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Der Qualitätskontrolleur

Von Nicole Bastian, Handelsblatt
Ein schöneres Geschenk hätte er sich wohl nicht wünschen können: Wenige Tage vor seinem 63. Geburtstag durfte sich Katsuaki Watanabe als der künftige Präsident des profitabelsten Autoherstellers der Welt präsentieren.
TOKIO. Ganz wohl in seiner Haut fühlte sich der zierliche Mann, der seinen Posten nach der Hauptversammlung im Juni bekommt, aber nicht. ?Ich bin aufgeregt. Die Verantwortung ist enorm?, sagt er ? und seine Worte kommen schnell aus seinem Mund, so, als ob er froh wäre, wenn die Fragen der Journalisten bald vorüber wären.Watanabe ist bei Toyota nicht bekannt für große Worte, sondern für sein umfassendes Wissen. 40 Jahre hat er seit dem Ende seines Wirtschaftsstudiums bei Toyota verbracht, war in der Verwaltung und in der Unternehmensplanung, war Leiter einer der wichtigsten Fabriken in Japan und zuletzt im Board für den Einkauf verantwortlich, den er für die globalere Aufstellung Toyotas mit dessen Zulieferern grundlegend überarbeitete. ?Die Basis meiner Managementphilosophie ist, dass man nur mit einem guten Team sein Ziel erreicht?, meint er.

Die besten Jobs von allen

Als neuer Präsident soll Watanabe nun Toyotas oberster Qualitätskontrolleur sein.Angesichts der rapiden Expansion Toyotas weltweit sieht Chairman Hiroshi Okuda die Herausforderung darin, dass Toyota das Wachstum verdauen muss, ohne dabei seine Stärken einzubüßen ? wie die Qualität. 8,5 Millionen Fahrzeuge will Toyota bis 2006 weltweit absetzen und wird dann etwa gleich auf mit General Motors liegen. Dafür muss das Unternehmen seine Strukturen anpassen. Toyota müsse, meint Watanabe, weltweit eine ?solide Produktion? und gute Autos sicherstellen, in den Märkten zu Hause sein und dort auch gutes Personal ausbilden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Manko ist die fehlende AuslandserfahrungWatanabes Manko für seinen neuen Posten, das gibt er zu, ist die fehlende Auslandserfahrung. Sein gesamtes Berufsleben hat der Vater dreier Töchter, der selbst in der Präfektur des Toyota-Hauptsitzes aufgewachsen ist, in Japan verbracht. Doch Toyotas Wachstum findet vor allem im Ausland statt. Das übrige Topmanagement werde ihn hier ausgleichend unterstützen, meint Watanabe. Chairman Okuda, bereits 72 Jahre, will noch ein Jahr im Amt bleiben, dann soll Fujio Cho, der jetzige Präsident von Toyota, seinen Posten übernehmen. Bis dahin wird Fujio Cho Vize-Chairman.Auf der Hierarchieebene unter Watanabe hat Toyota die komplette Führungsmannschaft ausgetauscht. Statt sechs sollen künftig acht Vizepräsidenten die Geschäfte lenken. Ihr Durchschnittsalter sinkt von fast 64 auf knapp 58 Jahre. Okuda begründete dies mit dem gewachsenen Geschäft. Deswegen sei ein größeres und jüngeres Team nötig geworden.Unter den acht neuen Vizepräsidenten ist auch Akio Toyoda, der älteste Enkel von Toyota-Motor-Gründer Kiichiro Toyoda. Der 48-Jährige, der bisher für das China-Geschäft verantwortlich war, gilt als Topkandidat für den Präsidentenposten in Zukunft. Die Toyoda-Gründerfamilie sei auch heute noch die ?vereinende Kraft?, um die sich die Beschäftigten scharen könnten, meint Okuda.Watanabe ist der dritte Präsident in Folge, der nicht aus der Toyoda-Familie stammt. Der Hobbysänger und -tennisspieler ist aber weit mehr als ein Platzhalter für Toyoda. In seiner Amtszeit als Präsident wird Toyota den nächsten Globalisierungsschritt unternehmen. Bis ins kommende Jahrzehnt will der Konzern seine Produktion im Ausland im Vergleich zu 2003 verdoppeln. Ein großer Strategiewechsel wird von Watanabe nicht erwartet. Er soll den Wagen auf dem Kurs halten, auf den ihn Okuda und Cho gebracht haben. Schließlich verdient Toyota mit über acht Milliarden Euro netto schon heute mehr als jeder andere in der Branche.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.02.2005