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Der neue Trommler

Joachim Hofer
Der niederländische Navi-Hersteller Tomtom holt Tele-Atlas-Chef Alain de Taeye in den Vorstand. Er muss dafür sorgen, dass der Konzern trotz stärkerer Konkurrenz weiter wächst.
Tomtom ist zum Synonym für Navigationsgeräte geworden.
MÜNCHEN. Wenn Deutsche die Nase putzen, greifen sie nicht zum Taschentuch, sondern zum ?Tempo?. Genauso benutzen sie einen Markennamen, wenn es um tragbare Navigationsgeräte geht. Für viele Menschen ist ?Tomtom? längst ein Synonym für die kleinen elektronischen Wegweiser. Der Mann, der ?Tomtom? in die Köpfe der Europäer gebracht hat, verlässt jetzt das Unternehmen aus Amsterdam. Gestern teilte Tomtom mit, Alexander Ribbink, bisher Chief Operating Officer, gehe auf eigenen Wunsch.Das dürfte allerdings nur die halbe Wahrheit sein. Denn für den groß gewachsenen Manager, der fünf Jahre lang die Marke aufgebaut hat, war bei Tomtom einfach kein Platz mehr. Die Niederländer haben gerade den Kartenspezialisten Tele-Atlas für knapp drei Milliarden Euro übernommen. Um die Firma möglichst schnell einzugliedern und eng an Tomtom zu binden, zieht der bisherige Chef von Tele-Atlas, Alain De Taeye, jetzt in den Vorstand ein und wird Nachfolger von Ribbink. An der Spitze von Tomtom ändert sich allerdings nichts: Vorstandschef Harold Goddijn hält die Fäden weiter fest in der Hand.

Die besten Jobs von allen

Der Holländer gilt als Vater des Erfolgs von Tomtom. Als er 2001 zu dem Unternehmen zurückkehrte, für das er schon einmal gearbeitet hatte, da stellten 20 Menschen für die kleine Firma Navigationssoftware her. Die Stimmung war nach dem Platzen der Dotcom-Blase bescheiden. Doch das änderte sich, als Tomtom unter Goddijns Führung das knubbelige Navigationsgerät für die Windschutzscheibe entwickelte. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert: Tomtom erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und beschäftigte 1 600 Mitarbeiter.Es ist kein Zufall, dass De Taeye sofort nach Abschluss der Übernahme in den Vorstand von Tomtom einzieht. Denn das bislang enorm erfolgreiche Start-up wächst mittlerweile nicht mehr so schnell wie früher. Jüngst musste das Unternehmen zum ersten Mal seit dem Börsengang vor drei Jahren über einen niedrigeren Quartalsumsatz berichten. Gleichzeitig brach der Gewinn ein, und der Aktienkurs sackte ab.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Handyhersteller konkurrieren Der Grund: Die Navigationsgeräte werden immer billiger. Zudem mischen im Markt Handyhersteller wie Nokia immer stärker mit, die ihre Mobiltelefone mit elektronischen Karten aufrüsten.Der ungewöhnliche Name Tomtom hat sich in den vergangenen Jahren als Glücksgriff erwiesen. Denn so wurde die Firma bekannter als die meisten Wettbewerber. Das Wort Tomtom soll lediglich an das Trommeln erinnern ? eine Form der Nachrichtenübermittlung, wie es bei Tomtom heißt.De Taeyes Aufgabe ist es jetzt, das Wissen von Tomtom und Tele-Atlas schnell zusammenzubringen. Tele-Atlas hat umfangreiches Kartenmaterial, Tomtom bekommt jeden Tag unzählige Korrekturen dieser Daten von seinen Kunden übermittelt. Durch diese Kombination sollen die Kunden künftig schneller und auf kürzerem Weg ans Ziel kommen als die Klientel der Konkurrenz.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.06.2008