Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der Ingenieur des Buches

Hans-Peter Siebenhaar
Markus Dohle treibt als neuer Chef von Random House die Industrialisierung des Mediums voran. Ihn an die Spitze des weltgrößten Buchverlages zu berufen, hat für Verwunderung gesorgt.
Markus Dohle entspannt sich gerne auf der Insel Juist.
DÜSSELDORF. Wenn es Markus Dohle zu viel wird, zieht er sich gerne zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern auf die friesische Insel Juist zurück. Dort gibt es keine Autos, nicht einmal Druckmaschinen, sondern nur Sonne, Strand und Meer. Das Nordsee-Eiland wird der 39-jährige Chef des Bertelsmann-Druckgeschäfts künftig nur selten sehen.Denn der Arvato-Vorstand verlässt seinen Posten als Chef der Bertelsmann-Druckereien in Gütersloh und wird Vorstandschef des Buchkonzerns Random House in New York. Am kommenden Montag nimmt er an seinem Schreibtisch in Manhattan Platz. Random House ist mit mehr als einer halben Milliarde verkaufter Bücher und 5 700 Mitarbeitern die weltweite Nummer eins.

Die besten Jobs von allen

Die Entscheidung des neuen Ber-telsmann-Chefs Hartmut Ostrowski, den Senkrechtstarter Dohle zum weltgrößten Verleger zu berufen, hat durchaus Verwunderung hervorgerufen. ?Dohle ist nicht gerade als Bücherwurm bekannt?, sagte ein Insider in Gütersloh. Konzernintern war das Erstaunen groß. Viele gingen davon aus, dass ein Manager mit verlegerischem Anspruch Random House künftig führen wird. Dohles Vorgänger, der Amerikaner Peter Olsen, war ein brillanter Intellektueller. Doch seine Zahlen enttäuschten. Bei einem Umsatz von 1,84 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erzielte Olsen gerade mal einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 173 Mill. Euro.Ostrowski hat sich gegen einen Intellektuellen und für den Wirtschaftsingenieur Dohle entschieden. ?Er ist es gewohnt, sich hochgesteckte Ziele zu setzen ? und auch zu erreichen?, sagt Ostrowski über seinen Zögling. Dohle und HO, wie der Konzernchef intern im Konzern genannt wird, sind enge Vertraute. Die beiden kennen sich bestens und haben jahrelang im gleichen Gebäude an der Carl-Bertelsmann-Straße in Gütersloh zusammengearbeitet.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er gilt als Kommunikationstalent Den Ausschlag für Dohle hat aber seine unternehmerische Erfolgsbilanz gegeben. Fünf Jahre lang führte er die Mohn-Media-Gruppe, eine der Keimzellen von Europas größtem Medienkonzern, durch schwieriges Fahrwasser. Er steigerte den Umsatz, baute das Geschäft aus und setzte Mehrarbeit bei den Druckern durch.Der Arvato-Manager gilt als Kommunikationstalent. ?Dohle besitzt die Fähigkeit Mitarbeiter zu motivieren und zu fordern?, sagt ein Bertelsmann-Insider. ?Dohle hat ein Verkäufer-Gen?, bilanzierte das Lokalblatt ?Neue Westfälische?. Bei den ersten Gesprächen in New York hinterließ Dohle einen guten Eindruck. ?Er machte mit seiner Intelligenz, Freundlichkeit und seinem schnellen Gespür für unser Geschäft einen bombigen ersten Eindruck?, schwärmt ein Insider in der New Yorker Konzernzentrale.Dohles Talent wurde bei Bertelsmann früh erkannt. Nach dem Wirtschaftsingenieur-Studium in Karlsruhe heuerte Dohle in Gütersloh an. Dort stieg der katholische Sauerländer als Assistent der Geschäftsführung bei der Vereinigten Verlagsauslieferung (VVA) ein. Die VVA ist das größte Buchlogistikunternehmen in Deutschland. In dieser Zeit lernte er die betuliche Buchbranche kennen.Die Entscheidung für Dohle ist ein Votum für die Industrialisierung des Buches. Aus Sicht von Ostrowski muss Dohle daher nicht unbedingt geistreich über die englische Lyrik des 19. Jahrhunderts parlieren können. Dem Bertelsmann-Chef geht es darum, aus der Ware mehr Geld herauszuholen und neue Geschäftsfelder rund ums Buch zu erschließen. Ostrowski trimmt den ganzen Konzern auf Wachstum ? und nun auch Random House.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2008