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Der Schnell-Sanierer

Axel C. Heitmann hatte schwere Startbedingungen. Er sollte Problemsparten, die der Bayer-Konzern ausgliederte, unter dem Dach des neuen Chemieunternehmens Lanxess sanieren. Das ist dem 49-Jährigen in Rekordzeit gelungen.
Axel C. Heitmann arbeitete zuvor in China. Foto: dpa
FRANKFURT. In Leverkusen, dem Stammsitz des Chemiekonzerns Lanxess, hat der Vorstandsvorsitzende bei den Mitarbeitern viele Spitznamen: Sie reichen von Missionar bis Motivator. Dabei ist Axel C. Heitmann, der im September 2004 das keineswegs einfache Amt des Chefs einer ebenso neuen wie alten Firma übernommen hatte, vor allem eines: ein Sanierer. Und, bislang jedenfalls, sogar ein sehr erfolgreicher.Die Voraussetzungen zu seinem Start konnten schwieriger kaum sein. Um die Profitabilität des Mutterkonzerns zu steigern, gliederte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning mehrere Problemsparten aus und brachte sie unter dem Namen Lanxess an die Börse. Den undankbaren Job, das neue Unternehmen zu leiten, trug er Heitmann an.

Die besten Jobs von allen

Der 49-Jährige musste dafür seine Zelte in China abbrechen. Als er nach Deutschland zurückkehrte, wusste er noch nicht einmal, wo seine Familie wohnen sollte. Die Suche nach dem neuen Zuhause erledigte seine Frau. Sie ging dabei pragmatisch vor: Mit einem Zirkel zog sie einen Kreis von fünfzig Kilometern um Leverkusen. Alles, was in diesem Einzugsbereich lag, kam infrage.Im Konzern wird Heitmann für seine klaren Ansagen und sein zügiges Handeln geschätzt. Schnell hatte Heitmann bei seinem Amtsantritt bei Lanxess einen Vierstufenplan entworfen, der ebenso konsequent abgearbeitet wurde. So fix, dass die für 2009 gesteckten Ziele wohl bereits 2008 erreicht werden.Da passte es ins Bild, dass die jüngste Hauptversammlung von Lanxess eines der kürzesten Aktionärstreffen war, die es bei einem größeren Konzern in Deutschland je gegeben hat. Lediglich zwei Anteilseigner meldeten sich in der Halle 7 des Messegeländes Köln-Deutz zu Wort - und die Vertreter der beiden Aktionärsvereinigungen DSW und SdK gehören inzwischen ohnehin zum Ritual einer jeder Eigentümerversammlung. Sie waren zudem voll des Lobes über die geleistete Arbeit. Die geradezu spitzbübische Freude über den ebenso schnellen wir harmonischen Verlauf der Hauptversammlung des einstigen Sanierungsfalls war Heitmann deutlich anzusehen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vom Sorgenkind zum ernstzunehmenden Spieler Wer kann auch etwas gegen eine Vervierfachung der Dividende haben. Oder gegen den Hinweis auf einen guten Verlauf des Geschäfts im zweiten Quartal. Oder gegen die bestätigte Prognose für 2008, wonach der Umsatz operativ steigen und das Ebitda vor Sondereinflüssen bei über 700 Millionen Euro liegen soll. Experten mögen da mit Blick auf die sich abzeichnenden Unwägbarkeiten auf den Chemiemärkten Zweifel anmelden. Aber die Fachleute hatten auch bei Heitmanns Antritt angesichts der riesigen Probleme Bedenken.Im Jahr 2004 stellte sich noch die Frage, warum ausgerechnet Heitmann das schaffen sollte, was der große Bayer-Konzern zuvor nicht zustande bringen wollte oder konnte: der traditionellen Chemieindustrie in Deutschland eine profitable Heimat zu geben. Heitmann hat es geschafft. Jedenfalls hielt er bislang alle seine Vorgaben ein.Fünf Wochen zuvor zog sich noch am selben Ort die Hauptversammlung der einstigen Mutter Bayer bis in die Abendstunden hin, weil die Liste der Redner unendlich schien. Viele wollten zur umstrittenen Pipeline für das hochgiftige Kohlenmonoxid Stellung nehmen, mit der Bayer einige seiner Werke in der Rheinschiene verbinden will - und zwar quer durch mehrere Wohngebiete.Ganz anders dagegen die Lanxess-HV: Heitmann punktete als Klimaschützer, als er eine neue Anlage im Werk Krefeld-Uerdingen vorstellte. Mit dem Projekt will Lanxess bis 2012 den Ausstoß von Klimagasen um 80 Prozent senken. Die 1,5 Mill. Tonnen Kohlendioxid entsprechen der Menge, die der halbe Staatswald Baden-Württembergs bindet. Das überzeugte die 2 300 Aktionäre.Dabei ist bei dem Spezialchemiekonzern noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Heitmann selbst verwies darauf, dass immer noch ein Viertel des Umsatzes eine Marge von weniger als zehn Prozent einbringt. Bei seinem Antritt wiesen aber noch siebzig Prozent des Geschäfts eine ungenügende Wirtschaftlichkeit aus. Aber eins stimmt: "Dank Axel C. Heitmann hat sich Lanxess vom Sorgenkind zu einem ernstzunehmenden Player bei der Konsolidierung des Chemiemarktes entwickelt." So die Erklärung bei Heitmanns Auszeichnung zum "Unternehmer des Jahres 2007".
Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2008