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Der Krieger der Liga

Von Paul Sahner, Handelsblatt
Florian Homm ist Großaktionär bei Borussia Dortmund. Ein Mann, der Sieger mag und Verlierern aus dem Weg geht.
Florian Homm Foto: dpa
Homm bewegt Milliarden. Noch mehr als seine fetten Havannas genießt der durchtrainierte Zwei-Meter-Riese, der in vier Jahren von 125 Kilo auf 100 Kilo abspeckte, seinen Ruf als umstrittener Hedge- Fonds-Manager. ?Schon okay,? sagt er, ?wenn man mich Plattmacher, Kurskiller oder Aasgeier nennt. Viel Feind, viel Ehr?. Man darf sich nicht immer so ernst nehmen.?Dann strafft der ehemalige Basketball-Nationalspieler seinen ansehnlichen Brustkorb: ?Ich habe Dutzende Firmen an die Börse begleitet, viele Arbeitsplätze geschaffen und etliche Investment-Auszeichnungen bekommen, darunter ,bester US-Manager?.?

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Homm sieht sich als Krieger. Sein neues Schlachtfeld ist das Westfalenstadion. Etwa 20 Millionen Euro hat er bereits in den krisengeschüttelten Traditionsverein Borussia Dortmund gebuttert. Etwa 25 Prozent der Aktien hält er.Das Management, den Trainer und vor allem die Spieler sieht er als Gegner. Die ihn auch. Also provoziert er die Borussen-Profis: ?Blei aus den Füßen! Matsch aus der Birne! Kämpfen, kämpfen, kämpfen!? Homm genießt es, dass die Leute ihn als harten Hund sehen. Da ist er wie sein Großonkel, der legendäre Versandhauskönig Josef Neckermann. Homm nennt ihn Necko. Wenn der Dressur-Olympiasieger Homm anherrschte, weil er nicht korrekt im Sattel saß, fühlte sich der wie im Straflager. Heute spricht er voller Hochachtung von Necko, dem Lehr- und Zuchtmeister: ?Der Drill hatte was. Das war teilweise paramilitärisch.?Homm, dessen Vater ein mittelständischer Handwerksunternehmer war, sieht sich als Rocky. Kleiner Unterschied: Statt der Fäuste benutzt er seinen Kopf. Von früher erzählt er gern. Immer im Stakkatostil: Mit elf auf dem Bau, Schulferien finanziert. Mit 16 weg von zu Hause. Mit 17 Detroit, Begabten-Stipendium. Mit 18 Harvard. Mit knapp 19 die erste Firma.Sofort Millionär? ?Keine Zahlen.? Attacke auf Warren Buffet? ?Das ist, als wollte man mich mit Dirk Nowitzki vergleichen, gegen den ich Basketball gespielt habe. Ich war ein Talent. Er ein Jahrhunderttalent. Der Vergleich mit Warren Buffet ist ein bisschen peinlich.?Gleichwohl zeigte er extremen Ehrgeiz. Er legte los wie Getty. Milliardär wollte er werden. Fuhr Ellenbogen aus. Bückte sich auf der Straße nach jedem Cent. Und ging, wenn es sein musste, über Leichen.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Er fand den Club der Millionäre zum Kotzen.Doch dann schaute er sich den Club der Milliardäre an. Und fand den zum Kotzen: ?Die haben sich nur über ihre Spielzeuge unterhalten: Wer hat das größte Flugzeug, die meisten Frauen? Fast wie früher im Sandkasten oder ein pubertärer Penisvergleich. Wenn sie nicht geschieden waren, lebten viele in miserablen Ehen. Die Kinder waren oft im Wohlstand verwahrlost. Sie waren nicht nur unhöflich, sie waren meistens auch unglücklich.?Wollte er das seiner Familie nicht zumuten? ?Bevor meine Kinder Conrad und Isabell laufen konnten und Papa sagten, war ich kein guter Vater. Dann kam eine entscheidende Phase. Bis dato hatte ich nur gearbeitet. Plötzlich saß ich da und dachte: Wenn ich jetzt einen Unfall hätte und sterben würde, hätte ich was verpasst. Mit diesen kleinen Lebewesen und meiner Frau mehr Zeit verbringen war mein Wunsch. Auch mal einen Freund anzurufen, einen Ausflug machen ? das hatte ich damals verpasst. Nun nicht mehr. Dafür nehme ich mir jetzt die Zeit.?Seine Frau Susan Devine, 43, ist in Rio geboren und in Amerika aufgewachsen. Homm sagt: ?Es ist ein Weltwunder. Jede andere Frau hätte dieses Leben nicht durchgestanden. Im siebten Ehejahr hatte ich meine absolute Kontrollphase. Ich fing plötzlich an, meine Frau als Angestellte zu behandeln. Sie sagte: ,Ändere dich, oder ich packe unseren Sohn ein und ziehe aus.? Da musste ich überlegen, wo ich stehe. Andererseits bin ich einer, der wie ein Pitbull rangeht.?Kürzlich am Wochenende ließ sich Florian Homm von Palma nach Granada fliegen. Sein Flugzeug nennt er Flugvehikel. Sein Pilot heißt Schnell. Dass die Borussia-Aktie in diesen Tagen auf unter zwei Euro stürzte, interessierte den Abenteurer weniger. Abfahrten in der Sierra Nevada waren angesagt. Stets das Letzte aus sich rausholen.Im Sommer springt er von Klippen ins Meer, fährt Wasserski: ?Man kann sich auch zu Tode analysieren. Verhält man sich nur kopfgesteuert, verpasst man die Hälfte im Leben. Schalte ich mein Hirn aus, fühle ich mich gut. Das geht auch bei einer phantastischen Liebesnacht.?Der Morgen danach. Das Wochenende ist vorbei. Wie ein Feldherr steht er auf der Terrasse seines Herrenhauses in Palma, blickt auf die Kathedrale. Höchste Zeit für ein paar Fragen.Statt an der Bundesliga-Spitze mitzumischen, kämpft Dortmund gegen den Abstieg. Bereut er sein Engagement? ?Dafür ist es zu früh. Trainer van Marwijk und die Spieler haben enormes Potenzial. Fünf Millionen Borussen-Fans fiebern und leiden mit dem Verein. Kein Verein in Europa hat mehr Zuschauer. Ein weiterer Großaktionär scheint dieses Potenzial auch erkannt zu haben. Trotzdem ist die Gesellschaft gefährdet.?Was heißt das? ?Die Sünden der Vergangenheit waren eklatant. Jetzt gibt es nur eine Marschrichtung: runter mit den Kosten, Besinnung auf essenzielle Werte wie Fleiß, Strebsamkeit, Sparsamkeit. Jeder muss sein Bestes geben: Management, die Vereinsbosse und die Spieler. Auch mit den Kreditoren, den Banken und den Aktionären muss gearbeitet werden, um die angeschlagene Bilanz und Gewinnrechnung nachhaltig zu stärken. Dies ist die oberste Management-Aufgabe.?Lesen Sie weiter auf Seite 3:Als Investor sehe ich mittelfristig schwarz. Schmeißt er hin beim Abstieg? ?Diese Frage müssen Sie mir in sechs Monaten stellen. Als Investor sehe ich mittelfristig schwarz. Und zwar eine schwarze Null. Der Leistungsdruck liegt aber auf dem Verein und dem Management. Als Großaktionär ist unser Einfluss auf starke Impulse beschränkt.?Und doch zieht Homm die Schrauben an: ?Bei einem überzeugenden Finanzierungskonzept beabsichtigen wir, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Aber die klar definierten Vorgaben des Restrukturierungsplans müssen auch gewissenhaft und zeitgemäß vom Management umgesetzt werden.?So spricht ein Mann, der Sieger schätzt und Menschen verachtet, die sich nicht mit aller Kraft gegen die Niederlage stemmen. Auch das hat er von Onkel Necko.Dessen Credo war: Was du machst, mach es richtig! Sei unbequem, wenn es sein muss! Geh deinen Weg! Lass dich nicht beirren!
VitaFlorian Homm gilt als eine schillernde und umstrittene Figur in der internationalen Finanzwelt. Der Spross aus der Necker- mann-Dynastie wuchs in der hessischen Kurstadt Bad Homburg auf und gründete bereits mit 18 Jahren seine erste Aktiengesellschaft. Noch bevor er sein Examen an der Harvard Business School absolvierte, gehörte er zu den jüngsten Aktienanalysten von Merrill Lynch, einer der größten Investmentbanken der Welt. Einige Zeit später folgte dann der Wechsel zur Fondsgesellschaft Fidelity. Homm kaufte 1993 die ?Krösus? Vermögensverwaltungsgesellschaft. Weitere Investmentgesellschaften gründete er auf den Cayman-Inseln. Dem früheren Basketball-Nationalspieler werfen Gegner vor, durch gezielte Spekulationen, wie zum Beispiel beim Software-Haus Trius, Unternehmen in Bedrängnis zu bringen oder zu zerschlagen.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005