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Der Missionar aus dem Westend

Von Michael Maisch
Mit den ?Heuschrecken? von SPD-Chef Franz Müntefering hat Stephan Krümmer nichts am Hut, wohl aber mit Tieren, die ganz eindeutig unter die Rubrik Blutsauger fallen ? Vampirfledermäusen.
Stephan Krümmer
HB FRANKFURT. Der gebürtige Hamburger führt seit Anfang Februar die deutschen Geschäfte der britischen Beteiligungsgesellschaft 3i, und die hält wiederum ein Paket von knapp 20 Prozent am Biotech-Unternehmen Paion, das aus dem Speichel der Fledermäuse einen Wirkstoff gegen Schlaganfälle entwickelt hat.Paion wagte den ersten deutschen Börsengang in diesem Jahr, und die schlagzeilenträchtige Premiere verschaffte nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Beteiligungsgesellschaft Popularität.

Die besten Jobs von allen

3i zählt zu den ältesten und größten Spielern in der Branche und hat in den vergangenen 60 Jahren in rund 40 000 Unternehmen investiert. Dabei konzentrieren sich die Briten nicht auf die spektakulären Milliarden-Deals, sondern eher auf mittelständische Firmen. Eine Klientel, die gerade in Deutschland den Finanzinvestoren oft kritisch gegenüberstand, und das schon lange vor der Heuschreckendiskussion.Hier sieht der 48-Jährige denn auch eine missionarische Aufgabe: Die von der SPD angestoßene Diskussion sei zwar alles andere als glücklich für den Standort Deutschland, berühre aber doch einen wichtigen Punkt, sagt Krümmer. ?Wir müssen die Unternehmen und die Öffentlichkeit besser darüber informieren, was Finanzinvestoren gerade für den Mittelstand leisten und welche Vorteile sie für die gesamte Volkswirtschaft bringen können. Das ist eine Bringschuld unserer Branche.?Wie solche Informationen aussehen könnten, zeigt die jüngste Statistik der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) und des Centre for Management Buy-Out Research (CMBOR). Das Ergebnis der Auswertung von 117 Übernahmen von Mittelständlern in Europa: Für ein Drittel der befragten Unternehmen hätte es ohne eine Eigenkapitalspritze der Finanzinvestoren keine Nachfolgelösung gegeben. Nach der Übernahme durch eine Beteiligungsgesellschaft stieg die Zahl der Mitarbeiter im Schnitt von 263 auf 440. Zumindest diese Statistik widerspricht also dem Vorurteil von den arbeitsplatzfressenden Heuschrecken.Derzeit gehören 3i in Deutschland Beteiligungen an 150 Unternehmen. Zuletzt hat Krümmer den Hersteller von Spezialschleifmaschinen Wendt gekauft. Mit 86 Millionen Euro ein Investment, das selbst für die Verhältnisse von 3i eher bescheiden ausfällt. Bis zu 750 Millionen Euro geben die Briten für eine Übernahme aus. Das Pharmaunternehmen Betapharm kaufte 3i zusammen mit dem Management im vergangenen Jahr für 300 Millionen Euro.Bevor Krümmer in die 3i-Büros in der Bockenheimer Landstraße im vornehmen Frankfurter Westend einzog, hat der zurückhaltende, ehrgeizige und disziplinierte Hanseat einen langen Weg hinter sich gebracht. Nach dem Wirtschaftsstudium im schweizerischen St. Gallen stieg er bei der Unternehmensberatung Bain ein, wechselte dann zum Medienriesen Bertelsmann und brachte es dort bis zum Bereichsvorstand. 1997 sattelte er erneut um und stieg als Management Director bei der kleinen, aber feinen Investmentbank Rothschild ein.Ein völliger Neuling ist Krümmer in der Beteiligungsbranche aber nicht. 2003, nach dem Abgang bei Rothschild, wollte er mit Partnern seinen eigenen Beteiligungsfonds gründen. Aber dann nahm er doch lieber das Angebot von 3i an.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.06.2005