regel eine ganze Reihe von Stellen gleichzeitig aus. Darum sollten Sie Betreffzeilen wie ?Bewerbung? vermeiden

>> Nicht drängeln
Verzichten Sie auf die Verwendung von Dringlichkeitsstufen. Genervte Personaler werden Ihre Bewerbung nicht schneller bearbeiten, nur weil sie eine hohe Dringlichkeitsstufe hat. Womöglich bewirken Sie damit sogar das Gegenteil: Ihre Bewerbung bleibt ein paar Tage länger liegen

>> Den richtigen Ton treffen
Vermeiden Sie eine zu lockere Sprache. Für das Anschreiben gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie bei der Papierbewerbung. Das schnelle Medium Internet verleitet dazu, Stil und Rechtschreibung zu vernachlässigen oder sogar den Empfänger zu duzen. Geben Sie sich beim Schreiben Mühe und zeigen Sie Motivation für den Job und das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben. Lösen Sie im Anschreiben Umlaute (ä, ö, ü) auf und verzichten Sie auf Sonderzeichen, da einige Mail-Programme mit der Anzeige solcher Zeichen Probleme haben

Den Lebenslauf hängen Sie am besten als Word-Datei an. Was für das Anschreiben gilt, sollten Sie auch im Lebenslauf beachten: Die E-Bewerbung ist ein offizielles Schreiben, in dem Rechtschreib- oder Grammatikfehler nichts zu suchen haben

>> Absender nicht vergessen
Denken Sie an die Signatur am Ende des Anschreibens. Sie sollte Ihren Namen, Ihre Anschrift und eine Telefonnummer enthalten, unter der Sie erreichbar sind. Wichtig ist Ihre persönliche E-Mail-Adresse, die Sie möglichst seriös halten sollten. Adressen wie Elvis@web.de sind zwar cool, treffen aber nicht jedermanns Geschmack

>> Behutsam nachfassen
Bringen Sie sich in Erinnerung, ohne zu nerven. Haben Sie nach einer Woche noch keine Rückmeldung erhalten, fragen Sie am besten telefonisch nach dem Stand der Bearbeitung. Spätestens dann wird sich herausstellen, ob das Unternehmen gewissenhaft mit Online-Bewerbungen umgeht

In der Regel reichen Anschreiben und angehängter Lebenslauf für eine Online-Bewerbung aus. Allerdings wird das E-Mail in den meisten Personalabteilungen immer noch als vorläufige Version der Papierbewerbung betrachtet. Die klassische ?Mappe? wird daher noch oft nachgeordert. Foto, Zeugnisse und andere Bescheinigungen sollte der Bewerber deshalb lieber mit der Post schicken.

Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, weitere Unterlagen als Attachment an die E-Bewerbung anzuhängen, verwendet sinnvollerweise bekannte Formate wie Word (.doc) oder Textdateien (.txt). Denn Personalmanager sind in der Regel keine ?Techies? und können mit Dateiendungen wie ?.zip? oder ?.jpg? oft nichts anfangen. Aus Angst vor Viren, die den Computer oder - noch schlimmer - das ganze Hausnetz lahm legen könnten, verzichten viele Empfänger auch ganz darauf, die angehängten Dateien zu öffnen

Die eigene Homepage, sofern vorhanden, als Bewerbungsinstrument einzusetzen, ist eine zweischneidige Sache. Schließlich sind die Daten im Internet für jedermann frei zugänglich. Wer dennoch beschließt, persönliche Dokumente zum Download anzubieten, sollte bei der Gestaltung der Homepage auf ein ansprechendes Design und Seriosität achten. Auch hier gilt wie bei der klassischen Bewerbung: Gute Inhalte kommen nur gut rüber, wenn sie gut verpackt sind.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.03.2001