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Der lange Weg zur deutschen Elite-Uni

Von Fabian Leber, NEWS
Deutschlands Unis hinken international hinterher. Die Bundesregierung will bald zehn deutsche Elite-Unis schaffen ? doch die Länder treten beharrlich auf die Bremse.
Gestern nun verkündeten Regierungskreise in Berlin den Durchbruch bei der Finanzierungsgesprächen. Einige Kultusminister dementierten zwar umgehend, trotzdem möchte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn noch in diesem Jahr den Wettbewerb um die besten deutschen Unis starten.Was soll eine Elite-Uni von anderen unterscheiden?

Die besten Jobs von allen

Zunächst einmal werden die zehn ausgewählten Unis einfach mehr Geld erhalten. Im Jahr will der Bund zusammen mit den Ländern 380 Millionen Euro für die Spitzenförderung ausgeben. Das zusätzliche Geld soll ab 2006 in zwei Runden auf die Sieger eines Wettbewerbs verteilt werden. Außerdem sollen einzelne Labors als sogenannte Exzellenzcluster unterstützt werden. Unterm Strich kämen pro Universität rund 25 Millionen Euro im Jahr zusammen. Zum Vergleich: Der Etat der Frankfurter Goethe-Uni beläuft sich auf 263 Millionen Euro jährlich. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt den Bedarf dagegen auf rund 60 bis 100 Millionen Euro im Jahr.Wer darf an den Elite-Unis studieren?Im Juli hat der Bundestag die Grundlagen für eine stärkere Auswahl der Studenten durch die Unis geschaffen ? eine Voraussetzung für die Einführung von Elite-Unis. Die Hochschulen dürfen ab dem Wintersemester 2005/2006 bis zu 60 Prozent ihrer Studenten selbst auswählen. Mit der Zuweisung von Studenten in den Fächern mit einem Numerus Clausus dürfte dann weitgehend Schluss sein. Die Rolle der immer wieder kritisierte Zentralstelle für die Studienplatzvergabe (ZVS) wird also stark beschnitten: Nur noch über 40 Prozent der Bewerber wird sie entscheiden können, je 20 Prozent der Studenten wird sie nach Abiturnote beziehungsweise nach Wartezeit verteilen. Schon bisher hatten die Professoren das Recht, rund ein Viertel ihrer Studenten auszuwählen, nahmen dies aber nur selten war.Reicht Geld allein aus, um die Unis voranzubringen??Eliten kann man nicht verordnen?, sagt der Bildungsexperte Andreas Schleicher. Auch Gerhard Roth, der Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes, glaubt nicht, dass durch Geld automatisch alles besser wird. Die Studienstiftung fördert schon jetzt Studenten mit besonderer Begabung durch ein Stipendium. ?Für diese Studenten wünsche ich mir eher eine stärkere inhaltliche Unterstützung etwa bei der Studienplatzwahl.? Ein weiteres Problem: Das zusätzliche Geld soll vor allem in die Forschung gesteckt werden, nicht in die Lehre. Edelgard Bulmahn ficht das nicht an: ?Auch die Förderung der Forschung hat Rückwirkungen auf die Lehre.?Wie machen es die anderen Länder?Ein Beispiel dafür, dass auch Elite-Universitäten das Bildungssystem nicht unbedingt nach vorne bringen, ist Frankreich. Die dortigen ?Grandes Ecoles? sind zum abgeschotteten Reservoir für Kindern aus Oberschichtfamilien geworden. Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel die Schweiz: Sie kennt keine Elite-Hochschulen. Doch alleine zwei Universitäten, darunter die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich, landen regelmäßig unter den Top Ten der weltbesten Unis. Das Geheimnis dieses Erfolgs: Die Schweizer Hochschulen haben sich die Fachgebiete untereinander aufgeteilt ? jede Uni überzeugt durch eine individuelle Spezialisierung.Bald fällt die Entscheidung über StudiengebührenDas Bundesverfassungsgericht verhandelt ab heute über das bundesweite Verbot von Studiengebühren. Aus Sicht von sechs Ländern verletzt der Bund mit seinem Gebührenverbot ihre Zuständigkeit. Mit einem Urteil wird erst in einigen Monaten gerechnet. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) warnte gestern vor unterschiedlichen Regelungen in den Ländern. Sollte Karlsruhe das bundesweite Verbot von Studiengebühren kippen, kämen auch SPD-Länder in eine schwierige Situation, sagte der SPD- Politiker der ?Financial Times Deutschland?. ?Ich kann es nicht akzeptieren, ein Drittel mehr Studenten mit einem kostenfreien Studienplatz zu versorgen?, sagte Zöllner. Der Minister erwartet eine Schwemme von Studienanfängern, wenn andere Länder Gebühren einführen.Quelle: News Frankfurt
Dieser Artikel ist erschienen am 09.11.2004