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Der Platzmacher

Von Axel Granzow und Tanja Kewes
Frank Appel ist der Mann für besondere Aufgaben bei der Deutschen Post. Am Weltjugendtag kletterte er auf eine Bühne und stellte sich den kritischen Fragen der jugendlichen Pilger. Nun gibt er seinen Logistik-Posten im Post-Vorstand ab ? und empfiehlt sich für höhere Weihen.
HB BONN. Mutig kämpfte der Schnellsprecher am Fuße des Post-Towers in Bonn gegen das Vorurteil, dass Vorstände ihren Job nur wegen des Geldes ausüben und aalglatte Manager sind. ?Ich bin gerne Vorstand. Mir macht es Spaß zu gestalten?, sagte Appel.Ob der schlanke 44-Jährige in diesen Tagen noch so viel Spaß an seiner Arbeit hat? Seine Tage als Logistik-Vorstand der Post sind gezählt. Appel, der mit Post-Chef Klaus Zumwinkel die Übernahme des britischen Konkurrenten Exel verhandelt hat, wodurch die Post zum Weltmarktführer in der Luft- und Seefracht wird, muss Exel-Chef John Allan Platz machen. Der übernimmt im obersten Führungsgremium des Postkonzerns die Verantwortung für Logistik.

Die besten Jobs von allen

Appel hat sich sozusagen selbst überflüssig gemacht. Branchenexperten begrüßen den Personalwechsel. Allan gilt als einer der versiertesten Fachleute der Logistik weltweit. Es wird erwartet, dass er die Integration von Exel in den Post-Konzern ohne allzu große Probleme über die Bühne bringen wird. Außerdem sei sein Wechsel in den Post-Vorstand ein Signal an zahlreiche Großkunden der Briten, dass auf Kontinuität gesetzt werde.Und Zumwinkel geht damit einem möglichen Konflikt wie seinerzeit bei der Übernahme des US-Luftfrachtkonzerns Airborne aus dem Weg. Da hatte er den 47-jährigen DHL-Vorstand Uwe Dörken hingeschickt. Der scheiterte nach zwei Jahren an hohen Anlaufverlusten und Fehleinschätzungen ? und musste gehen.Aber der Mann, der Allan Platz macht, verschwindet nicht in der Versenkung. Appel, der Mann für besondere Aufgaben, bleibt Vorstandsmitglied und kümmert sich weiterhin um Querschnittsfunktionen im Konzern wie die Bereiche Einkauf und IT. Außerdem soll er ab kommendem Jahr den Nachfolger des bisher erfolgreichen großen Integrations- und Sparprogramms der Post, ?Star?, verantworten.Und vielleicht ist für den Jüngsten in der Riege der Post-Vorstände in Zukunft noch mehr drin. Zumwinkel werde es ihm hoch anrechnen, dass er für Allan zurückstecke, meinen Postmanager. Die Story Appel sei noch nicht zu Ende. Der frühere McKinsey-Manager gilt als Teamspieler und genießt deshalb hohes Vertrauen bei Konzernchef Zumwinkel, der ebenfalls seine Karriere einst bei der US-Unternehmensberatung McKinsey begann.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Nachfolger Zumwinkels im GesprächWenn über die Nachfolge Zumwinkels spekuliert wird, dessen Vertrag Ende des Jahres 2008 ausläuft, fällt deshalb immer wieder Appels Name. Dies gilt umso mehr, als einer seiner Rivalen, der DHL-Vorstand Uwe Dörken, inzwischen ausgeschieden ist.Zur Post kam Appel im Jahr 2000, damals als Leiter des Zentralbereichs für die Konzernentwicklung. Bereits zwei Jahre später stieg er in den Vorstand auf. Sporen hat er sich seitdem nicht nur in der Logistik verdient, die mit hohen Zuwachsraten so etwas wie das Schnellboot der Post ist.Er ist auch für das ?Wertsteigerungsprogramm Star? verantwortlich, das Ende dieses Jahres ausläuft und mit dem die Post nach zahlreichen Zukäufen ihre Integration vorantreibt. Auch mit dem Ergebnis dieses Programms empfiehlt er sich bei Zumwinkel für höhere Weihen. Star hat bislang 1,4 Milliarden Euro zum Ergebnis des Konzerns beigetragen. Außerdem bewies Appel auf internationalem Parkett Fortüne, als er maßgeblich bei den Verhandlungen zur Übernahme von Airborne in den USA mitwirkte. Das markierte für die Post den entscheidenden Schritt auf den US-Markt.Auf die Frage, was einen promovierten Neurobiologen besonders prädestiniert, das größte Rationalisierungsprogramm der Post seit dem Börsengang zu leiten, meinte Appel vor kurzem ganz trocken: ?Eigentlich nichts.? Doch lerne man als Naturwissenschaftler, sehr schnell Informationen aufzunehmen, faktenorientiert zu arbeiten und ?Frustrationstoleranz zu entwickeln?.Frustrationstoleranz kann er auch beim neuen Integrationsprogramm gebrauchen, das er steuern wird. Es soll im Februar kommenden Jahres auf der Management-Tagung der Post vorgestellt werden. Zumwinkel erwartet weitere Milliardeneinsparungen.Appel gilt als Mann ohne Allüren. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Post-Vorstand parkte er einfach seinen privaten Volvo-Kombi auf dem Vorstandsparkplatz. Auf den Hinweis des Pförtners, der Platz sei nur für das Topmanagement reserviert, sagte Appel bloß: ?Ich bin Mitglied des Vorstands und fahre lieber eine Familienkutsche als den üblichen Dienstwagen.?Der gebürtige Hamburger startete seine Karriere im Vergleich zu anderen Topmanagern relativ spät. Erst mit 22 Jahren begann er zu studieren. Und die Promotion in Neurobiologie schloss er erst mit 31 ab.Doch wenn er etwas anpackt, dann ist er zu ?100 Prozent? dabei. ?Ich bin sehr fokussiert auf meine Arbeit und meine Familie. Daneben habe ich keine 23 anderen Hobbys?, sagt Appel mit ironischem Unterton. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Grundschulalter wohnt er im Siebengebirge, nicht weit weg von der Post-Konzernzentrale in Bonn.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vita von Frank AppelVita von Frank Appel1961 wird er am 29. Juli in Hamburg geboren. Er macht 1989 sein Chemiediplom an der Universität München. Vier Jahre später promoviert er über das Zusammenspiel der Nerven nach Verletzungen beim Menschen in Neurobiologie an der ETH Zürich/Schweiz.1993 beginnt er seine Karriere als Berater bei der Unternehmensberatung McKinsey & Co. in Frankfurt am Main.1999 wird er zum Partner und zum Mitglied der deutschen Geschäftsführung bei McKinsey & Co. gewählt.2000 wechselt er zur Deutschen Post AG und wird Zentralbereichsleiter Konzernentwicklung.2002 steigt er in den Vorstand der Deutschen Post auf. Er kümmert sich um den Bereich Logistik und Corporate Services.2005 fädelt er zusammen mit Vorstandschef Klaus Zumwinkel die Übernahme der britischen Exel ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.09.2005