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Der Multimillionär aus dem Sudan

Von Dirk Hinrich Heilmann
Mohammed Ibrahim ist nicht der Mann, der sich auf Lorbeeren ausruht. Vor kurzem hat ihm der Verkauf seines Mobilfunkunternehmens Celtel an kuwaitische Investoren mehr als 700 Millionen Dollar eingebracht. Ibrahim investiert in Afrika - weil es sich lohnt.
LONDON. Ibrahim, den alle hier kurz ?Mo? nennen, empfängt in seinem zweckmäßigen Büro im noblen Londoner Stadtteil Mayfair einen Geschäftspartner nach dem anderen.Fit und ausgeruht wirkt der Mann im feinen Nadelstreifenanzug dennoch. Obwohl nebenan ein Minister aus Sambia auf ihn wartet, zeigt er keinerlei Ungeduld. Den runden Kopf mit Halbglatze und randloser Brille schief gelegt, hört er aufmerksam zu und antwortet offen und in wohl gesetzten Worten.

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Nur bei einem Thema wird er polemisch, bei seinem Thema. Warum investieren nicht mehr Unternehmen in Afrika? Er hat mit Celtel doch bewiesen, dass sich dort gute Geschäfte machen lassen. In nur sieben Jahren hat Celtel über fünf Millionen Mobilfunkkunden in 13 Ländern Afrikas gewonnen ? und zwar nicht in Südafrika oder Ägypten, sondern im Kongo, in Sierra Leone oder Burkina Faso. Länder, die kein westlicher Multi im Blick hat.?Westliche Manager haben Angst vor Afrika, weil sie den Kontinent nur aus Fernsehberichten über Bürgerkriege, Seuchen und Hungersnöte kennen?, ereifert sich Ibrahim. Das sei, als wenn aus Europa nur über Völkermord auf dem Balkan, Bürgerkrieg in Nordirland und Terror in Madrid berichtet würde. ?Dabei leben zig Millionen Afrikaner ein langweiliges, normales Leben.?Und diese Afrikaner haben sich für Celtel als gute Kunden erwiesen. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde lag im vergangenen Jahr bei 21 Dollar im Monat und damit auf dem Niveau, das Mobilfunker in Osteuropa erwirtschaften. Das liegt auch daran, dass sich oft mehrere Familien ein Handy teilen.Ibrahim wurde im Sudan geboren und wuchs in Ägypten auf. Er weiß, wovon er spricht, wenn er von der Revolution erzählt, die das Handy im Leben einer afrikanischen Familie bedeutet. ?Stellen Sie sich mal vor, wie es ist, kein Telefon zu haben, keine funktionierende Post und keine verlässlichen Verkehrsmittel?, sagt er. ?Das Handy verändert dort das Leben der Menschen in einem Maße, wie man es sich in Europa gar nicht ausmalen kann.? Darum seien die Menschen auch bereit, relativ viel dafür auszugeben. Die Kommunikation erlaube es den Menschen zum Beispiel erst, eigene Unternehmen zu gründen. Außerdem fördere der freie Austausch von Informationen die Demokratie in Ländern, in denen die Herrscher die Medien kontrollierten.Als Visionär und echte Leitfigur beschreiben ihn Geschäftspartner. ?Er ist ein erstklassiger Unternehmer, wie es sie leider viel zu selten gibt?, sagt ein Finanzinvestor, der ihn mehr als acht Jahre begleitet hat. Ein langjähriges Board-Mitglied von Celtel rühmt Ibrahims Talent, ein Management-Team aus hellen Köpfen um sich zu versammeln und ihnen Freiraum zu geben. ?Man kann einfach nichts Negatives über ihn sagen?, lobt er.Der Erfolg von Celtel ist für Ibrahim so etwas wie die Krönung seiner Laufbahn, die von der Faszination für die Mobilfunktechnik geprägt ist. Seine Karriere begann nach dem Studium der Nachrichtentechnik und Forschungsjahren in England bei British Telecom, wo er als technischer Direktor an der Entwicklung der Mobilfunktechnik für den privaten Gebrauch arbeitete. Doch der schwerfällige Konzern frustrierte ihn, und er wagte 1989 den Sprung in die Selbstständigkeit. Seine Beratungsfirma MSI kam genau zur rechten Zeit, denn Europas Staaten vergaben Mobilfunklizenzen an Anbieter, die oft keinerlei technische Erfahrung hatten.Die brachte MSI und half, Netze in vielen Ländern aufzubauen ? in Deutschland das von E-Plus. MSI schrieb auch Software für Mobilfunknetze, die weltweit eingesetzt wurde. Die Beratungsfirma wuchs zu einem globalen Unternehmen.Doch Ibrahim zog sich aus dem Tagesgeschäft zurück und fühlte sich unausgelastet. Da erfüllte er sich den Wunsch, etwas an seine afrikanische Heimat zurückzugeben. Er nutzte die technische Erfahrung von MSI, um mit preiswerter Mobilfunktechnik der zweiten Generation Celtel aufzubauen. In Europa wechseln die Netzbetreiber gerade von der dritten auf die vierte Generation. 2000 verkaufte er dann MSI für 618 Millionen Dollar an den Telekomausrüster Marconi ? kurz vor dem Platzen der Telekomblase ?, zwei Jahre später schrieb Marconi den Kaufpreis fast völlig ab.Für den Ausbau von Celtel zu einem Unternehmen mit 5 000 Beschäftigten, 614 Millionen Dollar Umsatz und 147 Millionen Dollar Reingewinn gewann er staatliche Entwicklungsfinanzierer ebenso wie private Finanzinvestoren als Geldgeber ? sie haben jetzt ein Vielfaches ihrer Einsätze zurückbekommen. Doch der Verkauf an die kuwaitische MTC für 3,4 Milliarden Dollar machte nicht nur Ibrahim und die Investoren reich, sondern auch rund 100 Beschäftigte zu Millionären, die meisten davon Afrikaner.?Es ist doch wunderbar, wenn man mit Kopf und Herz in die gleiche Richtung gehen kann?, sagt Ibrahim. Darum will er sich auch weiterhin unternehmerisch in Afrika betätigen. Auch seine Frau, eine Ärztin, mit der er, wenige Schritte vom Büro entfernt, im Herzen Londons lebt, engagiert sich für die medizinische Versorgung im Sudan.Ruhestand kommt für Mohammed Ibrahim nicht in Frage. ?Warum soll ich an einem Strand in Barbados herumliegen?? Aber etwas Freizeit muss sein. So würde er gern sein Handikap im Golf verbessern. ?Es tut mir weh zu sehen, wie lausig ich darin bin?, sagt er und lacht.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.04.2005