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Der Maden-Mann

Von Christoph Mohr, Junge Karriere
Sein Geschäft ist der Tod ­ oder das, was vom Leben übrig bleibt. Vom menschlichen Körper. Verfault und zerfressen von Maden und Fliegen. Anhand "biologischer Spuren" überführt Mark Benecke, diplomierter Biologe und promovierter Mediziner, Mörder.
KÖLN. Der Kölner ist Deutschlands einziger "öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für biologische Spuren" und als Kriminalbiologe ein gesuchter Mann ­ bis nach Amerika und Asien. Dabei interessiert Benecke die Verurteilung von Mördern nicht die Made. Gerechtigkeit auch nicht. "Ich bin Naturwissenschaftler", sagt Benecke. "Mich interessiert, ob etwas nachweislich so ist oder nicht so ist."Wo anderen aus Ekel zum Brechen ist, bleibt Benecke Spurensucher am Tatort. Kein skurriler Einzelgänger im Leichenschauhaus. Der Turnschuhträger, der auch den Freak aus der Kölner Südstadt geben könnte, ist ein artikulierter, biologistischer Rationalist. Der Tod hat für ihn nichts Mysteriöses oder Metaphysisches; er "gehört untrennbar zum Kreislauf des Lebens", schreibt Buchautor Benecke. "Die Lebensspanne ist in der DNA vorherbestimmt. Ewiges Leben würde die dauernde Verjüngung und Erneuerung der Lebewesen verhindern und die notwendigen Umweltanpassungen im Keim ersticken. Und gerade diese Umweltanpassung ist das zentrale Element der Evolution ­ um sie zu beschleunigen, hat die Natur die Sexualität erfunden."

Die besten Jobs von allen

"Wie funktioniert Leben?" habe er sich während seines Biologiestudiums gefragt, erzählt Benecke. "Dann habe ich mir gesagt: Das habe ich jetzt verstanden, damit ist es gut." Dann suchte der Ingenieurssohn nach der praktischen Anwendung, nach "Forschung mit Bodenhaftung". Und kam über ein Genetik-Praktikum zur Polizei und zur Kriminalbiologie. "Einfach nur, weil das halt spannend ist."Benecke ist ein Mann vieler Talente, spielt in einer Rockband und schreibt für große deutsche Tageszeitungen über Erfinder ­ oder auch den Porno-Star Gina Wild. Und spiegelt sich in diesen "randständigen Existenzen, die für die Gesellschaft wichtig sind", ein bisschen auch selbst.Internet: www.benecke.com
Dieser Artikel ist erschienen am 27.06.2002