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Der Preiswächter

Wolfgang Booms entscheidet in Absprache mit den Landesvertretern über die Listenpreise sämtlicher Autos der Marke Ford in Europa. Und darüber, was ein Auto kosten darf, hat jedes Land seine eigenen Vorstellungen.
In Deutschland sei der Markt besonders aggressiv. Hier sei die Höhe des Rabatts gegenwärtig fast wichtiger als der Endpreis: "Nicht billig, aber preiswert?, umreißt Booms die Ford-Strategie.
Name: Wolfgang Booms, 37
Beruf: Director European Vehicle Pricing bei Ford
Gelernt: Betriebswirt

Irgendwann in diesem Sommer, der kein richtiger war, konnte man auf der Ford-Teststrecke im belgischen Lommel beobachten, wie aus Männern Kinder werden. Ranghohe Vertreter des Automobilherstellers aus den einzelnen europäischen Länder, darunter auch einige Länderchefs, durften dort eigenhändig den neuen Focus ST testen, die 225 PS starke Sportversion des Verkaufsschlagers Focus, mit dem Ford ab Jahresende dem Golf GTI Konkurrenz machen will. ?Das macht den Leuten Spaß. Wir müssen die Organisation stolz machen auf das Auto?, sagt Wolfgang Booms.

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Der 37-Jährige entscheidet in Absprache mit den Landesvertretern über die Listenpreise sämtlicher Autos der Marke Ford in Europa. Und darüber, was ein Auto kosten darf, hat jedes Land seine eigenen Vorstellungen. In Deutschland sei der Markt besonders aggressiv. Hier sei die Höhe des Rabatts gegenwärtig fast wichtiger als der Endpreis, sagt Booms. Doch auch wenn der Kunde den Listenpreis nur als Verhandlungsbasis betrachte, habe er eine wichtige Bedeutung für die Positionierung der Marke. ?Wir versuchen, in jedem Segment die goldene Mitte zu finden: "Nicht billig, aber preiswert?, umreißt Booms die Ford-Strategie.

Schon vor der Entwicklung eines Fahrzeugs wird ein Preis angepeilt. ?Sie können keine Entwicklung ohne eine Preisannahme machen?, betont Booms. Denn wenn der angestrebte Preis nicht einzuhalten ist, muss man schon bei der Entwicklung überlegen, wo man sparen kann. Die endgültigen Preise werden etwa vier Monate vor der Einführung festgelegt. Der Focus ST ist ein relativ einfaches Auto: 1 Motor, 2 Varianten. Dagegen gibt es nach Schätzung Booms allein für den Focus in Deutschland ? berücksichtigt man sämtliche Motor-, Karosserie- und Ausstattungsvarianten ? etwa hundert Preise.

Dazu kommen nationale Unterschiede. Die Autohersteller bemühen sich, in allen Ländern weitgehend einheitliche Preise festzulegen. Sollte das Fahrzeug in der Grundausstattung für den nationalen Markt zu teuer sein, spart man eher in der Ausstattung. Da muss sich Booms auch schon mal gegenüber den Ländervertretern durchsetzen.

Bei seiner Aufgabe hilft Booms, dass er seit seinem Einstieg als Trainee bei Ford 1993 viele Abteilungen ? vom Marketing über den Vertrieb bis zur Verkaufsplanung und Kommmunikation ? kennen gelernt hat. Schon sein BWL-Studium in Münster hatte er mit den Schwerpunkten Marketing und Fertigungslehre breit angelegt und auf einen Job in der Automobilindustrie ausgerichtet.

?Ich bin ein Automensch von ganzem Herzen?, sagt Booms, und das glaubt man ihm. An Samstagen streift er oft durch die Autohäuser der Konkurrenz, um zu sehen, wie die mit Rabatten umgeht. Und wenn es die Zeit zulässt, schraubt er an einem seiner sechs Youngtimer, alten Ford und Audi aus den 70er und 80er Jahren. Und wie geht er selbst mit Preisen um, wenn er ein neues Sammlerstück kauft? ?Wenn der Preis fair ist, verhandle ich auch nicht.?
pnd
Dieser Artikel ist erschienen am 25.08.2005