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Der Ölsucher

Christian Kleff
Der 27 Jahre alte Geologe aus Potsdam sucht Öl für das BASF-Tochterunternehmen Wintershall. Seit Oktober 2001 ist er Trainee bei dem Kasseler Unternehmen. Für gut fünf Monate hat er seine Zelte in Südamerika aufgeschlagen, später geht es noch nach Libyen und in die Niederlande.
Noch ein Biss, der letzte Schluck Frühstückskaffee, dann heißt es für Andreas Frischbutter aufsatteln. Ab ins Gelände, Aufbruch 6.30 Uhr. Auf dem Pferd geht es westwärts, den Anden entgegen. Unwegsames Gelände liegt vor Frischbutter und seinen Gefährten ? ein Weg, zu unwegsam für Fahrzeuge jeglicher Art. Das Ziel ist eine 2 000 Quadratkilometer große Parzelle im argentinischen Niemandsland, am Fuße der Anden gelegen. Der Arbeitsplatz von Andreas Frischbutter

Romantische Wild-West-Atmosphäre im südlichen Amerika? ?Alles relativ archaisch?, sagt Frischbutter. Sieben-Tage-Wochen, Übernachtungen in Zelten oder kleinen Dörfern. Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung ? Fehlanzeige. ?Trotzdem genau das, was ich wollte.? Der 27 Jahre alte Geologe aus Potsdam sucht Öl für das BASF-Tochterunternehmen Wintershall. Seit Oktober 2001 ist er Trainee bei dem Kasseler Unternehmen. Für gut fünf Monate hat er seine Zelte in Südamerika aufgeschlagen, später geht es noch nach Libyen und in die Niederlande

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Morgens um fünf Uhr klingelt im Gelände der Wecker. Bis etwa 16 Uhr studiert Frischbutter mit seinem argentinischen Kollegen anhand von Satellitenbildern die Gegend und bestimmt die Gesteinsarten. ?Ich erstelle geologische Profile.? Je nachdem, wie sich die Oberfläche gestaltet, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gesagt werden, ob in den tieferen Schichten Ölvorkommen möglich sind. Dort, wo Frischbutter das schwarze Gold vermutet, werden Kollegen in einigen Monaten per Seismik und Probebohrungen seine Annahme überprüfen. Nach Feierabend halten die Wintershall-Leute bis 18 Uhr Siesta. Bis zum Abendessen um 21 Uhr heißt es dann, sich die Zeit zu vertreiben. Wehe dem, der das Kartenspiel oder die Würfel vergessen hat!

Alle zwei Wochen verlässt Frischbutter die Einöde des Andenvorlandes und wechselt für zwei Wochen an seinen Schreibtisch in Buenos Aires, sechs Auto- plus eine Flugstunde entfernt. In der Hauptstadt wertet er seine Erkundungen aus und schreibt Berichte. Und erlebt die argentinische Wirtschaftskrise hautnah: Das Land ist so gut wie pleite, der Peso fast wertlos, die Menschen sind unzufrieden bis verzweifelt. ?Die Warteschlangen vor den Banken in der Nähe meines Hotels in der Innenstadt werden Tag für Tag länger.?

Viele seiner argentinischen Kollegen müssen ihre komplette Lebensplanung umstellen. ?Ihre Befürchtungen, Haus oder Auto verkaufen zu müssen, werden realer.? Allen sei klar, dass die in Euro bezahlten ausländischen Kollegen deutlich besser stünden als die in der maladen Heimatwährung Peso honorierten Einheimischen. ?Da wird jedoch kaum drüber gesprochen.? Vielleicht ist es aber einer der Gründe, warum Ausländer eher unter sich bleiben. ?Ein Hallo hier, ein Hallo da? ? mehr Sozialkontakt ist mit den argentinischen Kollegen nicht drin. Frischbutters Bekanntenkreis in Südamerika ist europäisch

Die Probleme in Argentinien könnten auch seine Pläne noch durcheinanderwirbeln. Eigentlich waren vier Jahre Argentinien nach Ende seiner Traineezeit eingeplant ? ein längerer Auslandsaufenthalt ist bei Wintershall Bedingung. ?Ob das noch klappt, weiß ich nicht?, sagt Frischbutter. Libyen wäre die Alternative. Problem: ?Nach Südamerika wäre meine Freundin mitgekommen. Das war schon klar. Ob sie dagegen mit mir auch nach Libyen geht, ist noch die Frage.?

Internet: www.wintershall.de
Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2002