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Der Jammerlappen

Cornelius Welp, Wirtschaftswoche
Selbst gute Vorschläge sind für ihn Torheiten, positive Energie absorbiert er wie ein schwarzes Loch das Sonnenlicht. Das nächste Spiel ist das Schwerste, und verloren ist es sowieso schon vor dem Anpfiff.
Innerlich hat dieser Typ längst gekündigt, sein Verbleiben im Unternehmen hat einzig den Zweck, den Kollegen die Sinnlosigkeit ihres Tuns vor Augen zu führen. Schon ein derartiger Schwarzseher reicht aus, die Motivation eines Teams deutlich zu drücken. Zumal er nichts dazu beiträgt, dessen Leistung zu verbessern.

Strategie: So viel er auch klagt, er wird sich kaum aufmuntern lassen. Der beste Weg, mit einem Schwarzseher umzugehen, ist ihn zu ignorieren und sich nicht entmutigen zu lassen. Sein Ziel ist es, die anderen zu demotivieren, denn im Unglück ist keiner gerne allein. Wenn er merkt, dass er das nicht erreicht, wird er sich murrend in sein Schicksal ergeben. Geschickt kann es sein, seine Befürchtungen im Gespräch ins Irreale zu übertreiben. Häufig werden sie dann auf ein normales Niveau zurückgefahren. Und die Ankündigung, das Projekt dann eben ohne ihn durchzuziehen, kann Wunder wirken. Auf einmal hält er das eben noch heftig torpedierte Vorhaben für doch nicht ganz so abwegig.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.02.2002