Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der Plattenking und die Queen

Olaf Neumann
Der Schotte Alan McGee hat Oasis entdeckt und damit Millionen verdient. Die Nachfolger der britischen Erfolgsband will er im Internet aufbauen.
Queen Elizabeth II. gehören 2,27 Prozent der Aktien seiner Firma Poptones, mit Premierminister Tony Blair hält Alan McGee gelegentlich ein Schwätzchen. Der kleine Schotte mit dem kurz geschorenen roten Haar hat die Popband Oasis entdeckt und ist neben Richard Branson - Gründer von Virgin Records und Virgin Airlines - der bekannteste britische Platten-Boss der vergangenen Dekade. Die nächste Supergruppe soll im Internet entstehen.

Vor genau einem Jahr gründete er deshalb die Multimedia-Company Poptones. McGee`s Vision: Der Verkauf von Musik ausschließlich via Internet, wie ihn das Datei-Format MP3 ermöglicht. Vorteil: Höhere Gewinne, da keine Vertriebsfirma zwischengeschaltet werden muss. Denn schon bei seiner Plattenfirma Creation hat Alan McGee erfahren müssen, dass über die herkömmlichen Vertriebswege immer weniger zu verdienen ist.

Die besten Jobs von allen


"Unsere Überlegungen laufen auf ein Abonnement-System hinaus, bei dem die Kunden für eine monatliche Summe so viel Musik herunterladen können, wie sie wollen", sagt McGee. Das liegt im Trend. In einer Studie von Forrester Research vom Oktober 2000 unter 5 600 Internetnutzern gaben 59 Prozent der MP3-Fans an, ein Abonnement einem Modell vorzuziehen, bei dem pro Titel abgerechnet wird. Für ein Abo würden sie durchschnittlich 6,3 Euro im Monat ausgeben.

Zur Höhe des Abopreises und zu den derzeitigen CD-Verkäufen via Internet will sich McGee aus Gründen des Wettbewerbs nicht äußern. Mit seiner Idee steht er nämlich längst nicht mehr allein da. Bertelsmann hat sich bei der MP3-Tauschbörse Napster eingekauft, die Universal-Gruppe ist beim Konkurrenten MP3.com eingestiegen. Schon im "Forrester Report" von 1999 prognostizierten Fachleute, dass die US-Musikindustrie im Jahr 2003 bereits 1,2 Milliarden Euro mit dem kostenpflichtigen Herunterladen von Musikdateien umsetzen wird.

McGee`s Vorstellungen gehen noch weiter. "Schon bald bieten wir im Internet eigene Radio- und TV-Sender an. Für meinen Club-Sender Radio4 benötige ich lediglich ein Mikrofon und ein paar Platten. Für einen Fernsehsender braucht man doch nicht mehr als eine Kamera. Man nimmt einfach ein Video auf und stellt es ins Netz. That s all, und deshalb ist das Internet die Zukunft."

Seine Web-Seite www.poptones.co.uk hat zurzeit rund 300.000 Besucher pro Woche. Noch kann man auf der Homepage im Stil der 70er Jahre vor allem CD`s von Newcomern wie Cosmic Rough Riders, A Quiet Revolution und Szene-Stars wie Elvez oder Mad Professor bestellen. Aber schon bald will Poptones etablierte Künstler akquirieren und renommierte Plattenfirmen als Finanziers gewinnen.

Auch wenn Poptones noch keine Gewinne macht, sollte es am Geld nicht scheitern. Knapp 18 Millionen Pfund brachte der Börsengang am 18. Juni 2000 ein. Die Aktie steht heute 12,5 Prozent über dem Ausgabepreis von zwei Pence. Im April 2000 hatte McGee zudem seine verbliebenen 51 Prozent an der Plattenfirma Creation an Sony verkauft. In der Branche munkelt man, dass er dafür 23 bis 39 Millionen Euro erhalten habe.

Der heute 40-jährige McGee, der in Glasgow in einfachen Verhältnissen aufwuchs, hatte Creation 1983 in London gegründet. Schon 1992 verkaufte er 49 Prozent des Unternehmens für umgerechnet 8,8 Millionen Euro an Sony. Seinen größten Coup landete McGee 1993, als er die damals völlig unbekannte Popgruppe Oasis unter Vertrag nahm. Sechs Jahre später hatte die Band weltweit 24 Millionen Platten verkauft und Creation um 120 Millionen Pfund reicher gemacht.

"Dank Oasis verfüge ich über Kontakte zu den Chefetagen aller wichtigen Firmen", sagt McGee. Zudem hat er sich erfahrene Partner aus anderen Branchen ins Boot geholt: John Michael Edelsohn ist Direktor mehrerer Finanzierungsgesellschaften und sitzt im Vorstand des führenden britischen Internet-Providers Magic Moments Internet PLC. Julian Richer gilt als größter britischer Hifi-Einzelhändler. Jeffrey Michael Blackburn war in den 90er Jahren Geschäftsführer zweier Wohnungsbaugesellschaften.

Mit ihrer Hilfe und seinen Kontakten strebt McGee Verträge mit Weltkonzernen von Warner Brothers bis zur Virgin EMI Group an. Schon jetzt hat er einen Lizenzvertrag mit Sony Japan und Verträge mit mehreren europäischen und einem australischen Musikvertrieb abgeschlossen.

Denn auf die herkömmlichen Vertriebswege können und wollen McGee und seine zehn Angestellten nicht verzichten. In England lockt Poptones die Kundschaft mit einem relativ niedrigen CD-Festpreis von 9,99 Pfund in die Läden, rund 16 Euro. Das Ziel aber bleibt der Musikvertrieb über MP3.

"Alan McGee ist auf dem richtigen Weg", findet Ralf Plaschke, Geschäftsführer von Popkomm.de, dem Online-Auftritt der weltweit größten Musikmesse. "Die Interessenten für Musik aus dem Netz sind da - man muss ihnen nur qualitativ und finanziell interessante Angebote machen."
Dieser Artikel ist erschienen am 27.02.2001