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Der Napoleon von der Veddel

Von Gregory Lipinski
Bei der Norddeutschen Affinerie gilt Werner Marnette als ein Urgestein. Dabei sorgt der ?Napoleon von der Veddel? gern für Schlagzeilen ? manchmal auch unfreiwillig. Dies wurde wieder einmal bestätigt.
Werner Marnette ist Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie. Foto: dpa
HB HAMBURG. Nun sorgt der 60-jährige Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie erneut für Aufsehen ? ebenfalls nicht ganz freiwillig: Denn auf Druck der Energieriesen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall wird er am morgigen Freitag seinen Chefposten im Energieausschuss beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) abgeben.Die Versorger hatten den Chef von Europas größter Kupferhütte in einem offenen Brief zu seinem Rücktritt gedrängt. Grund: Marnette geriet bei ihnen in Ungnade. Er hatte den Konzernen immer wieder Preistreiberei vorgeworfen, die dadurch den Industriestandort Deutschland schwer beschädigen würden.

Die besten Jobs von allen

In einem Rücktrittsbrief bedauert Marnette, dass er wegen seiner Äußerungen in die Kritik geraten sei: Die Erwartung, in seiner Funktion ?müsste ich mir eine größere Zurückhaltung in der Sache auferlegen, deckt sich weder mit meiner Überzeugung noch mit meinen Absichten?.Auch in der Hansestadt gibt der Mann mit seinem stets kurz geschnittenen, leicht ergrauten Haaren gern den Ton an. Immer wieder bezieht er als langjähriger Chef des Industrieverbands Hamburg öffentlichkeitswirksam Position, um die wirtschaftliche Entwicklung der norddeutschen Metropole voranzutreiben.Ein Mal setzt er sich für die Erweiterung der Landebahn des Airbus-Werks im ländlichen Finkenwerder ein, ein anderes Mal wendet er sich gegen den drohenden Verkauf des Kosmetikkonzerns Beiersdorf an den US-Riesen Procter & Gamble.Bei der Norddeutschen Affinerie gilt Marnette ? den Mitarbeiter ?Napoleon von der Veddel? nennen ? als ein Urgestein. Der in Aachen studierte Metallurge verbrachte ? bis auf einen Ausflug zur Korf Stahl AG ? seine gesamte berufliche Laufbahn bei der Hamburger Kupferhütte. 1994 stieg er auf zum Vorstandschef. Dabei greift der etwas gedrungen wirkende Manager hart durch, wenn es nötig wird: So baute er die Firma vor rund drei Jahren radikal um, als erstmals seit dem Börsengang der Gesellschaft im Juli 1998 die Dividende ausfiel.Privat hält sich der Familienvater vor allem mit Tennis und Radfahren fit, vor allem am Wochenende. So fährt er in den frühen Morgenstunden mit seinem Rad stundenlang durch die saftig-grüne Elbmarsch ? allerdings ohne seine Frau und seine beiden Kinder, die um sieben Uhr morgens noch nicht mit ihm aufstehen wollen.Für weitere Überraschungen dürfte Marnette sorgen. Denn seit längerem schielt Deutschlands ?Mr. Copper? auf das Präsidentenamt bei der Hamburger Handelskammer ? einem der wichtigsten Posten, um der Metropole standortpolitisch neue Impulse zu geben. Gute Chancen hat der ehrgeizige Manager: Er ist bereits seit Mai 2002 Vizepräsident.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.08.2005