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Der Nebenberufler

Kum
Foto: Cira Moro / Zeitenspiegel
Dabei hätte er es im thüringischen Ilmenau doch so bequem haben können: eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotion in gewohnter Umgebung und eine Professorin, die ihn gern betreut hätte. Aber Simon Zacher hatte nach sechs Jahren Studium Lust auf was Neues.
Dabei hätte er es im thüringischen Ilmenau doch so bequem haben können: eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotion in gewohnter Umgebung und eine Professorin, die ihn gern betreut hätte. Aber Simon Zacher hatte nach sechs Jahren Studium Lust auf was Neues: ?Ich wollte näher ran an meinen späteren Beruf. Und schon mal miterleben, wie ein großes Unternehmen funktioniert.“

Da kam ihm die Stellenausschreibung der Robert Bosch GmbH gerade recht. Die suchte vor zwei Jahren einen jungen Elektroingenieur, der an einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt mitarbeitet und seine Ergebnisse abschließend als Doktorarbeit an der TU Karlsruhe veröffentlicht. Der ehrgeizige Ilmenauer bewarb sich und bekam den Zuschlag. Seitdem hantiert er in der Stuttgarter Firmenzentrale mit Glasplatten, Generatoren und Elektroden, erzeugt Plasma und schaut zu, wie die Funken fliegen. Sein wichtigstes Werkzeug ist dabei der Computer, mit dem er die meisten Experimente simulieren kann. Das ist genauer und kostengünstiger, als wenn er alle Untersuchungen live durchführen würde. Sein Thema: ?Modellierung von Oberflächenprozessen bei der Behandlung mit einer homogenen Barrierenentladung“.

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Aha. Und wozu soll das gut sein? ?Im Prinzip versuche ich herauszufinden, warum bestimmte Funken die Eigenschaft haben, Glas- und Kunststoffoberflächen zu verändern“, erklärt der 25-Jährige. Seine Aufgabe ist aber nur ein Teil des umfangreichen Projekts. Gesamtziel ist, ein neues Verfahren zur Reinigung von Oberflächen zu entwickeln und zur Serienreife zu bringen, damit zum Beispiel Tesafilm und Tintenstrahlerfolie in Zukunft umweltfreundlicher hergestellt werden können. Dass er sein Thema nicht selbst gewählt hat, stört Simon Zacher nicht: ?Ich weiß, dass meine Dissertation nicht wie viele andere in der Schublade verschwinden wird.“ Außerdem bekomme er bei Bosch genau die Ausrüstung zur Verfügung gestellt, die er für seine Arbeit braucht. Und monatlich 4.500 Mark brutto. Dafür muss der Doktorand innerhalb von drei Jahren mit seiner Dissertation fertig sein, eine Verlängerung des Promotionsvertrags ist in der Regel nicht möglich. Doch das bedeutet nicht unbedingt das Ende der Zusammenarbeit von Bosch und Simon Zacher: Rund 90 Prozent der Doktoranden bleiben nach ihrer Dissertation dem Unternehmen aus dem Schwabenland treu. So wie es ausschaut, wird auch der Ilmenauer bleiben.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.07.2001