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Der Pragmatiker

Britta Domke
Was Lars Jebe in den letzten 13 Jahren mitgemacht hat, reicht glatt für drei Berufsleben: ein gutes Dutzend Stellen, dreimal gekündigt, ein insolventer Arbeitgeber, Bewerbungsmarathon, Ebbe auf dem Konto. Eine Vita, die verrückt macht. Oder sehr gelassen: "Für mich ist der Beruf nicht Lebenszweck."
Was Lars Jebe in den letzten 13 Jahren mitgemacht hat, reicht glatt für drei Berufsleben: ein gutes Dutzend Stellen, dreimal gekündigt, ein insolventer Arbeitgeber, Bewerbungsmarathon, Ebbe auf dem Konto. Eine Vita, die verrückt macht. Oder sehr gelassen. "Ich habe immer wieder etwas gefunden und würde auch Dinge tun, die mir nicht so liegen", sagt der Hamburger Industriekaufmann. Ihm fällt es leicht, pragmatisch zu sein: "Für mich ist der Beruf nicht Lebenszweck." Nach Feierabend organisiert er Techno- und Electro-Partys, legt als DJ Platten auf. Die Leidenschaft für Musik hat den 34-Jährigen oft vor der Verzweiflung bewahrt. So fiel seine Ausbildung bei BP Oil just in eine Zeit, in der das Unternehmen Stellen abbaute. Auch der nächste Job bei Shell war nur befristet. "Da hieß es: Sie sind ja noch jung - viel Glück!" Fünf Monate lang bewarb er sich überall in der Mineralölindustrie. Vergeblich. Dann wurde das Geld knapp - und Jebe erinnerte sich wieder an die DIS AG. Bei dem Zeitarbeitsunter?nehmen hatte er bereits als 18-Jähriger gearbeitet. Dass man ihn dort zunächst unter seiner Qualifikation einsetzte, war ihm egal.
Hauptsache Job. Dafür kam er richtig rum in Hamburg, sammelte einen Bauchladen voller Berufserfahrung ?- bei Montblanc, beim Duty-Free-Händler Heinemann, bei der Deutschen Aerospace und beim Online-Auktionshaus Ricardo. Dort endlich, so schien es, endete seine Odyssee. Ricardo bot ihm eine Festanstellung als Einkäufer an. Doch kaum war der Vertrag unterschrieben, ging's bergab mit der New Economy.
Die Kündigungswelle schwemmte auch Jebe auf die Straße. Trotzdem: "Ich bin nie mit gesenktem Haupt durch die Gegend gegangen." Zum dritten Mal klopfte Jebe bei DIS an. Und ergatterte einen Job, der zum ersten Dauerbrenner seines Berufslebens werden sollte: Als Troubleshooter im Einkauf von Airbus machte er seine Sache so gut, dass er zweieinhalb Jahre am Stück blieb. Im April hat ihn der Flugzeughersteller fest übernommen. Ende der Job-Odyssee.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2005