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Der Lange Weg aus der Misere

Deutschland spart sich dumm und dämlich... Die Diskussion ist dieselbe wie im vergangenen Jahr. Nur wird sie dieses Mal noch lauter geführt. Und das ist gut so. Auslöser für das Geschrei ist die jährlich vorgestellte, internationale Vergleichsstudie ?Bildung auf einen Blick? der OECD. Laut Bericht gibt es in Deutschland von allem zu wenig: zu wenig vernünftige Kindergärten und Schulen, ergo zu wenig Abiturienten und Hochschulabsolventen.

Während etwa die USA 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Bildung stecken, investiert die Bundesrepublik nur 5,3 Prozent. Hierzulande nehmen 35 Prozent der Schulabgänger ein Studium auf; in Finnland oder Australien sind es mehr als doppelt so viele. Zum Examen schaffen es an deutschen Hochschulen schließlich nur 19 Prozent eines Altersjahrgangs ? eine der niedrigsten Quoten der OECD-Länder.

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Warum das für die Produktivität Deutschlands fatal ist, erklärt der Leiter der Studie, Andreas Schleicher: ?Hochschulabsolventen beziehen im Leben 164 Prozent des Gehalts von jemandem, der nur Abi und Lehre hat. Und das Arbeitslosigkeitsrisiko für Akademiker liegt 50 Prozent unter dem von Nichtstudierten.? Ernste Befunde ? aber im Vergleich zum Vorjahr nicht neu. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Doris Ahnen erinnert daran, dass die Daten des aktuellen Berichts aus dem Jahr 2002 stammen. Reformschritte, die in den letzten beiden Jahren eingeleitet wurden, seien an diesen Zahlen nicht abzulesen. Bundesweit einheitliche Bildungsstandards, Zentral-Abi, straffere Bachelor- und Masterstudiengänge ? bis das wirkt, vergehen noch ein paar Bildungsberichte. Dass sie einmal im Jahr Gezeter auslösen, ist aber gut fürs Reformtempo.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.09.2004