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Der King Kong von Hollywood

Von Frank Siering
Peter Jackson sprengt mit seinem neuen Werk alle Rekorde ? und wird gleichzeitig zum Business-Revoluzzer unter den Regisseuren. Von einem der mächtigsten Männer Hollywoods erwartet man zumindest eine etwas angenehmere Optik. Doch Erwartungen sind Peter Jackson nun mal herzlich egal, er trägt dasselbe T-Shirt auch gerne mal an vier Tagen in der Woche. Auch die Sache mit der täglichen Rasur trifft bei ihm nicht auf Begeisterung.
HB LOS ANGELES. Worüber er nicht so gerne spricht: seine Millionen, die ihm der Megaerfolg der ?Herr der Ringe?-Trilogie eingebracht hat. ?Der hat so viel Kohle mit uns verdient, davon kann er Bagdad ganz alleine wieder aufbauen?, sagt ein Jurist von New Line Cinema, der lieber ungenannt bleiben möchte. Ein aufgebrachter Jurist, sollte an dieser Stelle vielleicht hinzugefügt werden.Denn Jackson, dessen neues Werk ?King Kong? am 14. Dezember in die deutschen Kinos kommt, fühlt sich hintergangen von den New-Line-Bossen, einer Tochter des Mediengiganten Time Warner. So hintergangen, dass er das Studio kurzerhand verklagte. Rund 100 Millionen Dollar will er. Bisher hat er nach Branchenmeinung durch die Fantasy-Geschichte um die Hobbits und den einen Ringe, der alle knechten soll, bereits 200 Millionen Dollar kassiert.

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Jene 100 Millionen Dollar aber stünden Jackson auch noch zu, meinen seine Anwälte. New Line soll sich das Geld durch ein kompliziertes Verteilersystem in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben. ?Mr. Jackson fühlt sich frank und frei beschissen von New Line?, sagt sein Rechtsbeistand Peter Nelson. Habe das Studio doch den Verkauf von DVDs und anderen Produkten der Oscar-gekrönten Trilogie still und heimlich Subunternehmen von Time Warner zugeschustert, statt auf dem gesamten Markt nach Partnern zu suchen, um so den ?optimalen Marktwert? herauszuholen. Deshalb fielen die Bruttogesamteinnahmen deutlich geringer aus, als sie ?bei einem fairen Wettkampf um die Vermarktungsrechte hätten ausfallen können?, argumentiert Nelson.Time Warner stört das weniger, schließlich bleibt mehr Geld im Konzern. Für den Regisseur aber, der an den Einnahmen beteiligt ist, geht es um den gesamten Umsatz, der mit Film und Nebenprodukten erzielt wird.?Ich bin stinksauer?, soll Jackson auf dem Set von ?King Kong? seinen engsten Mitarbeitern anvertraut haben. So sauer, dass der Filmemacher bei seinem neuen Projekt vorgesorgt hat.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mehr als 20 Millionen Dollar Gage 20 Millionen Dollar Gage plus 20 Prozent der Gesamtbruttoeinnahmen von ?King Kong? gehen diesmal an ihn. Industrieexperten rechnen damit, dass der Megafilm in die Umsatzregionen des ?Herrn der Ringe? aufsteigt ? und seinen Regisseur zum King Kong von Hollywood macht. Das Budget bricht bereits jetzt alle Rekorde: 200 Millionen Dollar hat der drei Stunden lange Riesenaffen-Streifen verschlungen. ?Jackson verdient sich wieder einmal eine goldene Nase?, prophezeit Peter Hoffman, ein Steueranwalt für führende Hollywood-Produzenten.Solch wuchtige Summen stärken das Selbstbewusstsein. Und deshalb hat Jackson mit der Klage gegen seinen Arbeitgeber New Line auch ein Tabu in Hollywood gebrochen. ?Er beißt die Hand, die ihn füttert?, sagt New-Line-Sprecher Richard Socarides.Doch Jackson legt als Erster den Finger auf eine Wunde, die bisher still vor sich hin blutete: die Ausbreitung der vertikal integrierten Medienmaschine in den USA. ?Durch die Vereinnahmung unzähliger Subunternehmen ist es Konglomeraten wie Disney, Time Warner, News Corporation oder auch Viacom und Sony heute ein Leichtes, Vertriebs- und Merchandising-Rechte an eigene Divisionen in der Firma zu verkaufen?, schreibt die ?New York Times? ? zum Wohl der Medienkonzerne und zum Nachteil der anderen am Film Beteiligten.Bisher haben die Starregisseure, -produzenten und -autoren, sprich: die Spielbergs und Lucas, die Ausbreitung der Mediengiganten stillschweigend geduldet. Warum auch nicht, verdienen sie doch Millionen an ihren Filmen. Nun aber beschmutzt Jackson das eigene Nest, indem er diese Konzernsynergien als ?self-dealing? bezeichnet, als Spiel, bei dem sich einer die Karten aussuchen darf.Jackson ist damit der Revoluzzer Hollywoods. Ein Vorstoß, der schnell nach hinten losgehen kann. ?Das Verhalten von Mr. Jackson kann mühelos als reine Geldgier bezeichnet werden?, schimpft New-Line-Sprecher Socarides. Und Robert Schwarz, er verteidigt New Line gegen den Aufrührer, fügt hinzu: ?Es würde mich nicht wundern, wenn Mr. Jackson am Ende mit leeren Händen dasteht. Seine Anschuldigungen sind haltlos.?Derweil hat New Line unlängst eine erste Niederlage in der ?Herr der Ringe?-Kontroverse einstecken müssen. Saul Zaentz wurde ein Scheck über 169 Millionen Dollar zugestellt. Zaentz war es, der die Rechte an den ?Herr der Ringe?-Büchern 1976 für New Line sicherte. Die versprochenen Gewinnausschüttungen hatte die Buchhaltung des Filmstudios ?aus Versehen? auf ausländische Nettoeinnahmen und nicht ? wie in der Branche üblich ? auf Gesamtbruttoeinnahmen angesetzt.Ein Fehler, den auch Peter Jackson mit Genuss registriert haben dürfte. Ein neues T-Shirt ist bei solchen Summen allemal drin.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Peter Jackson Vita von Peter Jackson1961: Er wird in Pukerua Bay, Neuseeland, geboren.1976: Spielt er zum ersten Mal in einem Film mit, dem 20 Minuten langen ?The Valley?. Ansonsten jobbt er bei einer Zeitung, bis er genügend Geld für eine 16-Millimeter-Kamera zusammenhat.1987: Nach vier Jahren Arbeit kommt Jacksons selbst geschriebener Erstling ?Bad Taste? in die Kinos: ein blutiger Film über Außerirdische, die Menschenfleisch lieben. Der Film wird zum Kult-Hit. Im gleichen Jahr heiratet er Fran Walsh. Das Paar hat heute zwei Kinder im Teenager-Alter.1994: Mit ?Heavenly Creatures? wird Jackson international bekannt.2001: Schon der erste Teil der ?Herr der Ringe?-Trilogie macht ihn zum Regie-Superstar. Die drei Filme kassieren insgesamt 17 Oscars.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2005