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Der Mann mit dem goldenen Bonus

Von Felix Schönauer, Handelsblatt
Michael Dobson schafft beim britischen Vermögensverwalter Schroders die Wende. Damit erlangt er einen Etappensieg gegen seine Kritiker. Die werfen ihm indessen ständig sein Gehalt vor.
LONDON. In diesem Jahr erhielt Dobson 3,8 Millionen Pfund. Und die Investoren regten sich über seinen scheinbar unlimitierten Bonus auf. Im vergangenen Jahr erhielt er 4,5 Millionen Pfund. Da sorgte eine Millionen-Garantie für Gesprächsstoff.Am Dienstag konnte der Mann, den manche wegen seines Erscheinungsbildes gerne als ?Engländer wie aus einem Hollywood-Casting? bezeichnen, seine Kritiker zumindest vorerst ruhig stellen. Dabei ging es gar nicht um sein Gehalt. Der 53-Jährige legte ein starkes Halbjahr für Schroders vor. Mit einem Vorsteuergewinn von 123,5 Millionen Pfund (fast 180 Millionen Euro) übertraf er die Schätzungen der Analysten um fast ein Drittel.

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Damit hat Dobson wohl vier Jahre nach seinem Start bei Schroders die ersehnte Wende geschafft. Darüber hinaus hat er das Haus gut auf die anrollende Konsolidierungswelle unter den Fondsgesellschaften vorbereitet. Noch ist es allerdings zu früh, um das 1804 als Handelsbank gestartete Unternehmen wieder zu feiern.Dobson selbst, ein großer, energisch wirkender Mann, verbittet sich das ohnehin. ?Wir müssen besser werden?, sagte er am Dienstag im Gespräch. Doch sein ambitionierter Vierjahresplan endet in diesem November, und damit ist die erste Wegmarke passiert. In dieser Zeit wollte er ?das Geschäft wieder in die richtige Form? bringen, wie er sagte. Das hat er auch geschafft.Als der Ex-Vorstand der Deutschen Bank bei dem Institut anfing, schrieb Schroders rote Zahlen. Mitarbeiter waren frustriert, institutionelle Kunden wandten sich ab, die Kosten liefen aus dem Ruder. Heute kommt rund die Hälfte des Gewinns aus dem Privatkundengeschäft.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schon zu Beginn seiner Amtszeit verschlankte er den Verwaltungsapparat.Schon in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit presste Dobson 100 Millionen Pfund an Kosten aus dem Verwaltungsapparat, ohne Investitionen zu vernachlässigen. Gleichzeitig erhöhte er die Gebühren für Fondsprodukte im Schnitt um fast ein Drittel. Zuletzt gründete er mit zwei chinesischen Banken eine gemeinsame Gesellschaft für China, auch wenn diese erst einmal einen Hoffnungswert darstellt.?Es ist schwer zu beurteilen, ob Dobsons Vorgänger nicht schon die richtigen Veränderungen eingeleitet haben?, sagt Bankenanalyst Huw van Steenis von Morgan Stanley. Dennoch ?steht Schroders heute anders da als vor vier Jahren?.Dabei erntete Dobson zunächst heftigen Widerspruch, als er im April 2001 bei dem Vermögensverwalter anfing. Es ging ? wen könnte es überraschen? ? ums Geld.Er arbeitete zu der Zeit für sein eigenes Hedge-Fonds-Vehikel namens Beaumont Capital Management. Um ihn abzuwerben, bot Schroders damals nicht nur für ihn, sondern gleich für den ganzen Fonds. Der Preis von 35 Millionen Pfund sorgte in der City für hochgezogene Augenbrauen und galt sogleich als ?goldenes Hallo? für den Neuen. Für seinen 20-Prozent-Anteil erhielt er gut sieben Millionen Pfund.Dobson gilt als reserviert und äußerst medienscheu. Bei einer kürzlich von Schroders selbst organisierten James-Bond-Party kleideten sich sogar Vorstandsmitglieder wie gewünscht als Superagenten Ihrer Majestät oder wie deren Gegenspieler. Nur der Mann, dessen Konterfei als Vorbild für jeden Bond-Darsteller dienen könnte, blieb der eigenen Party fern.Dennoch ist der Eton-Schüler und Cambridge-Student mit der Fächerkombination Französisch und Deutsch auch in Deutschland bestens bekannt. Nach der Übernahme seines damaligen Arbeitgebers Morgan Grenfell arbeitete er vier Jahre im Vorstand der Deutschen Bank. Dort war er für das Asset-Management und Investment-Banking zuständig. Er brachte Edson Mitchell in die Bank, der bis zu seinem tragischen Tod vor wenigen Jahren das Anleihegeschäft aufbaute, heute ein Juwel der Deutschen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Heute hat er mehr Freiheiten als damals.Dobson trat im Zuge der Fusionspläne mit der Dresdner Bank zurück. Als der stolze und manchmal arrogant wirkende Engländer mitbekam, dass ?sein? Asset-Management als bloße Beigabe zur Allianz wandern sollte, quittierte er angewidert seine Dienste. Die Fusion scheiterte, doch er ließ sich nicht zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen.Bei Schroders hat er heute unter der gleichnamigen britischen Eigentümer-Familie mehr Freiheiten als damals. Doch die Schonfrist wird trotz des guten Ergebnisses nicht lange dauern. Er weiß, dass die Rückkehr zur Profitabilität nur der erste Schritt war. Jetzt geht es darum, dass die Gesellschaft weiter wächst.Das institutionelle Geschäft läuft noch immer nicht gut. Auch will er das Amerika-Geschäft stark ausbauen, ein Bereich, mit dem er erkennbar unzufrieden ist. ?Die USA könnten für uns der beste Wachstumsmarkt werden?, sagte er am Dienstag. Dazu verfügt Schroders über einen Berg von Geld, fast 760 Millionen Pfund für Übernahmen. Dobson sagte zudem, er könne sich in den USA einen Vermögensverwalter für Aktienfonds oder für Anleihen vorstellen, wo sein Institut bislang nicht engagiert ist.Doch angekündigt hat er Übernahmen schon lange. ?Wie gut Dobson wirklich ist, wird sich erst erweisen, wenn er sie wahr macht?, sagt ein Banker. Und selbst wenn ihm ein guter Deal gelingt, schützt ihn das nicht vor Kritik. Die kommt spätestens im nächsten Jahr, wenn sein Gehaltspaket veröffentlicht wird.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.08.2005