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Der Mann im Hintergrund

Von Katharina Kort
Romain Zaleski mischt in Italien überall mit. Allein sein Name lässt Unternehmensbosse und Banker aufschrecken. Doch der 74-Jährige meidet öffentliche Auftritte und hat für Luxus nicht viel übrig. Stattdessen setzt er auf Substanz und Standhaftigkeit.
Italienische Börse in Mailand: Aus dem Hintergrund heraus arrangiert Zaleski seine Beteiligungen. Foto: AP
MAILAND. Schon als Kind hat Romain Zaleski Standfestigkeit bewiesen. Als er im Jahr 1944 im Alter von elf Jahren nach einem Familienbesuch in Warschau stecken bleibt, wird seine Mutter vor seinen Augen von der Gestapo verhaftet. Der unscheinbare Junge folgt den eilig gegeben Anweisungen der Mutter und spielt den Postboten für die Widerstandskämpfer. Erst nach dem Krieg findet die Familie in Paris wieder zusammen.Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat Zaleski an Zähigkeit nichts eingebüßt, auch wenn die Widerstände heute eher finanzieller Natur sind. Der in Frankreich geborene Financier polnischen Ursprungs ist eine der einflussreichsten Figuren in der italienischen Wirtschaft. Sein Name reicht, um Unternehmensbosse und Banker aufschrecken zu lassen. Zaleski ist einer der erfolgreichsten Investoren Italiens. Ob der Versicherer Generali, das Energieunternehmen Edison oder die Großbank IntesaSanpaolo ? in fast allen wichtigen Finanztransaktionen hat der Financier seine Finger im Spiel.

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Seit 23 Jahren lebt Zaleski nun schon in Italien ? wenn auch eher im Verborgenen. Anders als die Fiat-Gründer-Familie Agnelli oder auch der ehemalige Telecom-Italia Hauptaktionär und Pirelli-Chef Marco Tronchetti-Provera agiert Zaleski lieber im Hintergrund. Der 74-Jährige meidet öffentliche Auftritte und hat auch für großen Luxus nicht viel übrig. Trotz seines beachtlichen Vermögens verzichtet er auf Statussymbole wie den eigenen Chauffeur.?Ihm geht es mehr um die Substanz?, sagt einer, der ihn kennt. Ein Reihenhaus im Nordosten Mailands dient als Haus und Büro für den drahtigen Herrn mit den dünnen grauen Haaren um die Halbglatze. Das Büro hat er in der Garage eingerichtet. Dabei ist das Häuschen alles andere als ein Rentnerdomizil. Von hier aus kontrolliert Zaleski sein Imperium von Beteiligungen in Italiens Finanz- und Unternehmenswelt, dessen Wert auf knapp sieben Milliarden Euro geschätzt wird.?Er mag das Understatement. Es würde mich sehr wundern, wenn er demnächst ?Zaleski International? an der Piazza Duomo in Mailand eröffnet?, sagt ein Beobachter über den Katholiken, dessen Wohnort Ikonen schmücken und der eher aus Liebe zu seinen Söhnen ein AC Mailand-Fan ist. Zaleski, der noch immer fließend polnisch spricht und mit einer Stiftung die polnische Kultur fördert, könnte sich einen luxuriöseren Lebensstil durchaus leisten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zaleski legt sich mit einer Institution an, die bisher allein Italiens Wirtschaft bestimmt hat: Die Mediobanca.Sein erster großer Auftritt in der heutigen Wahlheimat Italien geht auf die 80er-Jahre zurück. 1984 ist der damals 51-jährige Ingenieur als Vorstandsvorsitzender des kriselnden Eisenindustrie-Unternehmens Carlo Tassara in der Nähe von Brescia angetreten. Er schafft es, das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zurückzubringen. Als Dank erhält er ein Viertel der Anteile an der Gesellschaft. Später kauft er die Mehrheit von der Familie ab, um noch später Carlo Tassara als Investmentvehikel in Italien zu nutzen. Vor allem in den 90er-Jahren profiliert sich Zaleski endgültig als Investor ? oder als ?Raider?, wie böse Zungen sagen. Im Jahr 1996 versucht er zunächst, das Traditions-Industrieunternehmen Falck zu übernehmen, gibt sich aber geschlagen, als das Industriekonglomerat Montedison ein Übernahmeangebot vorlegt. Immerhin: Für seine 38,5 Prozent streicht er einen Gewinn von 600 Milliarden Lire ein ? was heute rund 300 Millionen Euro entspricht. Das Dreifache seines Einsatzes.Romain Zaleski geht mit seinen Investitionen aber nicht nur ein industrielles Risiko ein. Er legt sich als Ausländer auch mit einer Institution an, die bisher allein das Wirtschaftsgeschehen in Italien bestimmt hat: Der Mediobanca. Unter der Führung von Enrico Cuccia agierte die Mailänder Geschäftsbank damals als Schaltzentrale der Macht. Hinter verschlossenen Türen entscheidet Cuccia, wer in Italien was kaufen darf. Und der polnisch-französische Investor stand nicht auf seiner Liste. Cuccias Mediobanca ist es auch, die hinter dem Gegenangebot von Montedison für Falck steht, das die Übernahme durch Zaleski verhindert.Doch der Mann mit dem markanten französischen Akzent beweist erneut Standhaftigkeit und versucht wenige Monate später, direkt Montedison zu übernehmen. Das Ganze zieht sich hin, bis er sich schließlich sechs Jahre später mit dem französischen Energiekonzern EDF alliiert. Über Montedison gelangt er an die Kronjuwelen Edison und Italenergia, die er später zum doppelten Preis verkaufen wird.?Furbo? nennen ihn Leute, die mit ihm Karten gespielt haben, ein Wort, das die Italiener respektvoll für ?gerissen? sagen. Und Karten spielt er gerne und gut, vor allem Bridge. Der ehemalige französische Meister teilt dieses Hobby mit dem Milliardär Bill Gates, den er auf Turnieren trifft. Auch im vergangenen Jahr, als die Verhandlungen zwischen den beiden italienischen Großbanken Sanpaolo und Banca Intesa laufen, war der Großaktionär mit seiner Familie weit weg in China bei den Bridge-Weltmeisterschaften der Frauen.Seine anderen Leidenschaften heißen Energie, Mineralien und Metalle. Einmal versucht er sich ausnahmsweise auch außerhalb der italienischen Grenzen, als er sich mit knapp zwei Milliarden Euro an dem luxemburgischen Stahlhersteller Arcelor beteiligt. Und er hat Erfolg: Im Juni des vergangenen Jahres streicht der Financier für seine Beteiligung insgesamt 400 Millionen Euro ein, als der indische Konzern Mittal ein Übernahmeangebot für den luxemburgischen Stahlhersteller vorlegt.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Das letzte Gerücht sieht Zaleski bereits als Aktionär von Mediobanca.In der jüngsten Zeit sind dagegen die Banken an der Reihe: Zaleski, der auch an dem Versicherungsriesen Generali beteiligt ist, hat erst jüngst für 300 Millionen Euro rund zwei Prozent an der toskanischen Banca Monte dei Paschi di Siena gekauft. Das ist nicht viel, doch bei Zaleski reichen solche Beteiligungen, um die Finanzwelt zu verunsichern. Zaleski ist zwar für seine Vorliebe von rein finanziellen Zwei-Prozent-Beteiligungen bekannt. ?Aber man weiß bei ihm nie, wann er mehr will?, sagt ein Mailänder Analyst.Das letzte Gerücht sieht Zaleski bereits als Aktionär von Mediobanca. Immerhin hat er in der Vergangenheit selbst Generali und Mediobanca einmal die ?Juwelen der italienischen Finanz? genannt. Nach den Steinen, die die Mailänder ihm in der Vergangenheit in den Weg legen wollten, wäre es eine späte Genugtuung.
Mit gezielten Schritten zum Erfolg1933: Romain Zaleski wird in Paris geboren.1953: Nach dem Abschluss mit Auszeichnung der Ecole Polytechnique absolviert Zaleski auch die Ecole des Mines und tritt in den Staatsdienst. Zunächst arbeitet er im Industrieministerium. Später wird er Schatzmeister der liberalen Partei UDF unter Giscard d?Estaing.70er-Jahre: Zaleski wird Direktor des französischen Konglomerats Revillon.1984: Zaleski wird Vorstandsvorsitzender des kriselnden Unternehmens Carlo Tassara.90er-Jahre: Immer häufiger tritt er als Financier bei Italiens Unternehmen und Banken auf. Zaleski greift damit das italienische Establishment rund um Mediobanca an.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.07.2007